Kriegel leitet das Forschungsprojekt „Energieeffizienter Hochschulcampus Berlin-Charlottenburg“, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; er ist der Mr. Green Energy der Universität. Seit 2016 beschäftigt er sich damit, wie die TU Berlin die sogenannte Wärmewende schaffen kann.
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Das heißt, wie Wärme- und Kälteversorgung von Laboren, Büros und Hörsälen zu mindestens 80 Prozent von erneuerbaren Energien geleistet wird. Bei der Elektrizität hat die TU schon zu 100 Prozent auf Ökostrom umgestellt.
Energieeffizienz: TU Berlin hat gegenüber anderen Institutionen einen Vorsprung von drei jahren
Inzwischen hat Kriegel den gesamten Campus von TU Berlin und UdK Berlin, also die insgesamt 49 Gebäude zwischen Landwehrkanal, Ernst-Reuter-Platz und S-Bahntrasse in Tiergarten analysiert. Rund tausend Einzelmaßnahmen haben sein Team und er erarbeitet. Diese sollen jetzt nach und nach umgesetzt werden.
Die beiden größten Sorgenkinder sind das Haus der Physik und das Mathegebäude. Beide wurden in den achtziger Jahren errichtet und haben große Fensterfronten. „Diese galten damals als günstig zur Einsparung von Wärmeenergiekosten, weil sie viel Sonneneinstrahlung zulassen“, sagt Kriegel. Temperaturen im Innenraum von bis zu 40 Grad im Sommer und große Kälte im Winter sind die Folge.
Im Haus der Physik an der Hardenbergstraße mit seinen vielen Laboren und Versuchseinrichtungen ist die Temperaturregulierung höchst aufwendig. Große Mengen an Abwärme entstehen, die Kriegel gern im Rahmen der Wärmerückgewinnung auffangen und nutzen würde.
„Mit einer Investition von 500.000 Euro könnten wir vier GW/h Wärme einsparen – das ist die Hälfte des Verbrauchs“, sagt er. TU-Präsident Christian Thomsen begleitet Kriegel an diesem Tag auf seinem Rundgang, um sich vor Ort zu informieren.
„Das Klimathema wird jetzt durch die Fridays-for-Future-Bewegung vorangetrieben“, sagt Thomsen und fügt hinzu, dass die TU durch das Hochschulprojekt einen Vorsprung von drei Jahren gegenüber anderen Institutionen habe, die erst jetzt beginnen, ihre Energieeffizienz zu untersuchen.
Senat fördert bereits Projekte zum Klimaschutz an der TU Berlin
Thomsen hat den Ehrgeiz, den TU-Campus-Nord zum Modell für Klimaneutralität in öffentlichen Gebäuden werden zu lassen. Bis 2024 wollen die Wissenschaftler auf dem Campus demonstrieren, wie das Energiewendeziel auf dem Campus von TU Berlin und UdK umgesetzt werden kann. Die Umsetzung soll 2030 abgeschlossen sein.
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Doch die TU stößt an viele Grenzen. Dazu zählen vor allem Gesetze und Verordnungen, die aus Zeiten stammen, als Klimaneutralität noch nicht so hoch auf der politischen Agenda stand. Als Beispiel nennt Kriegel die Energieeinsparverordnung, die ihren Ursprung in der Zeit der Ölkrise 1976 hat. Einzelmaßnahmen, zum Beispiel zur Rückgewinnung von Abwärme können häufig nur in Verbindung mit größeren Eingriffen wie Sanierungen stattfinden. „Das blockiert teilweise die Prozesse“, sagt Kriegel.
„Ich wünsche mir eine Entflechtung von Regularien, die nicht mehr zeitgemäß sind“, sagt Thomsen. Der Senat fördere bereits Projekte zum Klimaschutz an der TU, doch die gesetzlichen Grundlagen müssten ebenfalls überarbeitet werden. Die TU Berlin ist als öffentliche Einrichtung auf die Kooperation des Senats angewiesen, weil sie die Maßnahmen nicht aus eigener Kraft finanzieren kann. Der Klimaschutz zahle sich jedoch binnen kurzer Zeit aus.
„Wenige Jahre nach der Investition hat sich diese bereits amortisiert und wir beginnen massiv zu sparen“, sagt Thomsen. Rund zehn Millionen Euro betragen die Betriebskosten der TU jährlich. Eine Einsparung von 5 Millionen Euro sei durchaus realistisch.
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