Das Gremium hob das Dekret auf, mit dem Sall die Wahl abgesagt hatte. Der Wahltermin am 25. Februar sei zwar nicht zu halten, die Wahl müsse aber schnellstmöglich stattfinden. Sall hatte die Verschiebung unter anderem mit Korruptionsvorwürfen gegen den Verfassungsrat bei der Kandidatenauswahl begründet und einen nationalen Dialog vorgeschlagen. Der Schritt hatte massive Proteste in dem Staat mit knapp 18 Millionen Einwohnern ausgelöst, bei deren Niederschlagung Menschenrechtlern zufolge mindestens drei Menschen getötet, Dutzende verletzt und Hunderte festgenommen wurden. Die Vereinten Nationen, EU, die USA, die Afrikanische Union und der westafrikanische Staatenbund Ecowas äußerten Besorgnis.
Der Senegal, der seit seiner Unabhängigkeit 1960 friedlich ist, galt als stabile Mehrparteiendemokratie in einer von Putschen und Autokratien geprägten Region. Kritiker warfen dem seit 2012 amtierenden Sall einen Verfassungscoup vor. Die Verschiebung der Wahl wurde aber auch von der wichtigen Oppositionspartei PDS mitgetragen, deren Kandidat Karim Wade - Sohn von Salls Vorgänger Abdoulaye Wade - nicht zugelassen wurde. Sall betont, keine weitere Amtszeit anzustreben. Vergangenes Jahr wurden Menschenrechtlern zufolge mindestens 23 Menschen bei Protesten gegen die Verurteilung des Oppositionsführers Ousmane Sonko getötet, der ebenfalls von der Wahl ausgeschlossen ist.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de