Die Wirtschaftssendungen und Verbrauchermagazine unseres öffentlich-rechtlichen Fernsehens haben unbestritten ihre Verdienste, aber Berichte über Elektroautos sind überraschend selten neutral. Den Machern scheint es nicht um das ausgewogene Für und Wider zu gehen, sondern eher darum, die E-Auto-Praxis möglichst negativ darzustellen und die Zuschauer mit allen Mitteln vom Kauf eines Elektroautos abzuhalten.
Allein in den letzten Monaten stifteten Beiträge von SWR, NDR und ZDF so viel Verwirrung, dass Zuschauer kaum noch eine fundierte Entscheidung treffen können. Dabei reihen die Sender ihre Falschaussagen in so dichter Folge aneinander, dass Vorsatz und Absicht nicht auszuschließen sind.
E-Mobilität in ARD-Sendungen: Verdrehte Fakten?
Der SWR-Beitrag „E-Autos – Gerät die Verkehrswende ins Stocken ?“ beginnt gleich mit einer Irreführung: „Seit Anfang des Jahres sind die Zulassungszahlen (für E-Autos) rückläufig, (…) weil der Ladestrom teuer ist.“ Dabei war lediglich der Januar 2023 aufgrund der auf Dezember vorgezogenen Zulassungen schwach. Der Zuschauer erfährt nicht, dass das erste Quartal insgesamt über den Zahlen des Vorjahres liegt und der Aufwärtstrend der Zulassungen anhält.
Es folgen weitere Mythen über die Kosten für Ladestrom, die angeblich nicht günstiger als die Benzinpreise sind. Richtig ist, dass der Ladestrom bei Tesla oder aus der heimischen Steckdose nur halb so viel kostet, wie die entsprechende Menge Benzin. Es folgt die aus der Luft gegriffene Behauptung, es würden Stromengpässe drohen und die Ladesäulen würden abgeschaltet.
Elon Musk: Diesen Wald will er für seine Tesla-Gigafactory abholzen
Der SWR betreibt damit pauschale Angstmacherei. Schließlich werden auch die hohen Neuwagenpreise beklagt. Die niedrigen Wartungskosten der E-Autos, die Befreiung von der Kfz-Steuer und die von VW, Tesla und Stellantis angekündigten Modelle um 25.000 Euro verschweigt der SWR sorgfältig.
Der NDR verspricht in seinem Bericht „Mit dem E-Auto in die Osterferien: Der Selbstversuch“ einen Praxistest, lässt seinen Reporter aber nur mit Vollstrom die A1 runter und wieder rauf fahren, um vorzuführen, wie schnell die Reichweite sinkt. Dann ignoriert der „Tester“ die Ladeplanung seines E-Autos und beklagt, dass die Ladestationen schwer zu finden seien. Schließlich steuert er vorsätzlich eine defekte Ladesäule an, obwohl seine Lade-App diese schon als „außer Betrieb“ gemeldet hat. Es fehlte ihm offenbar noch ein Bild, wie er voller Entrüstung neben der kaputten Säule steht. Dabei ist der Lader nur ein uralter Triple-Charger aus den Anfängen der E-Auto-Zeit, auf den heute keiner mehr angewiesen ist.
Versagt ein E-Auto auf Langstrecken? Mobilitätsprofi kontert unseren Tesla-Bericht
Der NDR verdreht einfach die Wirklichkeit, denn die Ladenetze sind bereits weit ausgebaut und funktionieren zuverlässig. Die vielbeschworene „Reichweitenangst“ ist eine Erfindung von Fernsehredakteuren. Wer elektrisch fährt, kennt sie nicht.
Das ZDF beteiligt sich besonders fleißig daran, über die abgründigen Schattenseiten der E-Mobilität aufzuklären, wie Anfang April mit der „Dokumentation“ „Klimaretter oder Mogelpackung – Der E-Auto Check“ . Hier wurde ein besonders bewährtes Muster angewandt: Setze zwei komplett ahnungslose Versuchspersonen ohne Betriebsanleitung in ein E-Auto mit halbleerem Akku, schicke die armen Menschen dann auf eine Langstrecke und warte, bis etwas schiefgeht.
Die so provozierten Probleme garniert das ZDF dann mit unsinnigen Diagrammen über ein angebliches Stecker-Chaos. Schließlich wärmen die Mainzelmänner noch eine uralte Falschinformation auf und behaupten in völliger Missachtung aller Untersuchungen der letzten Jahre, dass ein E-Auto mehr CO2 ausstößt als ein Diesel-Pkw. Erfahrene Elektromobilisten sind entsetzt und kommentieren die Sendung auf Twitter mit drastischen Worten.
Um die 45 Minuten zu füllen, darf noch ein Diesel-Professor seine zigfach widerlegte Grenzstromtheorie vortragen und die sattsam bekannten Bilder über den Lithiumabbau in Chile und Kinderarbeit in Kobalt-Minen fehlen ebenfalls nicht. Dass es gar kein gesichertes Wissen darüber gibt, in welchem Umfang der Lithiumabbau die Wasserknappheit in der Atacama-Wüste beeinflusst, erfährt der Zuschauer nicht.
Verschwiegen wird natürlich auch, dass sich vor allem Öl nur unter Einsatz großer Mengen Wasser fördern und raffinieren lässt und dass in jedem Verbrenner-Motor Kobalt als Legierungsmetall unverzichtbar ist.
E-Autos: Voreingenommenheit in der Berichterstattung?
Das ZDF lässt kein Vorurteil und keinen Mythos unerwähnt. Es wird nach Kräften problematisiert und mit suggestiven Bildern und düsterer Untermalung auch die emotionale Ebene angesprochen. Die Karikatur eines windigen Verkäufers zieht alles ins Lächerliche, was für E-Autos spricht. Sich abzeichnende Lösungen, zum Beispiel für das Recycling der Batterien, finden keine Erwähnung und falsche Behauptungen, es gäbe nicht genug Grünstrom, sollen den Zuschauer manipulieren. Ausgewogene und fundierte Berichterstattung sieht anders aus.
Einen besonders schweren Stand hat der US-Hersteller Tesla. In den letzten beiden Jahren gab es von ZDF , NDR und MDR immer wieder Beiträge, die den Elektro-Pionier mit Halbwahrheiten und Falschaussagen verunglimpfen. Gegen den Elektro-Revolutionär wurde ausgiebig Stimmungsmache betrieben, und zwar in einem Ausmaß, das an vorsätzlicher Geschäftsschädigung grenzt.
So behauptete der MDR noch im August 2021 und entgegen den veröffentlichten Bilanzen, Teslas Kerngeschäft sei nicht profitabel, was für ein börsennotiertes Unternehmen natürlich eine vernichtendes Urteil ist. Das ZDF hatte in seiner unübersehbar tendenziösen Abrechnung „Turbo, Tempo, Tesla“ noch nicht einmal Skrupel, Aussagen von Elon Musk zu verfälschen, um ein möglichst negatives Bild von Teslas Gigafactory in Grünheide bei Berlin zu konstruieren.
ARD und ZDF: Öffentlich-rechtliche Realitätsverweigerung
Das hartnäckige Geschimpfe über E-Autos passt kaum noch zur Wirklichkeit. Es ist offensichtlich, dass die Tage des Verbrenners gezählt sind. Mit Auspuff unterwegs zu sein, wird schon lange vor dem offiziellen Aus in 2035 zunehmend ein spaßbefreites Unterfangen sein. Paris, Amsterdam und Kopenhagen werden Verbrenner ab 2030 aussperren. Im Großraum London gilt eine Ultra Low Emission Zone, in der es für alte Stinker teuer wird. Und die Spritpreise werden sich mit steigender CO2-Abgabe und dem EU-Emissionshandel unschön entwickeln.
Dagegen begrenzt der beschlossene Ausbau der erneuerbaren Energien die Strompreise schon heute und hat zudem das Potenzial, die Preise wieder sinken zu lassen. Der Strombedarf für elektrisches Fahren ist sogar relativ niedrig. Wenn in der Urlaubszeit die E-Autos die Ladeparks an den Autobahnen auslasten, wird die dann ausgebaute und auf Hochtouren laufenden Photovoltaik die E-Autos mit Leichtigkeit nebenbei versorgen. Der weltweite Bedarf für die vollständige Elektrisierung aller Verkehre entspricht lediglich dem des Stadtstaates Singapur.
VDA-Präsidentin: Osten ist Hochburg für E-Auto-Produktion
Es ist weitgehend mysteriös, warum die sonst funktionierende Verbraucherberatung der öffentlich-rechtlichen Sender beim Thema E-Mobilität in Polemik und Desinformation verfällt. Ist es falsch verstandener Gehorsam gegenüber der heimischen Autoindustrie, diffuse Angst vor Veränderung oder verbohrtes Festklammern an eine vertraute Antriebstechnik, nur weil uns die Industrie jahrzehntelang das Verbrennen von Benzin und Diesel als Gipfel deutscher Ingenieurskunst verkauft hat? Die Motive der Programmmacher sind schwer zu ergründen.
Die Sender könnten sich gerade beim Thema E-Mobilität mit sachlicher Information Verdienste erwerben, etwa über die zu erwartende Entwicklung bei Strom- und Spritpreisen. Kinderkrankheiten und Einschränkungen gehören natürlich erwähnt, aber auch Vorteile wie der bessere Fahrkomfort, hohe Zuverlässigkeit, das gute Platzangebot für Passagiere und Gepäck sowie die Wartungsarmut.
Redaktionen mit fehlender Erfahrung sollten sich das Praxis-Wissen von E-Auto-Besitzern ins Haus holen und zeigen, wie und wann E-Mobilität im Alltag funktioniert. Ist es denn so schwer, seinen Programmauftrag zu verstehen?
Journalistische Standards missachtet, Gebührengelder veruntreut
Stattdessen werden E-Autos mit Macht verprügelt. Berichte dieses Strickmusters dürfte es eigentlich gar nicht geben. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist durch die Medienstaatsverträge und den daraus abgeleiteten Grundsätzen dazu verpflichtet, wahrheitsgemäß, objektiv, ausgewogen und vollständig zu berichten.
Als oberste Instanz haben die Rundfunkräte – ein ehrenamtlich besetztes Gremium – die Aufgabe, als Anwalt der Zuschauer über die Einhaltung von Grundsätzen zu wachen. Beschlüsse der Rundfunkräte darf der Intendant nicht ignorieren.
Manfred Bertuch war als Journalist bei einem Magazin für Computertechnik und als Lehrer tätig. An seinem Wohnort ist er überwiegend mit dem Fahrrad mobil, im In- und Ausland genießt er zusammen mit seiner Familie die Vorzüge eines Elektroautos.
Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag freien Autorinnen und Autoren sowie jedem Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.
Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Er darf für nicht kommerzielle Zwecke unter Nennung des Autors und der Berliner Zeitung und unter Ausschluss jeglicher Bearbeitung von der Allgemeinheit frei weiterverwendet werden.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de