Neues Sicherheitskonzept der britischen Regierung

London will Angriffen im Netz trotzen

Barbara Klimke
2 Min

London. Fünf Monate hat der neue, von Premierminister David Cameron eingeführte National Sicherheitsrat die Gefahrenlage des Vereinigten Königreichs analysiert. Die größte Bedrohung für Britannien geht nach dem gestern vorgelegten Verteidigungskonzept von Terrorakten, Naturkatastrophen und Internet-Angriffen aus. "Cyber-Terrorismus ist eine neue und wachsende Gefahr", erklärte Innenministerin Theresa May: In einem "Zeitalter der Ungewissheiten" müsse das Land seine Sicherheitsstrategie "radikal überdenken".Rund eine halbe Milliarde Pfund wird die Regierung trotz knapper Kassen deshalb künftig für die Abwehr von Attacken auf Computer-Netzwerke bereitstellen, berichtet die BBC; der Verteidigungshaushalt wird erst am heutigen Dienstag bekanntgegeben. Britische Sicherheitsexperten würdigten, dass damit erstmals dem Risikopotenzial von Internet-Kriminalität, Computer-Spionage und gezielten Online-Angriffen auf Regierungsnetzwerke in der nationalen Verteidigungsstrategie Rechnung getragen sei.Im Gegensatz zur Zeit des Kalten Krieges geht die größte Bedrohung heutzutage "nicht mehr von zwei Armeen aus, die sich gegenüberstehen", sagte die Ministerin. Statt mit einem vorhersehbaren Risiko wird sich der Staat künftig mit Gegnern beschäftigen müssen, die sich billigeren, leichter zugänglicheren und anonymeren Angriffsmittel bedienen als den herkömmlichen Waffen, heißt es im Strategiepapier.Dessen ungeachtet warnte May, die Gefahr möglicher Terroranschläge nicht zu unterschätzen: "Wir müssen alle wachsam sein." Die Bedrohung durch internationalen Terrorismus, besondern durch Al Kaida-beeinflusste Gruppen sei groß. Auf nationaler Ebene sei das Risiko durch irisch-nationalistische Splittergruppen gestiegen.Die Umsetzung des nationalen Sicherheitskonzepts wird nicht einfacher durch den Fakt, dass im Zuge der britischen Sparmaßnahmen der Verteidigungsetat schrumpft. US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte bereits die Sorge, harte Kürzungen der Nato-Länder könnten die Allianz gefährden. Die Einschnitte von acht Prozent im britischen Verteidigungsetat sind allerdings milde im Vergleich zu anderen Ministerien, die bis zu 25 Prozent streichen müssen.Hohe VerteidigungsausgabenGroßbritannien gehört zu den fünf Ländern mit den weltweit höchsten Verteidigungsausgaben. Die abgewählte Labour-Regierung hatte der konservativ-liberalen Koalition allein in diesem Bereich Mehrausgaben von 38 Milliarden Pfund (43 Millionen Euro) hinterlassen, die zum Teil durch Kriegsausrüstung für Irak und Afghanistan verursachte waren. Das ist so viel wie ein ganzer jährlicher Verteidigungsetat.Die härtesten Einschnitte werden in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach Luftwaffe und Marine tragen. Um den Sicherheits-Herausforderungen der Neuzeit gerecht zu werden und Cyber-Terror zu bekämpfen, wird sich der Staat auch von liebenswerten Einrichtungen trennen - und vermutlich den historischen Prachtbau des türmchenbewehrten Naval College in Dartmouth verkaufen.------------------------------Foto: Kündigt Schutz vor Cyber-Terrorismus an: Theresa May, die britische Innenministerin.

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