Nintendo wird mit Switch mobil

Ob die Japaner damit an alte Erfolge anknüpfen können, ist nicht ausgemacht

Frank-Thomas Wenzel
3 Min

Was ist bloß mit Nintendo los? Einst waren die Japaner die favorisierte Marke der Spiele-Fans weltweit. Doch die letzten richtig großen Erfolge sind lange her – etwa ein Jahrzehnt. Jetzt versucht der Konzern mit dem neuen Gerät Switch, verlorenes Terrain wieder gut zu machen. Doch Branchenkenner und Anleger sind enttäuscht. Die Nintendo-Aktie ist nach der Switch-Präsentation am Freitag eingebrochen. Das alles wirft ein bezeichnendes Bild auf das Geschäft mit Spielekonsolen, das für die Hersteller immer schwieriger wird.

Mit Switch wollen die Nintendo-Manager einen neuen Typus von Spielgerät etablieren. Es hat einen sieben Zoll großen Bildschirm, entspricht also einem Tablet-Rechner. Hinzu kommen zwei sogenannte Joy-Controller, die mit Bewegungssensoren ausgestattet sind. Switch soll sowohl unterwegs als auch zu Hause eingesetzt werden, lässt sich mittels HDMI-Anschluss mit dem Fernsehgerät koppeln. Ein daheim angefangenes Spiel kann also unterwegs – vielleicht auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule – weitergeführt werden. Das soll dann auch zu zweit möglich sein. Analysten fragen sich allerdings, wie das Problem mit der Batterielaufzeit gelöst werden kann – Nintendo gibt etwas vage an, dass die Akkus 2,5 bis sechs Stunden durchhalten. Anspruchsvolle Computerspiele laufen mit anspruchsvoller Grafik, die enorm viel Strom frisst.

Der Trend geht weg von Konsolen

Eine ganz andere Frage ist, ob die Idee mit dem mobilen Einsatz klappt. Die Nintendo-Manager wollen damit dem Smartphone als Spielgerät etwas entgegensetzen. Doch Nutzer haben als unerlässliches Kommunikations-Utensil ihre Handys in der Regel immer dabei. Und für diese gibt es tausende von Spielen kostenlos. Da dürfte die Motivation, ein weiteres Gerät mitzuschleppen, nur gering ausgeprägt sein. Und für Switch selbst wird ein ziemlich stolzer Preis verlangt. Von 300 Dollar ist die Rede, was auf 300 Euro in Deutschland hinauslaufen dürfte und zumindest für die vielen jugendlichen Gamer ein ernstes Hindernis sein wird.

Die vielen Fragezeichen, die Switch aufwirft, sind bezeichnend für den Umbruch in der Spielewelt. Alle Hersteller suchen nach neuen Konzepten. Denn die Experten des US-Marktforschers Gartner und andere Branchenkenner gehen davon aus, dass der Absatz der Konsolen in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird – vor allem wegen der Smartphone-Konkurrenz bei mobilen Spielen. Und was passiert zu Hause? Gut möglich, dass Sony demnächst die Spielerei gleich in seine Fernseher integriert und einfach ein TV-Gerät mit ultra-hochaufgelöster 4K-Technik nebst Controller ausliefert, statt eine neue Version der Playstation zu entwickeln. Der nächste Schritt wäre dann, den Bildschirm durch Virtual-Reality-Brillen zu ersetzen, die dann den Nutzer in dreidimensionale Welten entführen. Vieles spricht dafür, dass die Spiele dann mittels Streaming den Fans zugänglich gemacht werden, so wie es bei Filmen und Musik längst üblich ist. Eine spezielle Hardware, sprich Konsolen, braucht dann kein Mensch mehr.

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