NSU-Prozess

V-Mann soll Trio geholfen haben

Ein Zeuge aus Thüringens rechtsextremer Szene hat im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe ausgesagt, dass ein V-Mann des Verfassungsschutzes dem Trio beim Untertauchen behilflich gewesen sei.

Mirko Weber
4 Min
Blick in den Gerichtssaal am 22.10.2013 in München (Bayern). Im NSU-Prozess ist am 21.11.2013 der Jenaer Neonazi André K. als Zeuge vernommen worden.

Blick in den Gerichtssaal am 22.10.2013 in München (Bayern). Im NSU-Prozess ist am 21.11.2013 der Jenaer Neonazi André K. als Zeuge vernommen worden.

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Der Zeuge André K., der am Donnerstag im Münchner NSU-Prozess aussagt, redet sehr schnell und viel. Und glaubt man ihm, dann könnte ausgerechnet ein V-Mann des Verfassungsschutzes den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen auf dem Weg in den Untergrund geholfen haben.

K. zählte einst zu den zentralen Figuren der rechtsextremen Szene in Ostdeutschland. Er gehörte zu den Mitbegründern des „Thüringer Heimatschutzes“ und der „Kameradschaft Jena“. Jetzt berichtet er, dass nach dem Untertauchen von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe 1998 in der rechten Szene diskutiert worden sei, wo man das Trio unterbringen könnte. „Verpfeifen kam nicht infrage“, erklärt K.

So habe sich der später als V-Mann enttarnte Tino Brandt an ihn gewandt. Brandt habe ihn unter anderem zu Frank Schwerdt geschickt, dem späteren stellvertretenden NPD-Vorsitzenden. Außerdem habe Brandt ihm einen Kontakt vermittelt, der gefälschte Pässe besorgen sollte. Dieser habe jedoch schließlich nur drei leere Pässe übergeben, sagt K. „Damit konnte ich nicht viel anfangen.“

Auch der Besuch bei Schwerdt sei eine „Luftnummer“ gewesen, sagt K.. Schwerdt habe gesagt, er wisse keine Möglichkeit, wo man die drei unterbringen könne. Schwerdt selbst hatte 2012 in einem Fernsehinterview bestätigt, dass es ein Treffen mit K. gegeben habe.

Später habe er noch ein paar Mal mit einem der Uwes telefoniert, sagt K., und bei einer Reise nach Südafrika habe er nach Unterkünften gesucht. Dann sei er aber „aus Selbstschutz“ ausgestiegen. Gehört habe er erst wieder von „den beiden Uwes“, als deren Tod nach dem Banküberfall in Eisenach in der Zeitung stand.

Am Todestag der beiden hatte K. ein Auto gekauft – und kam auf dem Rückweg nach Jena an Eisenach vorbei, wo sein Mobiltelefon im Netz registriert wurde.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl will wissen, wie gut André K. zum Beispiel darüber Bescheid wusste, dass die beiden Uwes Bombenattrappen gebaut haben. „Na ja“, sagt K., „Jena ist keine Weltstadt, und man kannte seine Pappenheimer.“ Das Bild, das er von ihnen hatte, sei aber „nicht das Bild, das sich mir heute aufzeigt“. Heute erst recht finde er solche Aktionen „kontraproduktiv“.

Zuzug von Ausländern „nicht förderlich“

K. ist jetzt 38 Jahre alt und beleibt, er lässt sich einen Bart stehen und hat ein wenig Resthaar quer über den Kopf gezogen. Nur zögerlich erzählt er von der späten Nachwendezeit in Jena, von der „Jugendclique“, wie K. sie nennt. Zu der Gruppe gehörten auch Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und die in München angeklagten Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben und Holger G. Seine Erinnerungen sind immer wieder lückenhaft.

Den Zuzug von Ausländern etwa habe man als „nicht förderlich“ empfunden, erzählt der Zeuge. Das Feindbild sei aber nicht der „einzelne Ausländer“ gewesen, sondern die Politik, die den Zuzug ermögliche. Der Vergleich, den er wählt, lässt schaudern: „Sie fangen ja nicht an, wenn Sie was gegen Unkraut machen, und zupfen da ein, zwei Blätter. Sie müssen schon an der Wurzel anfangen.“

„War Gewalt auch ein Thema?“, fragt Richter Götzl. „Klar“, sagt K., „wir wurden immer angegriffen“. Von linken Autonomen und von der Polizei, die ihm, ohne Anlass, beispielsweise anlässlich einer Jenaer Spontandemonstration „eine Packung“ verabreicht habe. Meistens sei die Kameradschaft aber „freizeitmäßig unterwegs“ gewesen, wie K. es ausdrückt. Man habe auch demonstriert, zum Beispiel in München, gegen die Wehrmachtsausstellung. „Politik aus nationaler Sicht“ sei das gewesen, sagt K. und lacht. (mit dpa)

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