Im Hof des Admiralspalastes stehen Frauengrüppchen dicht an dicht, sie unterhalten sich aufgeregt und jauchzend. Gerade ist die Vorführung der Chippendales zu Ende, nur schwer gelangt man durch die Menge zu der rot gestrichenen Treppe, die in der hinteren Ecke nach unten führt. Dort befindet sich seit Kurzem der Imperial Club.
Und hier, unter dem Innenhof, findet das totale Kontrastprogramm statt: Auf einer kleinen Bühne steht eine Frau in grasgrünen Strumpfhosen und Glitzermütze und singt zu Elektrosounds. Um die 30 Leute stehen vor ihr, manche in schrillen Outfits wie die Künstlerin selbst, die Amerikanerin Jessie Evans, die an diesem Abend in der Nero Bar des Imperial Clubs ihr neues Album vorstellt. Die Bar ist ein gemütlicher, kleiner Raum mit niedrigen Decken. An den Wänden, die mit dunkelgrüner Tapete verziert sind, ziehen sich dunkle Polstersitze entlang. Der Großteil der Einrichtung im 20er-Jahre-Stil stammt aus der Absinth Bar, die sich zuletzt hier befand.
Zu wenig Orte für Bands
Seit Oktober ist sie nun Teil des Imperial Clubs, betrieben von Konzertveranstalter Carlos Fleischmann, der auch das Greenville Festival vor den Toren Berlins ausrichtet. Im Club werden Konzerte von Künstlern stattfinden, die seine Agentur Creative Talent betreut. Daneben soll es Lesungen geben und ab Mitte Januar ist der Quatsch Comedy Club sechs Wochen lang zu Gast. „Der Schwerpunkt liegt aber auf Konzerten“, erzählt Kai Uwe de Graf, der den gastronomischen Bereich betreut. Zuletzt hat er das Rodeo im Postfuhramt an der Oranienburger Straße geleitet. „Mitte ist ja kaputtsaniert“, sagt er. „Es gibt zu wenige Orte für Bands in Mitte. Hier kann jetzt wieder ein bisschen Subkultur stattfinden.“ Der Lärmschutz sei im Keller ganz hervorragend, Anwohner gebe es nicht. „Hier unten kann man richtig Krach machen.“ Bis zu 800 Besucher passen bei einem Konzert in den Raum. Bisher ist der Betrieb noch im Probelauf, die große Eröffnung erst zu Silvester angedacht. Dann aber richtig. Am Silvesterabend sollen Bands den kompletten Admiralspalast bespielen.
Sozialistische Retro-Deko
Auch am anderen Ende von Mitte wird in diesen Tagen ein Keller re-animiert: Im ehemaligen Café Moskau setzt jetzt der Avenue Club die lange Geschichte des Hauses fort. Einst war es das Aushängeschild der DDR-Gastronomie, berühmt für sein ungewöhnliches und exklusives Ambiente. Vor zehn Jahren erlangte die ehemalige Nachtbar im Keller Kultstatus, als der Club WMF hier kurzzeitig Station machte. Erst tänzelten Paare in Abendgarderobe über das Parkett der Nachtbar, später hüpften verschwitzte Clubgänger zu wuchtigen Bässen durch die sozialistische Retro-Deko und liebten Berlin für die geschichtsträchtigen Orte, an denen es sich so verdammt gut feiern ließ.
Der Name klingt so gar nicht nach Berlin
Nach Jahren, in denen der Ort nur für Firmenevents offen war und nach einem kurzen Versuch, eine Mainstream-Disco zu etablieren, wird nun also wieder ein Club eröffnen, betrieben von einer Event-Agentur, die sonst Party-Konzepte für große Marken verwirklicht. Geplant ist ein regelmäßiger Club-Betrieb von Donnerstag bis Samstag mit House, Disco, HipHop. „Damit möchten wir eine gute Mischung von Leuten erreichen“, sagt Geschäftsführer Felix Brandts. Viel Werbung möchte die Agentur für den Ort nicht machen, eher über Empfehlungen bekannt werden. „Wir laden lieber persönlich ein“, sagt Brandts und spricht von Multiplikatoren, mit denen seine Agentur zusammenarbeitet. „Wir sind ein großes Team, kennen viele Leute und sind viel unterwegs.“
Das soll wohl auch der Name widerspiegeln: Avenue Club, das klingt so gar nicht nach Berlin, sondern nach überall. „Der Laden könnte auch in Paris, London oder New York sein“, sagt Brandts, der damit die Einrichtung meint: schicker Retrostil, perfekt und bis ins letzte Detail durchgestylt, viel Holz, viel Braun, Rot und Orange, warmes Licht, weiche Kanten – entworfen von den Architekten, die auch für die Inneneinrichtung der Panorama Bar oder des Asphalt Clubs verantwortlich sind.
An diesem Samstag findet das Pre-Opening statt, eine Wohltätigkeitsparty zusammen mit MTV London zum Welt-Aids-Tag. Das musikalische Programm ist so, wie es von nun an immer samstags sein wird: House auf dem großen Floor, HipHop auf dem kleinen. Den Berlin-typischen Minimal-Sound werde es hier nicht geben, so Brandts. „Das ist nicht so unser Sound. Wir sind eher die Gute-Laune-Fraktion.“
Pre-Opening: 30.11., 22 Uhr, Avenue Club, Karl-Marx-Allee 34, Mitte, www.facebook.com/avenue.club.berlin
Konzert: Jason Isbell, 1.12., 21 Uhr, Imperial Club, Friedrichstr. 101, Mitte
Lesung: Jackie A., 7.12., 20 Uhr, Imperial Club, Friedrichstr. 101, Mitte
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