Zauberhaft. Mit diesem einen Wort ist eigentlich alles gesagt. Denn das Nordlicht und seine Magie muss man erlebt haben, um es zu begreifen. Es macht süchtig. Wer dem Nordlicht einmal beim Tanzen zugesehen hat, will es wieder tun. Zwei Zutaten sind entscheidend: Dunkelheit und ein wolkenloser Himmel. Klingt simpel. Ist es eigentlich auch. Doch auch das macht den Zauber des Naturspektakels aus: Das Nordlicht lässt sich nicht vorhersehen. Und so gehört auch immer ein Prise Glück dazu. Und mitunter viel Geduld.
Alta dürfte allenfalls eingefleischten Norwegenfans ein Begriff sein – was schade ist, denn die größte Stadt der nordnorwegischen Provinz Finnmark hat eine Menge zu bieten. Der Ort ist sehr international und jung, viele Aussteiger wohnen hier. Seit 1999 trägt Alta den Namen „Stadt des Nordlichts“. Nirgendwo sonst in Norwegen soll die Nordlicht-Quote so hoch sein. Der Grund: Alta hat sehr stabiles Wetter, weniger Wolken und Wind und liegt nicht am offenen Meer. Der Wintertourismus wächst daher. Menschen aus aller Welt kommen, um die Nordlichter zu sehen. Auch Kreuzfahrtschiffe steuern den Altafjord an.
Anreise: Zum Beispiel mit Scandinavian Airlines von Berlin-Tegel über Oslo nach Alta. Die Straßen in der Region sind ganzjährig geöffnet; nur einige Gebirgspfade werden im Winter manchmal für kurze Zeit geschlossen.
Reisezeit: Die beste Zeite, um Nordlichter zu sehen, ist in den Herbst- und Wintermonaten bis einschließlich März.
Tipp: Wer die Landschaft auf ursprüngliche Art entdecken möchte, kann sich von Huskys auf Schlitten durch die Wälder ziehen lassen. Seit 1996 betreibt Eirik Nilsen Holmen Husky. Er züchtet die Tiere, nimmt an Wettkämpfen teil und zeigt Besuchern, wie sie selbst einen Hundeschlitten lenken. www.holmenhusky.no
Die Firma Glød – übersetzt bedeutet das Glut – bietet seit 2007 spezielle Nordlichtsafaris an. „In der letzten Saison hatten wir eine Trefferquote von 90 Prozent“, sagt der Gründer Trygve Nygård. In kleinen Gruppen fahren Nordlichtführer Besucher in Minibussen dorthin, wo das Nordlicht am wahrscheinlichsten auftritt. Vorher werden sie im Hauptquartier über das Spektakel aufgeklärt: Polarlichter kommen vor allem in Polarregionen vor. Im nördlichen Teil der Erde heißen sie Nordlichter, rund um den Südpol Südlichter. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Mal sind sie als Linie zu sehen, mal als Flackern, mal als Schleier. Am häufigsten sind grüne Polarlichter.
Die Geister der Toten
Führerin Cathrine Åsheim dämpft gleich zu Beginn der Tour die Erwartungen: „Die Bedingungen heute sind zwar gut. Aber ich kann nicht versprechen, dass wir etwas sehen.“ Nordlichter müsse man suchen, jagen. Das könne schwierig sein. Ein letzter Blick auf die Wetteraussicht mit detaillierter Wolkenprognose, dann geht es im Minibus raus aus der Stadt, möglichst weit weg von künstlichen Lichtquellen. Auf der Fahrt erzählt Cathrine Legenden und Mythen. Früher glaubten die Menschen, die farbigen Lichter seien Geister der Toten.
Heute hängen Wolken über dem Altafjord. Doch Cathrine glaubt, etwas zu entdecken. Mit einer Spiegelreflexkamera überprüft sie die Aktivität am Himmel. 20 Sekunden Langzeitbelichtung mit Stativ geben ihr recht: Auf dem Display ist ein grüner Schatten zu sehen. Wir sind dem Nordlicht also ganz nah. Jetzt heißt es warten. Und tatsächlich: Grünes Licht huscht kurz darauf über den Nachthimmel. Erst zaghaft, dann leuchtet es stärker. Es blitzt kurz auf, dann ist es wieder verschwunden. Plötzlich ist der Himmel in grünes Licht getaucht. Wie ein Bogen spannt es sich quer über die Fahrbahn. Es dreht sich, tanzt geisterhaft umher.
So plötzlich wie es auftaucht verschwindet das Leuchten auch wieder. Glücklicherweise wird es nicht das letzte dieser Reise bleiben.
Schneebedeckte Hügel
Die Provinz Finnmark hat noch mehr zu bieten als Polarlichter. Es ist die flächenmäßig größte und gleichzeitig am dünnsten besiedelte Provinz Norwegens. Hier lebt ein Großteil der norwegischen Samen. Früher zogen sie mit ihren Rentieren durch die karge Tundralandschaft. Heute sind die meisten sesshaft und leben zum Beispiel im Städtchen Kautokeino. In Juhls Silvergallery bekommen Besucher einen intensiven Einblick in Kunst und Kultur des Volkes.
Die baumfreie Tundralandschaft der Finnmark ist einsam. Vereiste Straßen führen vorbei an roten, gelben und braunen Holzhäuschen, die dicht an Fjorden stehen oder sich an schneebedeckte Hügel schmiegen. Fast jeder Norweger hat ein Ferienhaus, erzählt der norwegische Reiseführer. Wer sich so weit in den Norden begibt, will meist noch weiter hinauf. Zum Nordkap, so wie schon Abenteurer Hunderte Jahre zuvor. Der Engländer Richard Chancellor entschied im Jahr 1553, dass dieser Fleck das Nordkap ist. Er war auf der Suche nach einem Seeweg nach China.
In der Wintersaison haben Besucher die raue Felsenlandschaft fast für sich. In der Nordkaphalle können sie sich mit fantastischen Ausblicken stärken und in einem unterirdischen Felsentunnel eine Ausstellung über die Geschichte dieses atemberaubenden Ortes besuchen.
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