POTSDAM/DRESDEN. Das brandenburgische Landesparlament strebt mehrheitlich einen schlossähnlichen Landtagsneubau auf dem Potsdamer Alten Markt an - dort stand einst das Stadtschloss der Hohenzollern. Sowohl SPD-Fraktionschef Günter Baaske als auch CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek sprachen sich am Dienstag dafür aus, den Landtagsneubau mitsamt einer historisierenden Fassade zu realisieren. Zudem solle der Neubau in der Kubatur des einstigen Stadtschlosses entstehen. Baaske und Lunacek betonten aber, dass die historischen Fassadenfiguren des einstigen Stadtschlosses durch private Sponsoren finanziert werden sollen. Der Berliner Rechtsanwalt Michael Schöne, Vorsitzender des Stadtschloss-Vereins, sprach in der CDU-Fraktionssitzung am Dienstag von einer erheblichen Spendenbereitschaft. Allein die Fassade würde etwa 14 Millionen Euro kosten, davon würden die historischen Figuren mit neun Millionen zu Buche schlagen. SPD- und CDU-Fraktion wollen nächsten Dienstag abschließend entscheiden, ob sie den Landtagsneubau favorisieren oder doch lieber das alte Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg sanieren und erweitern wollen."Die Tendenz geht aber klar zum Landtagsneubau", sagte CDU-Fraktionschef Lunacek. Ein repräsentativer Neubau auf dem Alten Markt sei auch ein Signal für die Länderfusion. "Dann wird Potsdam Parlaments- und Regierungssitz", sagte Lunacek. Zugleich würde die städtische Brache in zentraler Lage endlich wieder bebaut, was weitere Touristen nach Potsdam locken würde. Auch Saskia Funck, die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, sprach sich für den historisierenden Landtagsneubau aus - zugleich kritisierte sie die von Finanzminister Rainer Speer (SPD) vorgelegten Zahlen für den Landtagsneubau. Der Minister, kein Freund eines Landtagsschlosses, hatte die Kosten für einen Landtagsneubau ohne historische Fassade mit 106 Millionen Euro veranschlagt und die Sanierungskosten des bestehenden Landtagsgebäudes auf dem Brauhausberg auf etwa 80 Millionen taxiert. Lunacek und Funck hingegen betonten am Dienstag, dass der Landtagsneubau mit Fassade nur etwa 95 Millionen Euro kosten würde. "Zudem könnten die Kosten mit einen privatwirtschaftlichen Partner noch einmal gesenkt werden", sagte Funck.Die SPD-Fraktion war am Dienstag eigens nach Dresden gereist, um sich den sächsischen Landtag anzusehen. Während man in Potsdam seit Jahren über den Landtagsneubau streitet, wurde der Teilneubau des sächsischen Landtages am Elbufer bereits 1993 fertig gestellt. Plenum, Ausstellungsflächen und ein Dachterrassen-Café befinden sich in einem schicken Neubau mit Glasfassade. Die Abgeordnetenbüros sind in einem repräsentativen Bürogebäude untergebracht, das schon zu Zeiten der Weimarer Republik die Oberfinanzdirektion beherbergte und nach der Wende saniert wurde. Die Kosten für Neubau und Sanierung beliefen sich seinerzeit auf 100 Millionen Euro. Die SPD-Abgeordneten waren von der Lösung durchaus angetan.Einzelne Abgeordnete wie Wolfgang Pohl aus Frankfurt (Oder) sprachen sich dennoch gegen einen Potsdamer Landtagsneubau mit Schlossfassade aus. "Ein Schloss? Mit mir nicht", sagte er. Auch SPD-Finanzexperte Mike Bischoff aus der Uckermark möchte lieber einen funktional-schlichten Landtagsneubau auf dem Alten Markt sehen. Andere Abgeordnete wie Christoph Schulze, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, sprachen sich für eine historische Fassade aus. Auch der Ex-Minister Steffen Reiche sagte: "Entweder mit historischer Fassade - oder wir können gleich in den Preußischen Landtag nach Berlin gehen." Das Berliner Abgeordnetenhaus wurde nämlich bereits aufwändig saniert.Die PDS und die rechtsradikale DVU lehnen einen Neubau zu den bisher genannten Kosten ab.------------------------------Interessent für Landtags-Immobilie // Bisheriger Landtag: Brandenburgs Landesparlament hat seinen Sitz seit 1991 in einer ehemaligen preußischen Kriegsschule auf dem Brauhausberg. Das Gebäude ist stark sanierungsbedürftig.Stadtschloss: Das Knobelsdorffsche Stadtschloss der Hohenzollern wurde im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen und 1959 abgetragen. Seitdem klafft eine Lücke in der historischen Mitte Potsdams.Nachnutzung: Der bisherige Landtag auf dem Brauhausberg könnte als Hotel oder Seniorenresidenz genutzt werden. Laut CDU-Fraktion hat ein Investor aus der Privatwirtschaft Interesse an dem Objekt.------------------------------Foto: Das stark beschädigte Stadtschloss unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg: Links ist der Südflügel des einstigen Prachtbaus zu sehen.
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