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Obdachlos in Berlin: Wenn die Bushaltestelle zum Wohnzimmer wird

Es ist eine Bushaltestelle in Kreuzberg, an der tagsüber kein Bus mehr hält – doch für Michael wurde sie zum Zuhause. Ein Treffen.

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Michael lebt in einer Bushaltestelle in Kreuzberg. Tagsüber hält dort kein Bus mehr, die Haltestelle wurde für ihn zu einem provisorischen Schlaf- und Aufenthaltsort.

Michael lebt in einer Bushaltestelle in Kreuzberg. Tagsüber hält dort kein Bus mehr, die Haltestelle wurde für ihn zu einem provisorischen Schlaf- und Aufenthaltsort.

© Maurice Weiss/Ostkreuz

Es ist ein kühler Vormittag in Kreuzberg, Nähe Mehringdamm. Autos rauschen vorbei, Radfahrer klingeln und schimpfen, Menschen eilen mit Einkaufstaschen in Richtung der Bergmannstraße. Typisch Kreuzberg, laut und hektisch. Nur die Bushaltestelle wirkt merkwürdig still. Tagsüber halten hier die Fahrzeuge der BVG nicht mehr – es fährt nur noch der Nachtbus. Die schwarze Metallbank, überdacht mit Plexiglas ist somit bei Tageslicht kein Ort, um zu warten, sondern ein Platz, den fast alle übersehen.

Auf dieser schwarzen Metallbank sitzt Michael*: stämmig, langer Bart, krauses Haar. Neben ihm steht ein Einkaufswagen in dem sich Decken, Schuhe, Essensvorräte und leere Alkoholflaschen türmen. Es sieht wüst aus in dem Bushaltehäuschen und drumherum. Michael sitzt nicht nur auf der Bank, er schläft auch auf ihr. Er lebt seit fast vier Jahren auf der Straße und seit einiger Zeit in eben jener Bushaltestelle am Mehringdamm. Sein pinkfarbenes T-Shirt, das er trägt, liegt eng an und stülpt sich leicht über seinen Bauch. Auf seinen Händen prangt eine Tätowierung: „vida loca“ – das verrückte Leben.

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