Neuaufteilung der Flugmärkte

Daniel Baumann
3 Min

Es ist gar nicht lange her, da war ein Flugzeug noch mehr als ein Transportmittel. Die Airlines waren immer auch der Stolz ihrer Nation und Symbol ihres Erfolgs oder Misserfolgs. Dementsprechend wurden sie von ihren Regierungen gehegt und gepflegt. Notfalls kämpften diese mit Milliardenbeträgen gegen den Niedergang "ihrer" Airline, zum Beispiel bei der heute zur Lufthansa gehörenden Swiss. Oder auch bei Alitalia, für die Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi derzeit eine nationale Lösung unter Beteiligung der Privatwirtschaft zu zimmern versucht. Allerdings dürfte es sich dabei um ein Auslaufmodell handeln.In der Geschichte der Luftfahrtindustrie markiert das Jahr 2004 einen Dammbruch. Die damalige Fusion zwischen Air France und der niederländischen KLM war der erste grenzüberschreitende Zusammenschluss zweier Airlines. Seither haben die Berührungsängste und nationalstaatlichen Empfindlichkeiten deutlich abgenommen. Unter dem Druck von Billig-Fliegern, derzeit weltweit stark zurückgehender Passagier- und Frachtzahlen und stark schwankenden Kerosinpreisen schließen sich kleine Fluggesellschaften großen an. Diese Situation ist neu. In Europa stehen praktisch alle kleineren Flug-Konzerne zum Verkauf. Nach der Swiss übernimmt Lufthansa nun auch Austrian Airlines und führt Gerüchten zufolge wieder Gespräche mit der halbstaatlichen, skandinavischen SAS. Obwohl zur SAS die hochdefizitäre Spanair gehört, ist Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber offenbar bereit, dieses Risiko einzugehen auf dem Weg zu einem europäischen Flugkonzern. Denn Mayrhuber steht unter Zugzwang.Rund um ihn herum versuchen die großen Airlines zu wachsen und in neue Märkte vorzudringen. In den USA fusionierte im Sommer Delta mit Northwest. In Russland will die nach Passagieraufkommen größte Gesellschaft Aeroflot 25 Prozent der Anteile an der zweitgrößten Fluggesellschaft Sibir übernehmen. Und unter dem Namen Atlant-Sojus sollen gleich zehn russiche Gesellschaften zu einem Flugkonzern verschmolzen werden. In Indien bricht die noch junge Branche mit einem gigantischen Jahresverlust von geschätzt 1,5 bis zwei Milliarden Dollar wieder zusammen und macht Platz für ausländische Konkurrenten. In Italien werden derweil die Billig-Airline AirOne und die ehemals stolze aber jetzt darniederliegende Alitalia fusioniert. AirFrance-KLM gilt als Favorit für eine Beteiligung an dem neuen Unternehmen. Lufthansa hält bereits Anteile an Air Dolomiti und will im Februar 2009 sein Unternehmen "Lufthansa Italia" starten.In eine gute Position hat sich British Airways gebracht. Die Briten versuchen einen Zusammenschluss mit der spanischen Iberia und - noch interessanter - mit der australischen Fluglinie Qantas. Entstehen würde der erste globale Flugkonzern. Allerdings stehen dem noch viele rechtliche und finanzielle Hürden im Weg. Auch lehnen Iberia und Qantas eine Dreier-Fusion ab.So viel Bewegung im Fluggeschäft gab es nie. Neben Fusionen zählt der Flugverband IATA 30 Pleiten in diesem Jahr und erwartet, dass sich der Trend weiter fortsetzt. Weltweit werden die Märkte neu verteilt.------------------------------Grafik: Wachstum der Luftverkehrsbranche

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema