Die französische Regierung hat nach Angaben des Hochkommissars für die französischen Überseegebiete im Pazifik Louis Le Franc die Kontrolle über einige Regionen im von Unruhen erschütterten Neukaledonien verloren. Wie Le Franc am Freitag vor Reportern mitteilte, ist Verstärkung unterwegs, um die Herrschaft über die Gebiete wiederzuerlangen.
Der französische Premierminister Gabriel Attal kündigte die Entsendung von 1000 zusätzlichen Einsatzkräften an, die die Kollegen vor Ort unterstützen sollen. Unter anderem trafen Berichten zufolge bereits Mitglieder der französischen Eingreiftruppe der Nationalgendarmerie (GIGN) aus Polynesien ein. Über das Überseegebiet Neukaledonien war wegen des Widerstands gegen eine Verfassungsreform der Ausnahmezustand verhängt worden.
Die Reform weitet das Wahlrecht bei den Provinzwahlen für französischstämmige Bürger aus. Diese hätten damit auf einen Schlag viel mehr politischen Einfluss. Vor allem die Bevölkerungsgruppe der Kanaken – Neukaledoniens Ureinwohner – befürchtet, dass damit der Einfluss der ursprünglichen Bevölkerung schwinden könnte. Die Gruppe hofft schon lange auf einen eigenen Staat. Der nationale Rat der Kanaken warf Paris vor, die umstrittene Reform voranzutreiben, ohne den Widerstand der großen Mehrheit der indigenen Bevölkerung zu berücksichtigen.
Neukaledonien: In dem Inselstaat werde die Lebensmittel knapper
Der internationale Flughafen bleibt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur weiter geschlossen, und die Lebensmittel werden immer knapper. Vor Supermärkten bildeten sich lange Schlangen, wie der öffentliche Sender Nouvelle-Calédonie La 1ère am Freitag berichtete. Frankreichs Regierung kündigte eine Luftbrücke an, um die Bevölkerung der Inselgruppe im Südpazifik mit dem Nötigsten zu versorgen.
Die Lebensmittel in Neukaledonien werden knapper, es bilden sich Schlangen vor den Supermärkten.
© Theo Rouby/AFP/dpa
Durch den von Paris zunächst für zwölf Tage verhängten Ausnahmezustand können die Behörden nun unter anderem Demonstrationsverbote erlassen, öffentliche Orte und Webseiten sperren und der Polizei und Justiz erweiterte Befugnisse einräumen. Dennoch kam es örtlichen Medienberichten zufolge auch am Freitag speziell in Teilen der Hauptstadt Nouméa weiter zu Zwischenfällen. So gingen noch immer Geschäfte in Flammen auf, sogar ein Kindergarten wurde geplündert und völlig zerstört.
Bei den Krawallen, die am Montag begonnen hatten, sind bislang fünf Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Polizisten. Hunderte Menschen wurden verletzt. In einigen Bezirken von Nouméa sei die Lage weiter schwierig, sagte Hochkommissar Le Franc. Dort warteten Hunderte Randalierer nur darauf, sich Scharmützel mit der Polizei zu liefern.
Die frühere französische Kolonie hatte durch das Abkommen von Nouméa 1998 bereits weitgehende Autonomie erlangt. Derzeit versucht Paris, mit den politischen Kräften in dem geopolitisch und militärisch bedeutsamen Territorium ein neues Abkommen zu schließen. In dem Überseegebiet leben etwa 300.000 Menschen.
Frankreich: Angriff auf Gefangenentransporter – drei Wachleute tot
Chinesischer Botschafter: Ich rate deutschen Politikern, nicht so naiv zu sein
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de