Neuer Job: Herausgeber des Tennis Magazins

Boris Becker schlägt im Journalismus auf

Björn Wirth
3 Min

Das deutsche Tenniswesen verharrt in einem beklagenswerten Zustand. Erst am Wochenende war das ganze Ausmaß des Elends zu besichtigen, als die ARD im Rahmen einer Senioren-Tour das Aufeinandertreffen von Boris Becker und Michael Stich live übertrug. Die "Revanche der Tennis-Legenden" hatte das Erste angekündigt und zwei Stunden Sendezeit bereitgestellt. Beide Legenden schleppten sich die Grundlinie entlang, Legende Becker traf noch seltener den Ball und verlor folgerichtig auch dieses, nun ja, Spiel. Doch selbst wenn es mit dem Schlägerschwingen nicht mehr so recht klappt, mag Becker vom Tennis nicht lassen. Erst kaufte seine Agentur Becker Cleven International die Vermarktungsrechte der German Open 2003, nun tritt Boris Becker auch als Herausgeber der Fachzeitschrift Tennis Magazin an. "Unsere Leser werden viel von und über Boris erfahren", verspricht Thomas Kosinski, der Chefredakteur des Heftes. Bereits in der kommenden Ausgabe gibt es ein ausführliches Interview mit dem neuen Herausgeber, der zudem im Editorial seine Visionen vom deutschen Tennis ausbreiten wird. In jedem weiteren Heft soll Boris Becker dann eine Kolumne bestreiten, in der er über aktuelle Themen im Tennis sinniert oder dem Leser erklärt, wie der Becker-Hecht geht. "Natürlich versprechen wir uns mehr Aufmerksamkeit für das Magazin", sagt Kosinski, "denn Boris Becker ist immer noch der Kristallisationspunkt im deutschen Tennis." Allerdings sind Beckers Aktivitäten außerhalb des Tennisplatzes bislang nicht eben glücklich verlaufen. Das mit großem Getöse gestartete Internet-Portal Sportgate ging ebenso geräuschvoll wieder ein, zuletzt musste sich die Legende wegen Steuerschulden in Millionenhöhe vor Gericht erklären und entkam einer Haftstrafe nur knapp. Chefredakteur Kosinski hat damit wenig Probleme. "Ich denke, dass sich Boris Becker bei uns ein bisschen mehr zu Hause fühlt als im Internet. Außerdem hat er ja nicht die Zeitschrift gekauft, sondern wird vor allem journalistisch aktiv sein." Das wird die Buchhalter im Hause beruhigen, doch hat die Zeitschrift auch einen Ruf zu verlieren. Immerhin ist das Tennis Magazin Deutschlands älteste und mittlerweile auch einzige Publikation in Sachen Tennis, nachdem die konkurrierende Tennis Revue vor einigen Jahren aufgeben musste. Seit 1976 erscheint das Monatsmagazin, herausgegeben wird es vom Hamburger Jahr Top Special Verlag, der auch andere Randsportarten publizistisch betreut. Jäger, Tauchen, Segeln heißen einige Titel, Angelfreunde können zwischen dem Blinker, der AngelWoche und Fliegenfischen wählen. Doch auch Kosinskis Zeitschrift bekommt das erlahmende Interesse am Tennis zu spüren. Anfang der neunziger Jahre verkaufte das Tennis Magazin noch mehr als 70 000 Exemplare, mittlerweile ist es nur knapp die Hälfte. In der aktuellen Ausgabe wird auch erklärt, woran das liegt. Den derzeit Ausübenden im Gewerbe fehle es am "Mut zur Attacke", deshalb "ist das Tennis ein bisschen verkümmert", stellt Beckers erster Trainer Günther Bosch fest. Noch so eine Legende.Foto: REPRO: BLZ So sieht die künftige Wirkungsstätte von Boris Becker aus.

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