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Netanjahu: Darum will der Iran Trump töten

Laut Israels Ministerpräsident ist US-Präsident Donald Trump Irans „Feind Nummer eins“. Benjamin Netanjahu kündigt zudem einen „Wendepunkt im gesamten Feldzug“ an.

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US-Präsident Donald Trump (l.) empfing Anfang April Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Weißen Haus.

US-Präsident Donald Trump (l.) empfing Anfang April Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Weißen Haus.

© Andrew Leyden/ZUMA Press Wire/dpa

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat in seinem ersten Interview seit Beginn des Krieges gegen den Iran erklärt, Teheran habe US-Präsident Donald Trump als „Feind Nummer eins“ identifiziert und aktiv an dessen Ermordung gearbeitet. Gegenüber dem US-Sender Fox News sagte Netanjahu, der Iran habe in Trump eine zentrale Bedrohung für sein Atomprogramm gesehen.

„Sie wollen ihn töten“, so Netanjahu. Trump sei ein entschlossener Gegner des iranischen Regimes. Er war während seiner ersten Amtszeit aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. „Er hat dieses Scheinabkommen aufgegriffen und im Grunde zerrissen“, so Netanjahu. „Er hat Qasem Soleimani getötet. Er hat es sehr deutlich gemacht, unter anderem jetzt: ‚Ihr könnt keine Atomwaffen besitzen, was bedeutet, dass ihr kein Uran anreichern könnt.‘ Er ist sehr energisch aufgetreten, deshalb ist er für sie Feind Nummer eins.“ 

Hintergrund: Soleimani war im Januar 2020 bei einem von Trump befohlenen Drohnenangriff am Flughafen von Bagdad getötet worden. Er befehligte die Al-Kuds-Brigaden, die für Auslandseinsätze zuständige Abteilung der iranischen Revolutionsgarden, und galt als Held des Iran-Irak-Krieges.

Netanjahu sagte weiterhin, er sei ebenfalls ins Visier geraten – eine iranische Rakete sei in sein Schlafzimmerfenster eingeschlagen. Israel stehe vor einer „doppelten existenziellen Bedrohung“ und habe deshalb „in letzter Minute“ militärisch handeln müssen.

Irans Außenminister: Netanjahu hält Trump zum Narren

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sieht den Schlüssel zur Beendigung des Krieges zwischen seinem Land und Israel bei Trump. „Ein Anruf aus Washington genügt, um jemandem wie Netanjahu den Mund zu verbieten. Das könnte den Weg für eine Rückkehr zur Diplomatie ebnen“, schrieb der Außenminister auf der Plattform X. „Netanjahu hält einen weiteren US-Präsidenten zum Narren“, fügte er hinzu.

Der israelische Angriff auf sein Land diene dazu, ein Atom-Abkommen zwischen dem Iran und den USA zu verhindern, „das wir auf dem besten Weg zu erreichen waren“, so Araghtschi.

In den seit rund zwei Monaten laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über das umstrittene Atomprogramm gab es zuletzt keine Fortschritte mehr. Eine für Sonntag vorgesehene Gesprächsrunde im Oman war nach den israelischen Angriffen abgesagt worden.

Kann Israel ungehindert in Teheran operieren?

Im eskalierenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran bombardierte die israelische Luftwaffe am Montag das Hauptgebäude des iranischen Staatssenders IRIB in Teheran – während einer laufenden Live-Sendung. Aufnahmen in den sozialen Netzwerken zeigen, wie die Nachrichtensendung abrupt von lauten Explosionen unterbrochen wird. Der Bildschirm füllt sich mit Rauch und Trümmern, der Moderator flüchtet aus dem Studio, eine Stimme ruft „Allahu Akbar“.

Ein Reporter der iranischen Staatsmedien veröffentlichte daraufhin ein Video des brennenden Gebäudes. In dem Clip sagt Younes Shadlou, er sei sich nicht sicher, wie viele seiner Kollegen bei dem Angriff getötet wurden. Wie der Sender später mitteilte, seien mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Genauere Angaben machte die der iranischen Führung unterstellte Sendeanstalt IRIB nicht.

Wenige Stunden zuvor hatte das israelische Militär gemeldet, die vollständige Lufthoheit über Teheran erlangt zu haben. Nach tagelangen Luftangriffen auf iranische Luftabwehrsysteme seien die israelischen Streitkräfte nun in der Lage, ungehindert über der Hauptstadt zu operieren, teilte das Militär am Montag mit. Zuvor seien den Angaben zufolge mehr als 120 iranische Abschussrampen zerstört worden – damit sei ein Drittel der Rampen für Boden-Boden-Raketen im Iran betroffen. Auch Raketenlager und Einrichtungen zur Raketenherstellung seien getroffen worden, so das israelische Militär weiter.

Netanjahu: „Wir sind auf dem Weg zum Sieg“

Netanjahu sprach von einem „Wendepunkt im gesamten Feldzug“ und erklärte, Israel sei „auf dem Weg“, sowohl das iranische Atomprogramm als auch dessen ballistische Raketenkapazitäten zu eliminieren. „Wir sind auf dem Weg zum Sieg“, so Netanjahu weiter.

Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, dass Angriffe auf Regime- und Sicherheitsziele in Teheran unmittelbar bevorstünden. Bewohner in betroffenen Stadtteilen müssten sich auf Evakuierungen einstellen. Die Bevölkerung soll aus der Metropole flüchten, damit die Luftwaffe Militär- und Geheimdienst-Gebäude zerstören kann.

Israel gegen den Iran: Wie viele Opfer gab es bisher?

Die Angriffe erfolgten inmitten einer neuen Eskalationsstufe: Israelische Rettungskräfte berichteten am Montag, dass bei iranischen Raketenangriffen auf mehrere Städte acht Menschen getötet worden seien. Die Gesamtzahl der israelischen Todesopfer seit Freitag stieg damit auf 23.

Auch der Iran meldete schwere Verluste. Nach offiziellen Angaben kamen durch israelische Luftschläge bislang 224 Zivilisten und 17 ranghohe Militärs ums Leben. Irans Präsident Masud Pezeshkian appellierte vor dem Parlament an die nationale Einheit und bekräftigte zugleich das Festhalten am zivilen Atomprogramm des Landes.

Die internationale Staatengemeinschaft zeigte sich unterdessen alarmiert. Beim G7-Gipfel in Kanada erklärten die versammelten Regierungschefs, diplomatische Lösungen zur Eindämmung des Konflikts hätten höchste Priorität.

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