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U-Bahn-Krise: Ausfälle und Verspätungen gehören zum Alltag

Gerhard Lehrke und Peter Neumann
4 Min
Dieser Zug fährt. Aber wann kommt der nächste?

Dieser Zug fährt. Aber wann kommt der nächste?

© dpa/Arne Immanuel Bänsch

Dienstag war ein schwarzer Tag für die Fahrgäste der Berliner U-Bahn. „Auf fast allen Linien gab es massive Ausfälle und Verspätungen, die an die große S-Bahn-Krise von 2009 erinnerten“, sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des Fahrgastverbands IGEB. „Fast stadtweit war die U-Bahn nur ein Schatten ihrer früheren Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit.“ Tschepe spricht inzwischen sogar von einer U-Bahn-Krise. Denn die Ausfälle häufen sich, und die Lage am Dienstag sei keineswegs ein Ausnahmefall gewesen.

Der Verband hat Zahlen zusammengestellt. Danach fehlten auf der U 2 (Pankow–Ruhleben) von regulär 26 Zügen fünf. Auf der U 6 (Alt-Mariendorf – Alt-Tegel) sei fast durchgängig nur im Zehn- statt im Fünf-Minuten-Takt gefahren worden. Auf der U 7 zwischen dem Rathaus Spandau und Rudow, Berlins längster U-Bahn-Linie, fehlten demnach zehn, auf der U 8 (Wittenau – Hermannstraße) acht U-Bahn-Züge.

43 Wagen wegen Rissen stillgelegt

BVG-Sprecherin Petra Reetz erklärte die Zahlen des Verbands für falsch, von einem „Schwarzen Dienstag“ könne keine Rede sein. So habe es auf der U 2 keine Ausfälle gegeben. Allerdings seien einige Züge nicht bis Ruhleben gefahren sondern bereits am Olympiastadion oder Theodor-Heuss-Platz umgekehrt, damit Fahrgäste in der Innenstadt nicht so lange warten mussten.

Sicher hätte es besser laufen können, erklärte Reetz auf Nachfrage der Berliner Zeitung. Aber die BVG habe „jonglieren“ müssen, weil Wagen knapp sind. Tatsächlich sinkt die Zahl der einsatzfähigen Züge der Baureihe F 79 immer weiter. Inzwischen sind 43 Wagen wegen Rissen aus dem Verkehr gezogen worden.

Und auch die restlichen Züge machen immer wieder Probleme. Auf der U 7 zum Beispiel braucht die BVG insgesamt 29 U-Bahn-Züge gleichzeitig auf der Strecke, um den Takt zu halten. Am Dienstag jedoch sei viermal einer dieser Züge ausgefallen. Bei der U 8 seien es zwei von 17, auf der U 6 vier von 21 Zügen gewesen. Dennoch habe man eine Pünktlichkeitsquote von 97,7 Prozent erreicht, teilte Reetz mit.

Krachend gescheitert

Fahrgastverbands-Chef Tschepe mag das kaum glauben. Zudem die BVG über Twitter Ausreden verbreitet habe. Mal sei eine außergewöhnlich hohe Zahl von Fahrgästen schuld gewesen, mal die vielen Radfahrer, die wegen der Kälte mit ihren Rädern in die U-Bahn umgestiegen seien. Doch so ließe sich das Chaos weder begründen noch entschuldigen. „Noch immer leugnen BVG, Aufsichtsrat und Senat, dass es bei der Berliner U-Bahn eine schwere Krise gibt“, sagt Tschepe. „Es gibt vor allem einen massiven Mangel an fahrendem Personal und an Personal in den Werkstätten.“

Der Verband forderte schnelle Reaktionen wie in anderen Städten. In Köln, Frankfurt am Main und Dresden würden Studenten als Fahrer eingesetzt – das müsse nun auch die BVG prüfen. Sie sollte außerdem darüber nachdenken, ob sie ihre Fahrzeuge nicht auch von externen Firmen instandsetzen lassen könnte.

Tschepe: „Nur eine ehrliche Problemdarstellung und ein Konzept für Sofortmaßnahmen können helfen, das Vertrauen der U-Bahn-Fahrgäste zurückzugewinnen. Andernfalls wird die vom rot-rot-grünen Senat richtigerweise angestrebte Verkehrswende krachend scheitern.“

Ältester Wagen ist 62 Jahre alt

Von dem immer wieder diskutierten Ansatz zur Lösung der Personalprobleme, Studenten in die Leitstände der Züge zu stellen, hält man bei der BVG allerdings nichts, sagt Reetz. Vor allem auch, weil dafür die nötigen Kapazitäten fehlen. Denn für eine vernünftige Ausbildung müssten die Studenten ihr Studium ein halbes Jahr lang unterbrechen.

Dass die U-Bahn, die 2017 für 563 Millionen Fahrten genutzt worden ist, Probleme hat, ist schon länger bekannt. Mit einem Durchschnittsalter von rund 28 Jahren sind viele der fast 1300 Wagen überaus betagt. Manche stammen noch aus den 60er Jahren, der älteste ist 62 Jahre alt. Wie die Berliner Zeitung berichtet hatte, bleibt täglich eine dreistellige Zahl von Wagen in den Werkstätten, weil sie repariert oder von Graffiti befreit werden müssen.

Ausfälle auch bei der Tram

Im September hatte die BVG bekanntgegeben, dass sie beim U-Bahn-Kauf aufstocken will. Statt 1050 sollen bis zu 1500 Wagen erworben werden. Doch der Auftrag soll nicht vor dem Spätsommer 2019 erteilt werden. Mit der Lieferung der ersten Fahrzeuge wird erst für Ende 2021 oder Anfang 2022 gerechnet.

Auch aus anderen Bereichen des Landesunternehmens werden Ausfälle gemeldet. So berichten Straßenbahnnutzer, dass die für die Linien M 5, M 6 und M 8 vorgesehenen Einsetzer oft nicht verkehren. „Was sagt die BVG-Aufsichtsratschefin Ramona Pop dazu ?“, fragte ein Fahrgast. „ Auf der einen Seite sollen alle auf die Öffis umsteigen – und dann wird der Verkehr ausgedünnt.“

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