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Cyberkriminelle erbeuten 31 Millionen Euro

Andreas Kopietz Mike Wilms
4 Min
Serverschrank mit Netzwerkkabeln (Symbolbild).

Serverschrank mit Netzwerkkabeln (Symbolbild).

© dpa/Julian Strate

Cyber-Straftaten gibt es überall, wo Menschen auf Computer angewiesen sind. In der heutigen Zeit heißt das: Fast überall. Von der Pizza-Bestellung über den Behördenantrag bis zur Arbeit in Büros und Banken: Alles ist digital, abhängig von Datentransfers und Datenspeichern. Cyberkriminelle dringen in solche Rechnersysteme ein, fischen Daten ab – und können so jedem einzelnen Bürger gefährlich werden.

Ob am PC, Smartphone oder Geldautomaten: Nirgends sind die eigenen Daten noch zu 100 Prozent sicher. Gerade auch in Berlin greift die Computerkriminalität um sich, wie neue Erkenntnisse von Senat und Polizei zeigen.

Erst vor wenigen Tagen hat die Berliner Polizei bei Twitter ausdrücklich vor Betrüger-Tricks an manipulierten Geldautomaten gewarnt. Die Täter montieren derzeit verstärkt täuschend echt nachgebaute Kartenleser und schwer erkennbare Mini-Kameras. Damit werden die Daten von der EC-Karte oder Kreditkarte heimlich abgelesen und die Eingabe der Geheimnummer gefilmt. „Skimming“ heißt diese Art von Daten-Diebstahl. 

Bereits 2017 schlugen die Täter in keinem anderen Bundesland so häufig zu wie in Berlin: 267 Mal manipulierten Kriminelle in der Stadt an Geldautomaten herum – und das sind nur die aufgeflogenen Fälle.

Von PIN-Missbrauch bis Software-Piraterie

Ausspähen, abfischen, abzocken: Cyberkriminalität ist vielfältig. Das reicht von PIN-Missbrauch über Hacker-Angriffe und Computersabotage bis hin zu Software-Piraterie. Auch mit Online-Shops, die gar nicht existieren, aber Vorkasse-Zahlungen abgreifen, haben die Ermittler oft zu tun. Opfer werden kann dabei prinzipiell jeder: Einzelne Privatleute, Unternehmen, staatliche Einrichtungen.

Die Jura-Professoren Helmut Bäumler und Albert von Mutius haben ermittelt, dass sich fast jeder dritte Deutsche (29 Prozent) als Opfer von „Datenmissbrauch“ fühlt. Nach einer Umfrage im Auftrag der Telekom hatten sogar schon 48 Prozent der Deutschen Probleme mit Cyber-Crime. Die Zahl fällt aber auch deshalb so hoch aus, weil die Entdeckung von Schad-Software auf dem Privat-PC mitgezählt wurde. Eine ähnlich gelagerte Forsa-Umfrage kam auf 58 Prozent.

Die zunehmend professionell agierenden Täter machen jedes Jahr mehr Beute: Allein in Berlin stieg die jährliche Schadenssumme im Bereich „Computerkriminalität“ von zunächst 10,8 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 16,7 Millionen Euro im Jahr 2016. Dann verdoppelte sie sich noch einmal sprunghaft – auf mehr als 31 Millionen Euro im Jahr 2017. Das geht aus einer Senatsantwort an den Berliner FDP-Abgeordneten Bernd Schlömer hervor.

Massenhaft Bahntickets im Internet gekauft

Grund für die hohe Schadenssumme sind vor allem zwei Fälle: Die Bundespolizei fasste 2017 einen Betrüger, der die Deutsche Bahn um mehr als 840.000 Euro erleichterte. Er hatte mit gestohlenen Kreditkartendaten massenhaft Bahntickets im Internet gekauft – und dann für den eigenen Profit weiterverkauft. Den zweiten großen Schadensposten in Höhe von sieben Millionen Euro verursachte eine Cyber-Bande, die sogenannten „Roaming Fraud“ beging.

Die Täter nutzen teils erfundene und teils geklaute Personendaten, um Mobilfunkverträge im Internet abzuschließen. Danach riefen sie teure Hotlines und Nummern im Ausland an. Gefasst wurden sie bisher nicht. Aber auch scheinbar kleinere Fälle haben Berliner Bürgern großen Schaden zugefügt. So gab es vergangenes Jahr 6720 Fälle von „Betrug mittels rechtswidrig erlangter Zahlungskarten mit PIN“ und auch besonders viele Vergehen im enger gefassten Bereich der „Internetkriminalität“, wobei das Internet als Tatwaffe benutzt wird.

Das ist etwa bei der Verbreitung von Kinderpornografie der Fall, aber auch, wenn Straftäter teure Ware bei Online-Versandhändlern oder Privatanbietern bestellen und dann nicht bezahlen. Die Berliner Polizei erfasste im Jahr 2017 insgesamt 26.861 Fälle von „Internetkriminalität“. Das waren rund 2400 Fälle mehr als noch im Jahr 2016. Dem FDP-Politiker Bernd Schlömer fällt auf, dass seit Jahren die Aufklärungsquote sinkt: „Das zeigt die Ohnmacht der Landespolizei bei der Bewältigung dieser Herausforderungen“, sagt er.

Grenzüberschreitende Cyber-Ermittlungen

Man müsse „über eine Neuordnung der Kompetenzen nachdenken in den Deliktbereichen, die grenzenlos sind“. Grenzüberschreitende Cyber-Ermittlungen in Europa und der Welt finden zwar statt, sind aber allein wegen des hohen Personaleinsatzes schwierig.

Die Polizei würde sich zudem von computernutzenden Bürgern wünschen, dass sie weniger sorglos im Netz unterwegs sind und sich die Risiken von Online-Banking und Online-Handel klarmachen. Internet-Surfer kämen nicht darum herum, sich mit dem Thema Sicherheitstechnik zu beschäftigen. Es sei wichtig, die richtigen Sicherheitseinstellungen an PC und Smartphone zu wählen und Anti-Schad-Software zu benutzen. 

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