Obdachlosigkeit in Berlin

Wie eine Frau ihr Zuhause verlor – und sich zurück ins Leben kämpfte

Vor fünf Jahren verlor Susanne H. ihr Zuhause. Heute führt sie andere Menschen durch ihren Kiez, um zu zeigen, wie sich Obdachlosigkeit wirklich anfühlt.

13 Min
Susanne H. stand nach einer Zwangsräumung plötzlich ohne Wohnung da – heute setzt sie sich gegen Verdrängung und Altersarmut ein.

Susanne H. stand nach einer Zwangsräumung plötzlich ohne Wohnung da – heute setzt sie sich gegen Verdrängung und Altersarmut ein.

© Ina Schoenenburg/Ostkreuz

Ein kühler Wind zieht über den Olivaer Platz. Es ist einer dieser „Nicht-Orte“, wie es sie rund um den Kurfürstendamm zuhauf gibt. Nicht-Ort – das ist eine Wortschöpfung des französischen Anthropologen Marc Augé, der damit die als unpersönlich und funktional wahrgenommenen Durchgangs- und Transitorte der Moderne beschrieb.

Der Olivaer Platz wirkt wie eine idealtypische Manifestation dieses Begriffs: Dort, wo sich einst ein kunstvoll gestalteter Senkgarten befand, breitet sich heute eine ebenerdige Grünfläche aus – dazwischen asphaltierte Wege und Sitzblöcke aus Beton.

Die Menschen, die den Olivaer Platz betreten, haben es schrecklich eilig: Ein Mann im Nadelstreifenanzug hastet über den Platz, um sich beim Bäcker ein Croissant zu holen. Eine junge Frau im Polohemd zieht ihren quengelnden Chihuahua hinter sich her. Dazwischen schlurft ein obdachloser Mann mit zwei randvoll gefüllten Plastiktüten vorbei.

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