Mit den wenigen Plätzen drinnen kann gerade mal so der dringendste Bedarf der Moderatorin selbst gedeckt werden. Sie benutzt die Eintrittskarten nämlich als besonderes Dankeschön und krisensichere Nebenwährung im täglichen Geschäftsverkehr. Man kann deshalb nur raten, stets nett und hilfreich zu ihr zu sein: „Wer mein Auto repariert oder mich in der Schlange vorlässt ...“
Stundenration samt Gästen
Etwas leichter war es, an Tickets für eine kleine Kinotour unter dem Motto „Auf ein Bier mit Ina Müller“ zu kommen, auf der sie dieser Tage in Berlin, Hamburg, München und Köln über all das, was sie nächste Woche auf den Markt wirft, plaudert: Eine CD, eine DVD, eine Blu-Ray, jeweils mit dem Titel „Ina Müller Live“, außerdem Tickets für die Fortsetzung ihrer 2012er „Das wär Dein Lied gewesen“-Tour. Der folgt im nächsten Jahr eine Tournee, die sie am 27. Juli auch in die Wuhlheide in Berlin führen wird. Vielleicht hat sich die Sängerin ja dann schon von ihrem 48. Geburtstag zwei Tage zuvor erholt. Möglicherweise feiert sie aber auch einfach weiter.
Am 20. Oktober startet die neue Staffel von „Inas Nacht“ im Spätprogramm der ARD. Fans verlangen - wie auch am Donnerstagabend im Kino Cinemaxx am Potsdamer Platz geschehen – immer wieder nach mehr als dieser Stundenration Ina Müller samt Gästen. Sie selbst sieht das anders: „Ich glaube, dass eine Stunde genau richtig ist.“ Auch bei ihren Konzerten achtet sie darauf, dass die nicht ausufern: „Nichts kann so gut sein, dass ich es länger als zwei Stunden aushalte.“ Was Ina Müller gar nicht mag, das sind Leute, die sich dazu berufen fühlen, ihr die Welt zu erklären: „Da könnte ich zum Tier werden.“
Und manche Gäste ihrer Sendung sind auch grenzwertig. Bei Jürgen Drews war sie kurz davor, dem Produzenten mitzuteilen, dass sie jetzt nach Hause geht: „Als Drews am Nachmittag schon kam und meinte, das ist seine Sendung....“ Die ehemalige pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Apotheke auf Sylt hat für Typen wie ihn eine Diagnose: „Der ist so ADS-krank!“ Sie lernte, für einen Abend mit seiner Hyperaktivität zu leben und sieht diese Episode inzwischen mit Humor.
Für Viertel nach acht nicht gemacht
Ina Müller hat keinen Manager. Sie selbst erklärt das praktisch und selbstkritisch: „Ich wüsste nicht, wer mit mir arbeiten wollen würde. Ich würde es nicht wollen.“ Ihre Handy-Mailbox hat sie nur für Mutter eingerichtet: „Sie hat kein Internet und kann keine SMS schreiben.“ Mutter ist Ende 70 und lebt auf einem kleinen, norddeutschen Dorf. „Sie weiß immer erst, wie sie meine letzte Sendung findet, wenn sie beim Kaufmann war und dort gehört hat, wie andere Leute gesagt haben: Das war wieder ein schöner Abend!“
Wenn man Ina Müller erlebt, wie sie ihr Publikum amüsiert und dabei sehr schlagfertig ist, fragt man sich natürlich, ob sie eigentlich auch gefragt wurde, als es um die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ ging. Sie echauffiert sich ein wenig bei ihrer Antwort: „Nein, ist das nicht unverschämt?!“ Um dann gleich etwas versöhnlicher zu klingen: „Ich glaube, ich bin für Viertel nach acht nicht gemacht. Nach dem Wort zum Sonntag passe ich doch sehr gut.“ Aber warum eigentlich immer erst danach? „Sehr gern würde ich das Wort zum Sonntag auch mal selbst machen.“
Mehr Informationen unter http://daserste.ndr.de/inas_nacht/index.html
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de