Der irische Billigflieger Ryanair braucht dringend Piloten. Das Unternehmen will die Flugzeugführer deshalb deutlich besser bezahlen. Wir erläutern, warum das gesamte Geschäftsmodell ins Wanken kommen könnte.
Wie konnte Ryanair in diese Krise geraten?
Bis Ende März müssen die Iren rund 20.000 Flüge streichen. Konzernchef Michael O’Leary behauptet hartnäckig, dass man sich bei der Urlaubsplanung für die Piloten verkalkuliert habe. Analysten bezweifeln diese Darstellung. So sollen in den vergangenen Monaten rund 140 Flugzeugführer zum Konkurrenten Norwegian gewechselt sein, da ihnen dort bessere Arbeitsbedingungen geboten werden – vor allem unbefristete Anstellungsverträge und eine bessere Bezahlung.
Was haben die Streichungen mit der Expansion von Ryanair zu tun?
Das dürfte ein weiterer Faktor sein. Ryanair stellt jährlich rund 50 neue Maschinen in Dienst. Das bedeutet, dass permanent neue Leute für das Cockpit gebraucht werden. Doch Norwegian expandiert ebenfalls und ist für Piloten attraktiver.
Um welche Summen geht es?
Die Cockpitcrews von Ryanair sind die Niedrigverdiener in der Branche. Ein Co-Pilot beginnt bei 25.000 Euro pro Jahr. Maximal sind 85.000 Euro für einen Kapitän möglich. Bei Easyjet und Air Berlin können Kapitäne auf bis zu 150.000 Euro im Jahr, bei der Lufthansa auf über 200.000 Euro kommen. Ein größerer Teil arbeitet bei Ryanair aber als sogenannte Contract-Pilots. Gewerkschafter bezeichnen dies als Scheinselbstständigkeit. Die Flugzeugführer müssen Sozialabgaben selbst bestreiten. Es gibt keine Lohnfortzahlung bei Krankheit.
Was tut das Management gegen die Misere?
Ryanair-Chef Michael O’Leary hat Medienberichten zufolge seine Piloten mit einem eindringlichen Appell zum Bleiben aufgefordert. In einem Brief, der an alle Ryanair-Piloten gegangen sein soll, heißt es, sie könnten an verschiedenen Standorten mit Gehaltserhöhungen von 10.000 Euro für Flugkapitäne und 5000 Euro für Co-Piloten rechnen. Zusätzlich stellte O’Leary auch einen Loyalitätsbonus von bis zu 12.000 Euro, günstigere Vertragsbedingungen und bessere Aufstiegschancen in Aussicht.
Wie könnten höhere Personalkosten die Strategien von Ryanair verändern?
Analysten rechnen damit, dass die Kosten fürs Personal dauerhaft spürbar steigen werden, zumal der Europäische Gerichtshof kürzlich die Rechte der Beschäftigten gestärkt hat. Ryanair kann bislang die billigsten Tickets in Europa anbieten, weil bei den Iren alles auf Kante genäht ist. Bei dauerhaft höheren Personalkosten werden die Renditen unmittelbar gedrückt. Gut möglich, dass weniger rentable Strecken gestrichen werden. Das könnte bis zum kompletten Rückzug von Flughäfen führen, wo wenig Geld verdient wird.
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