Negativpreis von Foodwatch: "Goldener Windbeutel" für Capri-Sonne

Fünf Kandidaten standen zur Wahl, ein Produkt musste es werden, die Verbraucher haben entschieden: Der „Goldene Windbeutel“ geht in diesem Jahr an das Fruchtsaftgetränk Capri-Sonne. Für kein anderes Kinderprodukt werde aggressiver geworben, meinten die Verbraucher, die auf der Webseite der Verbraucherorganisation Foodwatch ihre Stimme abgegeben ...

BLZ
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Fünf Kandidaten standen zur Wahl, ein Produkt musste es werden,  die Verbraucher haben entschieden: Der „Goldene Windbeutel“ geht in diesem Jahr an das Fruchtsaftgetränk Capri-Sonne. Für kein anderes Kinderprodukt werde aggressiver geworben, meinten die Verbraucher, die auf der Webseite der Verbraucherorganisation Foodwatch ihre Stimme  abgegeben haben. 

Anders als in anderen Jahren ging es diesmal nicht darum, die Werbelüge des Jahres zu küren,  sondern um die dreisteste Werbemasche bei einem Kinderprodukt. Nun erhält ein Fruchtsaftgetränk, das seit 44 Jahren auf dem Markt ist und von Generationen von Kindern getrunken wurde, den Preis – und zwar auch stellvertretend für eine ganze Produktkategorie, die oft kritisierten Softdrinks.

„Capri-Sonne & Co. sind Dickmacher ersten Ranges, das ist wissenschaftlich erwiesen“, kritisiert Foodwatch.  Dennoch fixe der Hersteller, die Sisi-Werke, Kinder auf allen Kanälen an, immer noch mehr Zuckergetränke zu konsumieren. Die Sisi-Werke werben nicht nur im Fernsehen und Internet, sondern auch an Schulen intensiv für Capri-Sonne.

Dieser Zeitung liegt Unterrichtsmaterial vor, das von den Sisi-Werken verbreitet wurde und den Titel „Fit, fair und schlau“ trägt. Die Mappe sollte an Grundschulen als Lehrmaterial für die Themen Ernährung, Bewegung und soziale Kompetenz eingesetzt werden.  Darin wird Capri-Sonne in der Lebensmittelpyramide den Produkten zugeordnet, bei denen die Kinder zugreifen sollen.

Dabei enthält Capri Sonne Orange ziemlich viel Zucker - nämlich zehn Gramm je 100 Milliliter. In einer klassischen Capri-Sonne-Packung  bringt man also mehr als sechs handelsübliche Zuckerwürfel unter. Damit enthält das Getränk vergleichbar so viel Zucker wie  eine gewöhnliche Coca Cola oder Fanta.

Von wegen empfehlenswert ...

Viel Capri Sonne Orange zu trinken steht deshalb in eindeutigem Widerspruch zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.  Besonders empfehlenswerte Getränke für Kinder seien Trinkwasser, Mineralwasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, so die Ernährungsexperten. Capri Sonne Orange gehört dagegen zu den Fruchtsaftgetränken, von denen zusammen mit Limonaden und Energy Drinks am wenigsten getrunken werden sollte.

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Hersteller Sisi hat das Unterrichtsmaterial zurückgezogen, nachdem Foodwatch Druck gemacht hatte. Die anderen Marketingaktivitäten behält das Unternehmen aber bei, genauso wie es an seinen Produkten festhält. Es kann darin nichts Falsches erkennen. Den Preis „Goldener Windbeutel“ werde das Unternehmen nicht  annehmen, „da die von Foodwatch erhobenen Vorwürfe  aus Sicht des Unternehmens nicht haltbar sind“.

Softdrinks und ihre Vermarktung an Schulen werden seit Jahren kritisiert. Denn Studien zufolge fördern stark zuckerhaltige Getränke Adipositas also Dickleibigkeit.  Der öffentliche Druck, den Konsum einzuschränken nimmt zu.  In New York hatte Bürgermeister Michael Bloomberg einen ersten Vorstoß gewagt, XXL-Softdrinks zu verbieten. Eine Regelung, die im März dieses Jahres von einem Gericht wegen Willkür gekippt worden ist. Bloomberg hält  an seinem Ziel aber weiter fest, den Softdrink-Konsum in der Stadt zu reduzieren.

Nach Angaben von Wissenschaftlern sind in Deutschland sechs Prozent der Kinder bereits adipös und 13 Prozent übergewichtig – doppelt so viele wie vor zehn Jahren.  „Werbung hat in der Schule nichts verloren und ist besonders alarmierend, wenn sie Kinder zu Junkfood oder Süßigkeiten verführt“, so Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.  „Dass immer mehr Fälle bekannt werden, in denen Firmen für Süßes, Snacks und Softdrinks werben und das noch als Ernährungserziehung oder Sportförderung getarnt, ist ein Skandal.“

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