Neues Projekt

Mobile Kita soll Alleinerziehenden helfen

Hunderte Eltern interessieren sich für die zusätzliche Kinderbetreuung.

Martin Klesmann
3 Min
Hier steht die BU.

Hier steht die BU.

© BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Dorina Wegner nutzt seit einigen Tagen die neuartige Mobile Kita in Berlin. „Es läuft bisher gut“, sagt sie. Eine Betreuerin kommt zu ihr nach Hause und kümmert sich um den fünfjährigen Sohn, bis die alleinerziehende Mutter von der Arbeit heimkehrt.

Das neue Angebot richtet sich an Krankenschwestern, Verkäufer, Altenpfleger oder Flugbegleiterinnen und alle Menschen, die im Schichtdienst arbeiten. Sie können einen Betreuer für das Kind buchen – am späten Nachmittag, abends, sogar über Nacht, am frühen Morgen oder auch am Wochenende.

Dorina Wegner arbeitet als Intensiv-Krankenschwester in einer Wohngemeinschaft für stark behinderte, meist künstlich beatmete Menschen. Vier Tage hintereinander hat sie eine 12-Stunden-Schicht. Als alleinerziehende Mutter ist es für sie unmöglich, ihren fünfjährigen Sohn rechtzeitig aus dem Kinderladen abzuholen. Denn der schließt schon um kurz vor 16 Uhr. Bisher hat sie dann bis etwa 20 Uhr extra private Betreuer auf Mini-Job-Basis bezahlt, um ihre Schicht zu Ende bringen zu können.

Schnell Vertrauen gefasst

„Ich habe sozusagen gearbeitet, um arbeiten gehen zu können“, sagt Dorina Wegner. Bis zu 600 Euro monatlich ging für die Unterstützung bisher drauf, ganz schön viel bei ihrem Gehalt. Der Kindsvater lebt mittlerweile in Hamburg und kann nicht einspringen.

Irgendwann klagte sie einer Mitarbeiterin des Jugendamtes ihr Leid. Und diese gab den Ratschlag, es mit dem Mobilen Kinderbetreuungsservice (Mokis) zu versuchen, den die Senatsverwaltung für Familie neuerdings eingerichtet hat. Bezahlt wird das alles über den normalen Gutschein vom Jugendamt.

Der freie Träger Mokis organisiert den Service. Er beschäftigt Tagespflegekräfte auf Honorarbasis. So zum Beispiel Marianne Richter. Die 62-jährige Heidemarie Mann ist gelernte Chemielaborantin und wird nun nach einer Schulung als Betreuerin tätig. „Ich mag es, mit Kindern zu spielen“, sagt sie.

Auch die Frau, die Dorina Wegners Sohn betreut, ist schon etwas älter. Sie wohnt glücklicherweise in Steglitz im selben Kiez. Bevor sie die Betreuung übernahm, gab es ein Treffen mit Mutter und Sohn. „Er hat gleich Vertrauen zu ihr gefasst“, sagt die Mutter zuversichtlich. Nun holt die Betreuerin den Kleinen vom Kinderladen ab, spielt mit ihm, macht das Abendessen und bringt ihn zu Bett. In eine größere Kita mit längeren Öffnungszeiten wollte Dorina Wegner ihr Kind nicht geben. Mit Grausen erinnert sie sich daran, wie sie ihren älteren Sohn früher als letzten dort abholte, und er weinte.

Angebot noch unbekannt

„Ein solches Angebot ist wichtig, damit gerade Alleinerziehende ihrer Arbeit nachgehen können und nicht den Anschluss verlieren“, sagte Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD). Sie wünscht, dass sich Unternehmen noch stärker an dem Angebot beteiligen. Allerdings kommt das Projekt nur schleppend voran. Gerade einmal neun Kinder werden derzeit von Mokis betreut. Konkret Interesse gezeigt haben bisher 155 Eltern, die meisten aus Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg. Das Angebot müsse noch bekannter werden, sagt Ella Pop von Mokis, die die Interessenten berät. Darunter sei letztens auch eine Flugbegleiterin gewesen, die ihr Kind für volle drei Tage betreut haben wollte.

Andere Versuche wie eine Kita, die rund um die Uhr offen hat, wurden bereits wieder eingestellt. Die Eltern wollen eher eine Betreuung zu Hause und mit einer festen Bezugsperson. Dorina Wegner jedenfalls kann dies nur bestätigen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema