Neymar

Deshalb verspielt der Brasilianer im Transferpoker alle Sympathien

Der 27-Jährige von Paris St. Germain hat sich zwischen alle Stühle gesetzt.

Matti Lieske
3 Min
Vor dem Abgang? Noch ist der weitere berufliche Weg von Neymar ungewiss.

Vor dem Abgang? Noch ist der weitere berufliche Weg von Neymar ungewiss.

© imago images / PanoramiC

In der 65. Minute der Partie von Crystal Palace gegen den FC Everton (0:0) war es soweit: Wilfried Zaha betrat den Platz. Das Publikum im Selhurst Park begrüßte ihn mit herzlichem Beifall, was keine Selbstverständlichkeit war. Nur wenige Tage zuvor hatte der beste Palace-Angreifer einen Wechsel nach Everton gefordert, den sein Klub  ablehnte. Längst vergeben, als Fan von Crystal Palace kann man es sich nicht leisten, nachtragend zu sein. Zaha bedankte sich anschließend per Twitter für den warmen Empfang.

Fanprotest: Anhänger von Paris St. Germain fordern Neymar per Transparent auf, sich zu verdrücken.

Fanprotest: Anhänger von Paris St. Germain fordern Neymar per Transparent auf, sich zu verdrücken.

© imago images / PanoramiC

Franzosen sind ein wenig stolzer, was auch für die Anhänger von Paris St. Germain gilt. Die empfingen Neymar beim 3:0 zum Saisonauftakt gegen Nimes mit feindseligen Transparenten („Hau ab!“) und Sprechchören, in denen der Begriff „Hurensohn“ eine Hauptrolle spielte. Sollte der vom Neymar-Clan mit fast bösartiger Energie betriebene Abgang nicht zustandekommen, wird es einige Törchen und Kabinettstückchen des 27-Jährigen  brauchen, um die Gunst des Publikums zurückzugewinnen. Gegen Nimes war er, angeblich wegen Verletzung, nicht im Kader von Trainer Thomas Tuchel.

Gareth Bale im Schaufenster

Noch bis zum 2. September läuft die Transferphase in den meisten großen Ligen, nur in England und China ist schon Schluss. In den Schaufenstern großer Klubs tummelt sich  eine ganze Reihe ausgewiesener Edelkicker. Da wären Gareth Bale und James Rodríguez bei Real Madrid, Paulo Dybala bei Juventus Turin, Mauro Icardi bei Inter Mailand, Philippe Coutinho und Ivan Rakitic beim FC Barcelona, und eben Neymar in Paris. Gigantische Ablösesummen und gewaltige Gehälter haben den Markt für Spitzenkräfte kompliziert gemacht, manch einer wird wohl da bleiben müssen, wo man ihn gar nicht mehr will, oder, im Falle Neymar, da wo er nicht will.

Wenn die Klubs verdiente Kräfte loswerden möchten, nehmen das die Fans gewöhnlich klaglos hin. Wollen die Spieler weg, betrachten sie es als üblen Verrat. Ein Problem für Neymar, der sich im Glauben, er könne sich alles erlauben und käme damit durch, zwischen einige Stühle gesetzt hat. Persona non grata in Paris, aber auch bei vielen Anhängern des FC Barcelona, den er vor zwei Jahren eiskalt sitzenließ und zu dem er gern zurück möchte.

Als salomonische Lösung böte sich Real Madrid an, das zuletzt wieder ins Gerüchtespiel kam. Die Verhandlungen in Sachen Neymar seien fortgeschritten, sagte zuletzt der Pariser Sportchef Leonardo. Dennoch sollten die PSG-Anhänger ihre Transparente noch aufheben.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema