Notunterkunft in Berlin-Charlottenburg

Erste Flüchtlinge beziehen Messehalle

In Bussen kommen die ersten Flüchtlinge auf dem Berliner Messegelände an, wo eilig eine Notunterkunft mit Platz für 1000 Menschen errichtet wurde. Auch Hangars im früheren Flughafen Tempelhof und das ICC sollen zu Unterkünften werden.

Thorkit Treichel Regine Zylka und Silvia Perdoni
4 Min
Flüchtlinge warten vor der Halle 26 auf dem Messegelände.

Flüchtlinge warten vor der Halle 26 auf dem Messegelände.

© Björn Kietzmann Lizenz

Am Donnerstag ist auf dem Messegelände eiligst eine neue Großunterkunft für Flüchtlinge in Betrieb genommen worden. Bereits am Abend gegen 20.15 Uhr trafen die ersten Menschen in vier Bussen auf dem Areal in Charlottenburg ein. In Polizeibegleitung fuhr der Bus-Konvoi vor der Halle 26 an der Jafféstraße vor. Hier sollen in den nächsten Tagen bis zu 1000 Menschen Platz finden.

Auf dem Messegelände nahmen zahlreiche Helfer vom Malteser Hilfsdienst, dem Technischen Hilfswerk sowie der Feuerwehr die Flüchtlinge in Empfang. Nach dem üblichen Medizin-Check wurden sie in der Halle mit Essen und Getränken versorgt. Mit wie vielen weiteren Flüchtlingen am Abend noch auf dem Messegelände zu rechnen ist, kann vor Ort niemand genau sagen.

Betreiber des Notaufnahmelagers ist der Malteser Hilfsdienst. Beim Einrichten halfen etwa 130 Bundeswehrsoldaten, die kurzfristig abgestellt worden waren. Zusammen mit Feuerwehrleuten holten sie die verpackten Doppelstock-Betten in einem Zentrallager im Südosten Berlins ab und brachten sie mit vier Lastwagen auf das Messegelände.

Ziel ist es, bis zum Einbruch des Winters nur noch feste Notunterkünfte zu nutzen. Die bisher einzige Zeltstadt für rund 700 Flüchtlinge in Spandau soll abgebaut werden. Schon seit letzter Woche zieht dort niemand mehr ein. „Es ist völlig klar, dass die Zelte im Winter nicht mehr genutzt werden können“, sagte der neue Chef des landesweiten Krisenstabs, Dieter Glietsch, der Deutschen Presseagentur. Auch wolle der Senat möglichst nicht mehr auf Turnhallen zurückgreifen müssen.

Zu den nach wie vor dramatischen Verhältnissen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Moabiter Turmstraße sagte Glietsch: „Das ist eine Situation, die wir alle beschämend finden.“ Angesichts von 12.000 neuen Asylbewerbern in nur drei Wochen dürfe sich aber niemand wundern, dass „nicht alles hundertprozentig funktioniert“. Vor dem Lageso warten täglich Hunderte Flüchtlinge im Freien, um sich registrieren zu lassen. Sie müssen sich Tage gedulden, bis ihre Wartenummern aufgerufen werden. „Mindestens 3000 Menschen sind noch nicht registriert“, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatssozialverwaltung.

Um das Gelände zu entlasten, sollte die Erstaufnahmestelle des Lageso eigentlich so schnell wie möglich in ein früheres Bank-Gebäude in der Bundesallee in Wilmersdorf umziehen. Dort gibt es eine große Schalterhalle, die Flüchtlinge müssten also nicht mehr im Freien warten. Das Gebäude wurde bereits vor sechs Wochen vom Senat beschlagnahmt, doch der Umzug soll nun erst Mitte Oktober stattfinden.

Es gibt Probleme, in der Bundesallee das Lageso-Computersystem ans Netz zu bringen, zudem muss das Haus teilweise umgebaut werden. Es braucht neue Fluchtwege, denn auf der Freifläche sollen Versorgungszelte aufgestellt werden, in dem Asylsuchende essen, ärztlich versorgt werden und notfalls über Nacht bleiben können. Der Krisenstab will den Ablauf zunächst testen.

Unterdessen hat das Lageso seine mobilen Teams abgezogen, die in Großunterkünften wie in Spandau die Flüchtlinge vor Ort registriert hatten. Damit wollte man ihnen den Weg zum Lageso ersparen. „Das hat keine große Entlastung gebracht“, sagte Kneiding. Die Mitarbeiter seien nun in der Kruppstraße in Moabit stationiert, wo ebenfalls eine Erstaufnahmestelle eingerichtet wurde.

Zurzeit erreichen täglich bis zu 800 Flüchtlinge Berlin, die Hälfte von ihnen reist mit Sonderzügen aus Bayern an. Donnerstagvormittag traf eine Bahn mit 472 Passagieren in Schönefeld ein, ein weiterer Zug mit 466 wurde am Abend erwartet. Die Hälfte wird in Brandenburg untergebracht.

Während in dieser Woche nicht jeden Tag ein Zug nach Schönefeld abfuhr, wird das nach Informationen der Berliner Zeitung ab sofort täglich der Fall sein. Denn in Bayern herrsch Chaos: Dort kamen in den letzten sechs Tagen 24 000 mehr Flüchtlinge an, als per Bahn oder Bus auf die Bundesländer verteilt werden konnten. Berlin muss sich mindestens auf täglich 260 Flüchtlinge einstellen. Dazu kommen Menschen, die die Stadt auf anderen Wegen erreichen.

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