Nein, nein, Markus Babbel muss keine Angst haben um seinen Job, obwohl gerade Pokalpleiten in der Vergangenheit etwa den Fußballlehrern Huub Stevens (Dezember 2003) und Lucien Favre (September 2009) letztendlich ihren Arbeitsplatz bei Hertha BSC kosteten.Babbel hatte sich vor dem Duell in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten TuS Koblenz, das seine Mannschaft hochverdient 1:2 verloren hatte, nicht sehr intensiv mit der miesen Pokaltradition seines Klubs beschäftigt. Warum auch? In der Zweiten Liga läuft ja alles nach Plan, sein Team marschiert bislang leichtfüßig durch die Saison. Warum dann in der Hertha-Historie stochern, zu der blamable Niederlagen im Pokal ebenso gehören wie die permanente Geldknappheit? Babbel war ja als stolzer Tabellenführer der Zweiten Bundesliga nach Koblenz gereist und wollte die "nicht gerade glorreiche Pokalgeschichte", so der Trainer, "endlich positiv verändern".Doch seine Mannschaft hat den Charaktertest - ein solcher sind unangenehme Duelle gegen hochmotivierte Gegner aus unteren Klassen immer - überhaupt nicht bestanden, sie ist stattdessen mit Knall und Fall durchgefallen. Durch das frühe Ausscheiden im nationalen Cup-Wettbewerb - Hertha zog zum vierten Mal in Folge nach der zweiten Runde den Kürzeren - hat die Mannschaft zahlreiche Chancen vertan. Denn noch immer gilt: Bis auf den FC Bayern München, für den das Erreichen des Cup-Finales eine jährliche Pflichtaufgabe darstellt, bietet der DFB-Pokal jedem anderen deutschen Klub die große Gelegenheit, auf kürzestem Wege ins internationale Geschäft zu gelangen und die eigene Reputation zu erhöhen. Die neu formierte Mannschaft von Hertha BSC hätte sich in künftigen Pokalfights gegen Erstligisten vor allem sportlich weiterentwickeln können, denn in der Zweiten Liga scheint das gegen spielerisch limitierte Gegner wie den Karlsruher SC oder Arminia Bielefeld kaum möglich zu sein. Sie hätte sich zudem in weiteren K.-o.-Spielen stählen können für das, was sie als möglicher Wiederaufsteiger ab August 2011 erwartet: Zahlreiche Duelle mit Pokalcharakter. Und sie hätte dem finanziell klammen Klub, den Verbindlichkeiten von etwa 35 Millionen Euro drücken, Geld in die Kasse spülen können. Der Einzug ins Achtelfinale war immerhin 585000 Euro wert, über die sich nun Berlin-Bezwinger TuS Koblenz diebisch freut.Das frühe Pokal-Aus passt ganz und gar nicht in die euphorische Stimmung der Hertha-Fans, die die Heimspiele in der Liga bislang vor allem als Feier-Stunden genossen. Wieder ist eine Hertha-Mannschaft im Cup nicht über ihre Schmerzgrenze hinausgegangen, wieder hat sie keine positiven Emotionen wecken können. Auch unter Markus Babbel hat Hertha keine Affinität zum Pokalwettbewerb gefunden. Das ist schade, denn ein Gegner wie Koblenz, der nach dem Abstieg in Liga drei vor Saisonbeginn 25 Spieler verlor, sollte doch zu bezwingen sein. Babbels wichtigste Erkenntnis verpackte er in einen Nebensatz: "Ich dachte, wir sind schon weiter!"------------------------------Foto: Falsch gedacht: Markus Babbel.
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