Neuköllner Autobahntunnel

Wegen Überfüllung geschlossen

Der Britzer Tunnel muss immer öfter gesperrt werden, weil zu viele Autos hineinwollen. Berlins zweitlängster Autobahntunnel wird allerdings noch häufiger dichtgemacht - Pech für die Autofahrer.

Peter Neumann
3 Min
Nicht immer geht es so entspannt im Tunnel Ortsteil Britz zu. Wenn der Verkehr zu dicht wird, muss die Einfahrt geschlossen werden.

Nicht immer geht es so entspannt im Tunnel Ortsteil Britz zu. Wenn der Verkehr zu dicht wird, muss die Einfahrt geschlossen werden.

© imago stock&people Lizenz

Die Stadtautobahn ist Berlins Hauptschlagader. Doch an einer Stelle kommt es immer häufiger zum Infarkt. Wenn zu viele Autos unterwegs sind und Überfüllung droht, wird der Britzer Tunnel in Neukölln gesperrt. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres war dies 31 Mal der Fall, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit. Diese Zahl liegt bereits deutlich über dem Niveau von 2012, als Berlins längster Autobahntunnel 24 Mal wegen zu hoher Verkehrsbelastung gesperrt werden musste. 2011 standen die Ampeln nur 18 Mal auf Rot. „Der Anstieg zeigt, dass die Stadtautobahn ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat“, sagte Jörg Becker vom ADAC.

Zuletzt war es am Dienstag mal wieder so weit. Der Tunnel Ortsteil Britz, wie die 1 713 Meter lange Doppelröhre offiziell heißt, wurde in Richtung Schöneberg gesperrt. Mehrere tausend Autofahrer mussten sich auf zeitraubende Umwege begeben. Das war für viele ärgerlich.

Bloß kein Stau

Zuvor hatte ein Unfall den ohnehin schon dichten Verkehr auf der A 100 zusätzlich ins Stocken gebracht. Die Verkehrsregelungszentrale, deren Mitarbeiter das Geschehen im Tunnel mit Kameras beobachten, entschied: Der Tunnel wird zugemacht.

„Die Sicherheit geht vor“, sagte Friedhelm Fehr von der Verkehrsinformationszentrale. Er arbeitet in der Redaktion, die den Verkehrsfunk informiert und Staus auf der Internetseite www.vmz-info.de auflistet. Ein Stau im Tunnel ist gefährlich, bei Feuer sind die Autos gefangen. Wann immer das möglich ist, versucht die Regelungszentrale jedoch auf eine Sperrung zu verzichten und ein milderes Mittel anzuwenden: die Dosierung des Verkehrs. Damit weniger Autos in den Tunnel fahren, werden die Zufahrten Buschkrugallee und Britzer Damm gesperrt. „Oder vor dem Tunnel darf nur noch ein Fahrstreifen befahren werden, der andere wird gesperrt“, so Fehr.

Auch solche Eingriffe werden immer öfter erforderlich. 2011 war dies 264 Mal der Fall, 2012 schon 527 Mal, so der Senat. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 314 Fälle registriert. Grund war stets: zu hohe Verkehrsbelastung.

Auch in Tegel geht nichts mehr

Noch öfter als der Neuköllner Tunnel muss der Autobahntunnel Flughafen Tegel gesperrt werden. 2011 wurden laut Senat 96 Fälle registriert, im vergangenen Jahr waren es 113 und in den ersten neun Monaten dieses Jahres 65. Auch in Tegel wird der Verkehr vor dem Tunnel bei Andrang eingeschränkt. „Die Einfahrt Eichborndamm wird fast täglich gesperrt“, sagt Fehr. „Und zwar so oft, dass wir dem Verkehrsfunk gar nicht mehr Bescheid sagen. Die Pendler kennen das Problem.“

Nach der Schließung des Flughafens Tegel wird sich die Lage entspannen, hoffte Jörg Becker. „Dafür wird der Verkehr in Neukölln weiter anwachsen, wenn der BER auf ist.“ Wenn es schon nicht möglich ist, die A 100 und die A 113 nach Schönefeld zu verbreitern, sollte der Senat wenigstens darauf verzichten, Parallelstraßen schmaler zu machen – wie dies am Adlergestell geplant ist.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema