In Deutschland soll es nur rund 88.800 Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen geben. Das ist zumindest das Ergebnis einer neuen Studie des Erotikportals Erobella. Diese Zahl liegt deutlich unter der, von der die Politik und die Kirchen ausgehen: nämlich 200.000 bis 400.000 Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen in Deutschland. Beispielsweise sprach CDU-Politikerin Dorothee Bär im September von etwa 250.000 Prostituierten. „Deutschland hat sich zum Bordell Europas entwickelt“, sagte Bär in einem Interview mit der Bild-Zeitung.
Die neue Studie untersuchte die Anzahl von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen in 14 deutschen Städten und verglich die Zahlen mit offiziell registrierten Prostituierten. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Ende 2022 rund 28.280 Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen in Deutschland offiziell bei Behörden registriert. Laut der Studie kommen auf jeden angemeldeten Sexarbeiter etwa 2,14, die nicht registriert sind. Das ergebe die Schätzung von 88.800.
„Zunächst scheint es mehr als fraglich, ob die Bezeichnung Deutschlands als „Bordell Europas“ wirklich zutrifft“, heißt es in der Studie. Es sei schwer, ein realistisches Bild von Sexarbeit in Deutschland zu zeichnen, wenn mit nicht belegbaren Zahlen argumentiert werde.
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Ola Miedzynska, Mitgründerin von Erobella, sagt dazu: „Die realen Zahlen zeigen, dass Sexarbeit in Deutschland nicht das monströse Bild ist, das oft gezeichnet wird. Statt Stigmatisierung und Übertreibung braucht die Branche Aufklärung und Unterstützung. Nur mit einem realistischen Blick können wir die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter:innen nachhaltig verbessern.”
Am Dienstag forderte die CDU-Fraktion im Bundestag grundlegende Änderungen in der deutschen Prostitutionspolitik. Der Kauf von Sex soll laut einem Positionspapier der Partei unter Strafe gestellt werden. Außerdem fordert die Union mehr Aufklärung und Präventionsprogramme. So sollen unter anderem Menschenhandel und Zwangsprostitution eingeschränkt werden. (mit dpa, epd)
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