In den ersten 500 Tagen der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sind 52 Menschen im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) gestorben. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht „Dying in Detention“ (Sterben in Haft) der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und der Ärzteorganisation Physicians for Human Rights hervor. Erfasst wurde der Zeitraum vom 20. Januar 2025 bis zum 4. Juni 2026.
Die Sterberate in der Abschiebehaft liegt nach Darstellung der beiden Organisationen auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie habe sich seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps mehr als verdoppelt und sei fast viermal so hoch wie unter Präsident Joe Biden. Auch im Vergleich zur ersten Amtszeit Trumps liege der Wert mehr als zweieinhalbmal höher. Der Anstieg übertreffe das Niveau während der Corona-Pandemie.
Ausbau der Abschiebehaft
Die US-Regierung habe die Abschiebehaft stark ausgeweitet, heißt es in dem Bericht. Im Januar 2026 seien mit mehr als 71.000 Menschen so viele Personen in Gewahrsam gewesen wie nie zuvor. Der Anstieg der Todesfälle gehe jedoch über das hinaus, was sich allein durch die höhere Zahl der Inhaftierten erklären lasse. Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 sei die jährliche Sterberate um rund 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Reuters kam in einer eigenen Auswertung von ICE-Daten zu einer ähnlichen Relation: Von 2009 bis 2024 entfiel demnach im Schnitt ein Todesfall auf 3848 Inhaftierte, seit Januar 2025 etwa einer auf 1630.
Für die medizinische Auswertung untersuchten Fachleute von Physicians for Human Rights die 39 Todesfälle aus den ersten zwölf Monaten der Amtszeit. In mehreren Fällen bestehe ein hoher Verdacht auf unzureichende oder verzögerte medizinische Versorgung. Genannt werden unter anderem unbehandelte Atembeschwerden, fehlende Kontrollen bei bekanntem Bluthochdruck sowie verzögerte Wiederbelebungsmaßnahmen.
In einem Fall habe ein 44-jähriger Mann aus der Ukraine einen Schlaganfall erlitten, ohne dass das Personal trotz deutlicher Notfallzeichen rechtzeitig für eine Verlegung zur spezialisierten medizinischen Versorgung des Patienten gesorgt habe.
Kritik an Transparenz und Suizidzahlen
Die Organisationen werfen der ICE zudem vor, Todesfälle nicht fristgerecht und umfassend öffentlich zu machen. Nach eigenen Vorgaben muss die Behörde einen Todesfall binnen 48 Stunden melden und innerhalb von 30 Tagen ausführlich darüber berichten. In allen 39 untersuchten Fällen seien die veröffentlichten Informationen nicht ausreichend gewesen, um die medizinische Versorgung abschließend zu bewerten.
Besorgniserregend sei auch die Zahl mutmaßlicher Suizide. Nach ICE-Angaben starben zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 19. Januar 2026 sieben Menschen durch Suizid in Gewahrsam – im Jahr 2024 sei ein solcher Fall gemeldet worden. Die hohe Zahl deute darauf hin, dass der Staat nicht angemessen auf das Suizidrisiko reagiere, schreiben die Organisationen.
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