Der britische Soldat John ist sich 1917 bei Cambrai in Frankreich nicht sicher, ob er noch am Leben ist. Sein Atem erscheint ihm als Wolke. Durch dichte Schneeflocken kann er Helena sehen, seine Liebste. Aber sie ist dort genauso wenig anwesend wie die Frauen, die den Matrosen Fehler ins Pullovermuster stricken, auf dass sie später als Ertrunkene an diesen Zeichen erkannt würden. Fehler aus Liebe.
Das erste Kapitel des Romans „Zeitpfade“ von Anne Michaels ist in kurze, oft nur ein bis fünf Sätze lange Abschnitte unterteilt. Einer heißt nur: „Durchsickernde Erinnerung.“ Es mutet fast wie eine Aphorismen- oder Kurzgeschichtensammlung an, Erlebtes trifft auf Visionen, manches ist eindeutig auf den halb toten, halb lebenden John bezogen, manches klingt schön und bleibt rätselhaft, manches erklärt sich später: Die Autorin öffnet hier schon den Assoziationsraum für den ganzen Roman.
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Neues von der Autorin der „Fluchtstücke“: Anne Michaels macht Erinnerung sichtbar
Im Roman „Zeitpfade“ schickt Anne Michaels ihre Figuren durch mehr als hundert Jahre und knüpft emotionale Verbindungen. Die Buchkritik.
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Anne Michaels präsentiert die Originalausgabe ihres Buchs „Zeitpfade“, das für den Booker Prize nominiert war.
© Henry Nicholls/AFP