Ölmarkt

Lieferwege gefährdet: Neue US-Angriffe auf den Iran treiben den Ölpreis nach oben

Die Preise für Brent und WTI steigen den vierten Handelstag in Folge und nähern sich ihren Monatshöchstständen. Die Tankerroute durch die Straße von Hormus bleibt gefährdet.

3 Min
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist erneut stark zurückgegangen.

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist erneut stark zurückgegangen.

© Giuseppe Cacace/AFP

Die Ölpreise sind am Donnerstag den vierten Handelstag in Folge gestiegen. Der Grund sei die neue Angriffswelle des US-Militärs auf iranische Ziele. Diese verstärke die Sorgen vor einer breiteren Eskalation und weiteren Lieferausfällen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Nordseesorte Brent verteuerte sich im frühen Handel um 33 Cent auf 85,28 US-Dollar je Barrel (159 Liter), die US-Sorte WTI legte um 42 Cent auf 80,02 US-Dollar zu. Beide Referenzsorten bewegen sich damit nahe ihrer Monatshöchststände vom Dienstag.

Die USA hatten laut Reuters am Mittwoch iranische Küstenverteidigungsanlagen und Raketenstellungen angegriffen und zuvor eine Seeblockade iranischer Häfen wieder in Kraft gesetzt. Im Gegenzug drohte Teheran mit einer Ausweitung der Blockade regionaler Energieexporte und sprach von einem „existenziellen Krieg“ gegen die USA. Die im Juni erreichte, ohnehin brüchige Waffenruhe war bereits in der Vorwoche gebrochen worden.

Gefährdete Handelswege für Öl und Gas

Vor Kriegsbeginn wurde rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels über die Straße von Hormus abgewickelt. Dort ist der Schiffsverkehr erneut stark zurückgegangen. Analysten verwiesen nach Angaben von Reuters darauf, dass der Iran die mit ihm verbündete Huthi-Miliz im Jemen einsetzen könnte, um zusätzlich die Meerenge Bab al-Mandeb am Roten Meer zu blockieren.

Die Investmentbank Goldman Sachs erklärte, der Preis für Brent könne im vierten Quartal über 110 US-Dollar steigen, falls sich die Ausfuhren aus der Golfregion nicht erholten. Bei einer Entspannung der Lage sei bis Jahresende aber auch ein Rückgang in den Bereich um 60 US-Dollar möglich.

Golfexporte bleiben unter Vorkriegsniveau

Die Internationale Energieagentur (IEA) schreibt in ihrem Juli-Bericht, dass die Ausfuhren aus der Golfregion im Juni zwar um 6,5 Millionen Barrel pro Tag auf 16,1 Millionen gestiegen seien, aber weiter deutlich unter dem Vorkriegsniveau von 24 Millionen Barrel lägen.

Die US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche bis zum 10. Juli einen Rückgang der Rohölbestände in den Vereinigten Staaten um 1,7 Millionen Barrel. Analysten hatten zuvor mit einem noch stärkeren Abbau um 2,6 Millionen Barrel gerechnet.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema