Die Fassade ist mit Graffiti beschmiert, die Fensterfront verhängt, zwischen Treppenstufen wuchert Unkraut. Das Sport- und Erholungszentrum SEZ an der Landsberger Allee, das einstige Vorzeigebad der DDR, ist ein optischer Schandfleck. Drinnen sieht es allerdings anders aus: Sowohl die Bowlingbahn im Keller als auch die Badminton-Halle zur Danziger Straße sind gut in Schuss, ebenso die Saunalandschaft plus Gartenpool.
In einigen Räumen sind Ateliers eingerichtet und auch die zentrale Halle, in der einst das Schwimm- und Spaßbad war, wird genutzt – allerdings nicht zum Schwimmen. In den Becken sind Fußball- und Volleyballfelder entstanden. Fitnessgeräte wurden aufgestellt, und wo einmal das Wellenbad wogte, kann man jetzt Tischtennis spielen.
Zur Zukunft des Hauses, das Berlin vor 13 Jahren für einen symbolischen Euro an den Leipziger Unternehmer Rainer Löhnitz verscherbelt hat, ist jetzt eine Debatte entbrannt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der sich damals für diesen Deal stark gemacht hatte, möchte das Geschäft wieder rückgängig machen. Im SEZ, so hat das Bezirksparlament jüngst beschlossen, soll wieder ein Hallen- oder Spaßbad entstehen. Dieses könnte sogar das geplante Multifunktionsbad in Pankow ersetzen – das SEZ sei besser, weil zentraler gelegen, heißt es.
SEZ-Eigentümer spielt keine Rolle in den Plänen
Erste Gespräche mit verschiedenen Senatsverwaltungen laufen. Zudem hat ein Gutachten im Auftrag des Bezirksamtes mehrere Nutzungsvarianten für das SEZ und das fünf Hektar große Grundstück erstellt. Darin werden eine Sanierung des Hauses, der Abriss samt Neubau eines Bades sowie eine Wohnnutzung untersucht.
Doch all die schönen Ideen und Pläne haben einen entscheidenden Haken: Der SEZ-Eigentümer spielt darin keine Rolle. Dass Rainer Löhnitz sein Eigentum für einen ähnlichen Wert wieder hergibt, ist illusorisch. Das weiß auch Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Er sagt, wenn das Land das Haus nebst Grundstück wiederhaben möchte, müsste dafür mindestens der aktuelle Verkehrswert bezahlt werden. Grob geschätzt liege der zwischen zwölf und 20 Millionen Euro.
Kontakte zwischen Bezirk und SEZ-Eigentümer bestehen seit längerem nicht mehr, zwischen beiden Seiten herrscht eine Art Stellungskrieg. Löhnitz klagt in gleich mehreren Verfahren gegen den Bezirk, der ihn an der Nutzung seines Eigentums behindere, wie er sagt.
Das Bezirksamt hatte mehrere seiner Vorschläge abgelehnt, die darauf abzielten, das weitläufige SEZ-Gelände wirtschaftlicher zu machen. Löhnitz wollte zunächst einen Stellplatz für Wohnmobile einrichten, plante dann ein Hostel mit Reitplatz und schließlich Wohnungsbau. Nachdem dies alles abgelehnt wurde, will er jetzt das SEZ abreißen lassen. An dessen Stelle soll eine Sport-, Freizeit- und Wellnessanlage mit Hostel und Studentenwohnungen entstehen (siehe Grafik). Der Bezirk will das Gebäude aber so wie es ist erhalten und blockiert alle Veränderungsvorhaben. Wer recht bekommt, müssen die Gerichte entscheiden.
Seit Jahren steht das SEZ im Fokus von Debatten. Der Rechnungshof rügt den Ein-Euro-Deal von 2003 regelmäßig als Verschleuderung öffentlicher Mittel. Und Politiker im Bezirk behaupten immer wieder, Löhnitz habe seine Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag nicht erfüllt, weil er das Schwimmbad nicht wieder eröffnet habe. Doch von einem Schwimmbad steht gar nichts im Kaufvertrag. Dort ist die Rede von einem Hallenbad, was eine Formulierung ohne Rechtsanspruch ist – jeder Hotelpool darf als Hallenbad tituliert werden. Im SEZ gibt es kleine Wasserflächen, die den Rechtsanspruch erfüllen. Es gibt auch eine Vertragsklausel, wonach der Eigentümer niemanden fragen muss, falls er auf dem Gelände eine andere Nutzung plant. Ein Hotel, ja sogar eine Tankstelle wäre möglich.
Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird der Kaufvertrag inzwischen als „dusselig“ kritisiert. Ob das Land Berlin das offenkundig schlechte Geschäft rückgängig machen wird, bleibt abzuwarten. Baustadtrat Panhoff spricht von einer „politischen Entscheidung“, die es zu treffen gelte.
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