NEURUPPIN. Pfleger der Nervenheilklinik Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) haben die Ärzte, die den Ausgang des psychisch kranken Straftäters Frank Schmökel im Oktober genehmigten, schwer belastet. Die örtliche Staatsanwaltschaft hat jetzt acht Pfleger vernommen. Übereinstimmend gaben sie an, die Ärzte vor der Gefährlichkeit und einer möglichen Flucht des Kinderschänders gewarnt zu haben. "Sie sagten, Schmökel habe sich nur nach außen angepasst, sich innerlich aber nicht geändert", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher. Die Pfleger hielten Schmökel für nicht therapierbar. "Der Pflegedienstleiter hat seine Bedenken gegen einen Ausgang Schmökels zwei Ärzten mitgeteilt", sagt Schnittcher. Trotzdem hätten die beiden sowie ein weiterer Arzt den Besuch Schmökels bei seiner Mutter erlaubt. Dort floh der Triebtäter, verletzte zwei Bewacher und seine Mutter teilweise schwer und erschlug während seiner 13-tägigen Flucht einen Rentner. Wegen der Flucht ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die drei Ärzte wegen fahrlässiger Körperverletzung. Offensichtlich wurden die Sicherheitsbestimmungen in Neuruppin vernachlässigt. Wie erst jetzt bekannt wurde, versuchte bereits drei Wochen vor Schmökel ein anderer Triebtäter, während eines Ausgangs zu fliehen. Auch er hatte Pfleger mit einem Messer bedroht. Obwohl die Klinikleitung vorher gewarnt wurde, der Patient habe ein Messer, sei ihm der Ausgang gestattet worden. Bei einer Durchsuchung seines Zimmers wurde das Messer zuvor nicht entdeckt. Auch im Fall Schmökel wurde offenbar geschlampt. Die Ermittler fanden keine ärztlichen Akten über Therapiefortschritte. Zudem sei er nur einmal in der Woche bei Gruppengesprächen behandelt worden. "Die sollen aber oft ausgefallen sein", sagte Schnittcher."Das würde Schmökels Aussagen bestätigen, der immer wieder eine richtige Therapie gefordert hatte", sagt dessen Anwalt Karsten Beckmann. Er will den Triebtäter nach den Weihnachtstagen im Maßregelvollzug der Landesklinik Brandenburg besuchen und prüfen, ob seine Beschwerden wegen der "menschenunwürdigenden Unterbringung" Schmökels abgestellt wurden. "In den ersten Wochen lag er den ganzen Tag auf einer Liege angeschnallt und starrte die Decke an", sagt der Anwalt. Nur zum Essen sei eine Hand frei gemacht worden. Zudem werde Schmökel nicht therapeutisch behandelt. (bla.)
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