Raumfahrt

Neuer Wettlauf zum Mond? Studie nennt möglichen Landeplatz für Chinas Astronauten

China will 2030 zum Mond. Deutsche Forscher helfen bei der Standortwahl. Doch die Nasa hatte dasselbe Gebiet bereits im Visier, schreiben China-Medien.

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Eines der ersten Bilder der Rückseite des Mondes. Auch hier waren die Chinesen schon.

Eines der ersten Bilder der Rückseite des Mondes. Auch hier waren die Chinesen schon.

© ap

Ein internationales Forscherteam aus China und Deutschland hat vier mögliche Landestellen für Chinas erste bemannte Mondmission identifiziert – ausgerechnet in einer Region, die auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa schon lange im Blick hatte. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht. Zuerst berichtete darüber die in Hongkong erscheinende South China Morning Post.

Die sogenannte Rimae-Bode-Region liegt auf der erdzugewandten Seite des Mondes in Äquatornähe. Wissenschaftler der China University of Geosciences in Wuhan, der Guilin University of Technology, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Münster werteten Satellitenbilder und Messdaten aus, um das Gebiet geologisch zu kartieren.

Ihr Fazit: Die Region vereint flaches, gut begehbares Gelände mit einer außergewöhnlichen geologischen Vielfalt – darunter erstarrte Lavaströme (sogenannte Mare-Basalte), flussartige Rinnen früherer Lavaflüsse und Ablagerungen vulkanischen Materials.

„Rimae Bode liegt in einer leicht erreichbaren, äquatornahen Position mit überwiegend flachem, begehbarem Terrain“, schreiben die Forscher. Die Region eigne sich hervorragend, um grundlegende Fragen zum Vulkanismus des Mondes zu untersuchen. Anhand von Krateranalysen rekonstruierte das Team mehrere vulkanische Phasen, deren älteste vor rund 3,2 bis 3,7 Milliarden Jahren stattfand.

Nasa hatte das Gebiet bereits im Visier

Bereits das 2005 gestartete und 2010 wegen Budgetproblemen eingestellte NASA-Programm „Constellation“ hatte Teile der Rimae-Bode-Region als potenziell interessant eingestuft. Kurz vor der Einstellung veröffentlichte die Nasa eine hochaufgelöste Aufnahme eines 230 Meter breiten Kraters mit dunklem Auswurfmaterial in unmittelbarer Nähe eines der nun vorgeschlagenen Landegebiete.

Für die Sicherheit der Astronauten orientierten sich die Forscher an den Erfahrungen der Apollo-Missionen: Da die längste Rover-Strecke bei Apollo 17 rund 8,2 Kilometer betrug, begrenzten sie den Probensammelradius auf acht Kilometer um den Landepunkt. Steile Hänge sollten möglichst gemieden werden, da solches Terrain bei den Apollo-Missionen als körperlich sehr anstrengend galt.

Wettlauf zum Mond nimmt Fahrt auf

China plant seine erste bemannte Mondlandung für etwa 2030. Zentrale Bausteine sind die Schwerlastrakete Long March 10, das Crew-Raumschiff Mengzhou und der Mondlander Lanyue. Langfristig strebt Peking den Aufbau einer internationalen Mondforschungsstation an.

Parallel verfolgt die Nasa mit ihrem Artemis-Programm Landungen am Südpol des Mondes. Beobachter wie die Aerospace Corporation und die Secure World Foundation sprechen bereits von einem neuen Wettlauf zum Mond – diesmal mit wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und geopolitischer Dimension.

Dass die Studie trotz geopolitischer Spannungen als chinesisch-deutsche Kooperation entstand, gilt in Fachkreisen als bemerkenswert. Die Universität Münster, deren Institut für Planetologie an der Analyse beteiligt war, bezeichnete die Zusammenarbeit in einer Pressemitteilung als wissenschaftlichen Meilenstein. Die USA sind bislang das einzige Land, das Astronauten auf dem Mond gelandet hat.

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