Negev am Toten Meer

Mit dem Jeep durch Israels Wüste

Bei einer Tour durch die felsige Wüste Negev lernt man Israels raue Seiten kennen.

Corinne Plaga
5 Min
Die Wüste Negev ist ein Ort der Einsamkeit, der Stille und der Trockenheit. Eine Alternative zur Erkundung per Wanderung sind Touren mit dem Jeep.

Die Wüste Negev ist ein Ort der Einsamkeit, der Stille und der Trockenheit. Eine Alternative zur Erkundung per Wanderung sind Touren mit dem Jeep.

© Istockphoto Lizenz

Der Wind bläst uns wie ein Föhn ins Gesicht. Heiß, trocken, erbarmungslos. Zum Atmen müssen wir unsere Köpfe wegdrehen, sonst fühlt es sich an, als würde jemand heiße Luft direkt in unsere Lungen pumpen. Angespannt klammere ich mich an den Eisenstangen über und neben mir fest. Dieser Programmpunkt klang auf dem Papier ganz harmlos: eine Jeep-Tour durch die Wüste Negev. Doch Ali Elatrache, unser braun gebrannter Tourführer, macht Ernst und jagt seinen offenen Landrover durch die karge Wüstenlandschaft nur wenige Kilometer vom Toten Meer entfernt. „Hoppa!“ ruft er und freut sich wie ein Kind, während wir hinten durchgeschüttelt werden und uns halb lachend, halb panisch Blicke zuwerfen.

Beduinen als Guide

Ali nimmt jeden Stein, jeden Hügel mit. In jeder Kurve haben wir das Gefühl, beinahe aus dem Wagen zu fliegen. Plötzlich stoppt Ali den Jeep und hüpft aus dem Wüstengefährt. Was ist passiert? „Dort“, ruft er in gebrochenem Englisch, „das ist mein Wald!“ Er rennt zu einem einsamen Akazienbaum, der grau und vertrocknet wirkt. Doch als Ali zurück kommt, hält er kleine, grüne Blätter in der Hand. Er erklärt uns, dass man diese kauen könne, denn die Bäume seien dank ihrer tiefen Wurzeln einer der wenigen Flüssigkeitsspeicher in der Wüste.

Ali ist Beduine, stammt von den nomadischen Wüstenbewohnern ab und kennt alle Überlebenstricks in dieser scheinbar lebensfeindlichen Landschaft. Davon wird er während der Tour einige preisgeben. Bevor es mit 60 Stundenkilometern weitergeht, schenkt uns Ali Wasser aus einer Plastikflasche ein. „Ihr müsst viel trinken“, ermahnt er uns mit freundlichem Blick. Sein herzliches Lachen lässt das anfängliche Unbehagen verschwinden. Unsere Blicke schweifen über Felsen und Sandhügel.

Einige Minuten schweigen wir, genießen die uns so fremde Natur. Der Motor heult auf, Ali gibt Gas. Wir jagen eine schier unendliche Wüstenstraße entlang. Der Wagen wird schneller und schneller. Doch das Abenteuer hat erst begonnen. Zwischen den Felsen legt sich der Jeep wieder steil in die Kurven, Ali macht sich einen Spaß daraus, uns alle paar Meter mit einem neuen, waghalsigen Manöver zu erschrecken. Einmal scheint es, als würde er direkt auf einen Abgrund zusteuern, der Landrover wird langsamer, um in der nächsten Sekunde einen steilen Abhang hinunterzuklettern. Wir schreien auf, klammern uns an den Stangen fest und lachen anschließend ausgelassen. Diese Jeep-Tour ist besser als jede Achterbahnfahrt!

Beim nächsten Zwischenstopp ermuntert uns Ali, an den Felsen zu lecken. Vor Jahrhunderten war dieser Teil der Wüste vom Toten Meer bedeckt, das Gestein schmeckt bis heute stark salzig. Schutz vor der Hitze bieten die wenigen Höhlen in der Negev. Die Luft darin ist klar und kühl. Hier lässt es sich aushalten!

Bald erreichen wir den Höhepunkt der Tour. Wir steigen aus. Vor uns öffnet sich ein riesiger Wüsten-Canyon. Die gleißende Abendsonne hinter den Hügeln bietet ein phänomenales Panorama. Wir machen Fotos, trinken noch mal reichlich Wasser und treten etwas wehmütig die Rückreise Richtung Hotel an.

Der größte Teil Israels besteht aus Wüste. Die mehr als 200.000?hier lebenden Beduinen haben sich an die rauen Bedingungen angepasst. Die Hälfte von ihnen lebt inzwischen in kleinen Dörfern. Einige verdienen wie Ali mit dem Tourismus ihr Geld.

In diesem Jahr besuchten laut israelischem Tourismusministerium bis August 100.000 deutsche Urlauber das Land. Der Zuwachs zum Vorjahr beträgt fast 60 Prozent. Doch der Tourismus in Israel ist stark von der politischen Lage abhängig. Wegen des Gaza-Krieges im Sommer 2014 brachen die Touristenzahlen von Juli bis September ein. Nach diesen Phasen zeigt sich aber immer wieder ein Aufschwung. Das Interesse an Israel als Urlaubsland wächst.

Einsames Dasein

Das liegt nicht zuletzt auch an der modernen, jungen Stadt Tel Aviv und an der spannenden Geschichte von Jerusalem. Doch auch hier kann die Stimmung schnell kippen. Drei Tage nach unserem Besuch in der israelischen Hauptstadt kam es auf dem Tempelberg zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten.

Von all diesen Spannungen spürt man in der Negev nichts. Auf dem Rückweg zum Hotel halten wir noch ein letztes Mal an. Ali hat einen Esel gesichtet. Er scheucht das Tier, das auf dem Boden liegt, auf. Der Esel ziert sich und bewegt sich dann doch einige Meter. Das Gehen fällt ihm schwer, er humpelt. Als unser Tourguide zurück ins Auto steigt, erzählt er uns, der Esel habe zu einer Beduinengruppe gehört, sich dann aber am Bein verletzt. Da das Geld für die Behandlung fehlte, fristet das Tier jetzt sein einsames Dasein in der kargen Wüstenlandschaft. Einer Landschaft, die mit ihrer Weite und ihren atemberaubenden Naturformationen noch lange nachwirkt.

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Am Toten Meer: Wer ans Tote Meer fährt, sollte zwei Orte nicht verpassen. Die Oase En Gedi am Westufer ist ein grünes Naturreservat mit vielen Wasserfällen und typischen Tieren wie dem Steinbock. Viele Besucher nutzen die Wasserstellen auch zum Baden. Zum anderen sollte man Masada nicht verpassen. Die ehemalige jüdische Festung, erbaut im Auftrag von König Herodes I., ist für Israels Geschichte von großer Bedeutung. Seit 1971 führt eine 900 Meter lange Luftseilbahn, die Masadabahn, auf das Gipfelplateau. Sie ist die tiefstgelegene Seilbahn der Welt. www.goisrael.com

Reisewarnung: Das deutsche Auswärtige Amt warnt auf seiner Homepage vor Reisen in den Gaza-Streifen, Ost-Jerusalem sowie in die Grenzgebiete zu Syrien, Ägypten und Libanon.

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