Short Stories

Ob Aktentasche, Dosenschinken oder Callcenter: Lydia Davis macht alles zu Literatur

Die Amerikanerin Lydia Davis zeigt, wie groß ganz kleine Geschichten sein können. Über ihren wunderbaren Short-Story-Band „Unsere Fremden“ – die Buchkritik.

Sylvia Staude
5 Min
Lydia Davis ist stilprägend für die Short Story

Lydia Davis ist stilprägend für die Short Story

© Theo Cote

Und schon hat man sich verlesen, hat die vertraute Wendung „Unter Fremden“ zu lesen geglaubt. Aber man stutzt doch, liest noch mal, erkennt: Der Titel der in der Übersetzung von Jan Wilm auf Deutsch erscheinenden Stories von Lydia Davis lautet – und das ist für das Weitere entscheidend – „Unsere Fremden“, „Our Strangers“ im Original.

Es zeichnet diese Kurz- und Kürzestgeschichten aus, dass die darin auftretenden Menschen zwar manchmal ein wenig befremdlich erscheinen und seltsam handeln, „strange“, gleichzeitig aber wiedererkennbar sind wie jemand von nebenan. Es zeichnet sie aus, dass wir uns auch selbst in ihnen erkennen. Mag durchaus sein, dass wir uns ein bisschen genieren im Moment des Wiedererkennens – schämen wäre ein zu starkes Wort. Denn alles in diese Nussschalen von Sprache Gefasste ist bei dieser Autorin auch zutiefst menschlich.

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