Not-Zeiten-Versorgung

Katastrophenschutz auf der Grüne Woche

Unser Autor testet am Vorsorge-Stand seine Überlebenschancen.

Nikolaus Bernau
3 Min
Es geht auch bunt und blumig: Die Grüne Woche in Berlin.

Es geht auch bunt und blumig: Die Grüne Woche in Berlin.

© dpa

Fast wäre ich im atemberaubenden Trubel der Grünen Woche vorbei gegangen an dem Stand. Welche Ungerechtigkeit. Wird doch hier, mitten zwischen all diesen Verheißungen ewig andauernden Überflusses, wenigstens das Heil von Leib und Leben in Not-Zeiten versprochen. Es geht um Katastrophenschutz.

In den Vitrinen stehen hohe Plastikwasserflaschen – hatten wir nicht gerade einige Stände weiter gelernt, das eigentlich jeder Gebrauch von Plastik von Übel sei? Sei’s drum. Es drohen, wenn wir die Infos am Stand richtig verstanden haben, ständig Überschwemmung, Trockenheit, Stromausfall, Feuer, Starkregen, Schnee, vielleicht gar vandalierende Horden, der militärische Einfall von irgendwem. Der mindestens zeitweilige Zusammenbruch aller so mühsam aufgebauten staatlichen Schutzinstrumente wird hier vorhergesagt. 

Lebensmittel horten

Also Vorsorge! Mindestens zwei Wochen sollen Mann, Frau und Kinder überleben können, ohne andere Menschen zu bemühen. 14 Liter Wasser und Flüssigkeiten pro Person und Woche sind nötig. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass jeder gesundheitsbewusste Mitteleuropäer allein zwei Liter pro Tag trinken soll. Da bliebe kein Tropfen fürs Zähneputzen, von Hygiene nicht zu sprechen. Aber wenn der Strom versagt, kommt eben auch kein Wasser ins vierte Geschoss. Man wird sich einzuschränken wissen.

Die Hausapotheke ist erstaunlicherweise weitgehend vorhanden, da muss nichts nachgebessert werden. Und dank Camping gibt es sogar wie empfohlen ein Kurbelradio. Aber es hat keinen Ladeanschluss fürs Handy. Das wäre dann schon mal schnell platt. Mit Lebensmitteln sieht’s noch übler aus. Man kauft doch frisch ein.

Wenn das Gute siegt, darf der Sekt nicht fehlen

Organisiert wird der Stand vom Land. Sofort denkt man sentimental, jedenfalls ab einem gewissen Alter aufwärts: Ach ja, die Erfahrung der West-Berliner Senatsreserve lebt also weiter. Dieses leckere Büchsenrindfleisch, das manch langweilige Spaghettisoße zur Delikatesse verwandelte! Schuhe, grausige Klamotten, angeblich 25 Millionen Zigarren. Bestimmt keine aus Kuba, man hatte seinen West-Berliner Stolz. Weiter: 47.628 Kilogramm Gurken süß-sauer, Millionen Rollen Toilettenpapier und 10.000 Nachttöpfe.

So einen – oder wenigstens einen gut schließenden Eimer – sollte man in Katastrophenzeiten vorhalten, vermutlich geht dann das Klo nicht mehr. Es fehlten nicht einmal Schuhreparaturmaterial, Zeitungsdruckpapier, Bremsbeläge für die Busse der BVG oder Batterien für die Taschenlampen der Polizei. 

Aber wieso fehlt in der heutigen Liste eigentlich die Flasche Sekt? Schließlich sind auch Katastrophen, das ist doch die Überlebenshoffnung Nummer 1, irgendwann einmal zu Ende. Und dann wollen sie ja auf dem Balkon begossen werden. Natürlich mit der Überzeugung, dass die Guten gesiegt haben.

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