Neues Ehrenamt

Opferbeauftragter für Berlin

Premiere in der Hauptstadt: Berlin bekommt mit dem Rechtsanwalt Bernd Weber einen Opferbeauftragten. Er wird sich künftig ehrenamtlich um die Opfer von Straftaten kümmern. Einen solchen Posten gibt es bislang nirgends in Deutschland.

Martin Klesmann
3 Min
Justizsenator Thomas Heilmann (CDU, r.) überreicht in der Senatsverwaltung dem neuen Opferbeauftragten Roland Weber die Ernennungsurkunde.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU, r.) überreicht in der Senatsverwaltung dem neuen Opferbeauftragten Roland Weber die Ernennungsurkunde.

© dapd Lizenz

Vor allem aber soll der Anwalt die Perspektive der Opfer stärker in der Justizverwaltung verankern, sagte Heilmann. Ein Überfallopfer müsse etwa leichter in Erfahrung bringen können, wer der für den Fall zuständige Staatsanwalt sei. Deshalb soll Weber, der Mann mit dem akkuraten Bürstenhaarschnitt, die Verwaltung bei diesem Thema beraten, aber auch mögliche Beschwerden entgegennehmen. Alle Mitarbeiter der Verwaltung sind ihm gegenüber auskunftspflichtig. Künftig wird es einen jährlichen Bericht über die Lage der Opfer von Straftaten geben. Und eine Internet-Seite , die die Hilfsangebote für Opfer bündelt und darstellt.

Weißer Ring zeigt sich erfreut

Weber, gebürtig aus Stuttgart, hat in den vergangenen Jahren als Anwalt vielfach Missbrauchs- und Gewaltopfer vertreten. Auch Männer, die vor etwa 30 Jahren am Berliner Canisius-Kolleg von Patres sexuell missbraucht worden waren, zählen zu seinen Mandanten. Aufsehen erregte er auch als Nebenkläger-Anwalt: In einem Fall wollte er vergeblich verhindern, dass die Eltern eines von einem jugendlichen Bekannten ermordeten Siebenjährigen die erschütternden Details des Mordes im Gerichtssaal anhören mussten.

„Insgesamt 77.000 Opfer von Straftaten wurden in Berlin im vergangenen Jahr in ihrer körperlichen Integrität verletzt“, sagte Weber. „Das ist ein komplett gefülltes Olympiastadion.“ Nur 10 Prozent aller Opfer würde sich heute an Hilfsorganisationen wenden. Das sei zu wenig, man müsse die Angebote bekannter machen, forderte Weber.

Weil er sich sein unbezahltes Ehrenamt offenbar recht arbeitsreich vorstellt, wird Weber zunächst kaum noch als Rechtsanwalt tätig sein, kündigte er an. Ein Richter und ein Staatsanwalt sind bereits als Opferbeauftragte im Justizapparat benannt worden, mit ihnen soll Weber kooperieren. Senator Heilmann sagte, dass seine Verwaltung für das kommende Jahr ein neues Strafvollzugsgesetz vorbereite. Darin soll der Opferschutz stärker berücksichtigt werden. Weber sei übrigens der Bester unter acht guten Bewerbern für den Posten gewesen, so Heilmann.

Die Opferhilfsorganisation Weißer Ring bezeichnete die Ernennung Webers als „sehr positiv“. Aus diesem Posten könnte womöglich auch mal eine fest bezahlte, hauptamtliche Stelle werden, regte Sprecherin Gisela Raimund sogleich an.

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