Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat sich am Dienstag bereit erklärt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. In einem Telefonat mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Sayed, sagte Peseschkian laut der amtlichen Nachrichtenagentur Irna, sein Land strebe nicht nach Atomwaffen, wolle aber weiterhin seine „legitimen Rechte“ durchsetzen. Der Iran sei „bereit, die Angelegenheiten (...) am Verhandlungstisch zu lösen“, sagte Peseschkian.
Zuvor hatte die vom US-Präsidenten ausgerufene Waffenruhe zwischen dem Iran und Israel bereits kurz nach ihrer Verkündung deutliche Schrammen erlitten. Beide Seiten warfen einander am Vormittag Brüche der Feuerpause vor. Auch Trump selbst räumte laut einem Reuters-Bericht ein, dass beide Länder sich nicht an die Vereinbarung gehalten hätten. Er sei mit keinem der beiden Länder zufrieden, insbesondere nicht mit Israel, sagte er demnach vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel in Den Haag.
Zu einem von Israel angekündigten Gegenschlag schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social: „Israel wird den Iran nicht angreifen. Alle Flugzeuge werden umdrehen und nach Hause fliegen, während sie dem Iran freundlich zuwinken. Niemand wird verletzt werden, der Waffenstillstand ist in Kraft!“
Trump appelliert an Israel: „Bringt eure Piloten nach Hause“
Trump veröffentlichte weiterhin einen dringenden Appell an seinen Verbündeten: „Israel. Wirf diese Bomben nicht ab. Wenn ihr das jetzt tut, ist das ein schwerer Verstoß. Bringt eure Piloten nach Hause, jetzt!“, schrieb Trump in Großbuchstaben. Kurze Zeit später ergänzte er, dass der Iran „seine Atomanlagen niemals wieder aufbauen“ werde.
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas appellierte für ein Fortbestehen der Waffenruhe. „Die angekündigte Aussetzung der Kämpfe zwischen Israel und dem Iran ist eine gute Nachricht, bleibt aber fragil“, schrieb sie auf dem Onlinedienst X. „Alle Seiten sollten dazu stehen und von weiterer Gewalt absehen.“
Nachdem Israel zuvor mehrere iranische Raketenangriffe nach Inkrafttreten der Waffenruhe gemeldet hatte, wies der israelische Verteidigungsminister Israel Katz die Armee an nach eigener Aussage an, „kraftvoll“ darauf zu reagieren. Er habe befohlen, „gegen Ziele des Regimes im Herzen von Teheran zurückzuschlagen“, erklärte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. „Teheran wird beben“, schrieb auch der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich in einem Post auf der Plattform X angesichts der iranischen Raketensalven.
Israel zerstörte am Dienstag eine Radaranlage in der Nähe auf Teheran als Reaktion auf die Verletzung der Waffenruhe auf den Iran, verzichtete aber auf weitere Angriffe, nachdem Israels Premierminister Benjamin Netanjahu mit Donald Trump gesprochen hatte, berichtete Reuters unter Berufung auf Netanjahus Büro.
Die Armee des Iran hat Israel ihrerseits ebenfalls vorgeworfen, nach der Ankündigung einer Waffenruhe Angriffe auf iranischem Gebiet ausgeführt zu haben. „Das zionistische Regime hat drei Angriffswellen auf Stellungen auf iranischem Gebiet bis um 9 Uhr morgens (Ortszeit; 7.30 Uhr MESZ) durchgeführt“, erklärte ein Militärsprecher im Staatsfernsehen am Dienstag, ohne weitere Details zu nennen.
Israel bestätigte nur Minuten vorher Trumps Waffenruhe
Israels Regierung hatte erst kurz zuvor eine Waffenruhe im Konflikt mit dem Iran bestätigt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe seinem Kabinett mitgeteilt, Israel habe alle Kriegsziele erreicht „und sogar weit darüber hinaus“, teilte Netanjahus Büro mit. Daher habe Israel dem Vorschlag des US-Präsidenten Donald Trump für eine Waffenruhe mit dem Iran zugestimmt.
Trump hatte am Montagabend (Ortszeit) erklärt, dass eine Feuerpause im Nahostkonlikt zwischen Israel und dem Iran ab 6 Uhr MESZ gelten werde. Am Dienstagmorgen bestätigte er, die Waffenruhe sei „in Kraft getreten“ und bat darum, sie einzuhalten. Zunächst werde der Iran die Waffen schweigen lassen und dann Israel – bis nach 24 Stunden ein Ende des Krieges erreicht sei, so Trump in seinem vorigen Post in seinem Onlinedienst Truth Social.
Trump äußerte sich zuversichtlich, dass der „Zwölf-Tage-Krieg“ damit endgültig beendet sei. „Dieser Krieg hätte Jahre dauern und den gesamten Nahen Osten zerstören können“, schrieb Trump weiter. „Aber das ist nicht der Fall und wird niemals so sein.“
Luftalarm im Norden Israels nach Raketensalven aus dem Iran
Derweil hat der Iran am Dienstagmorgen nach Angaben von Staatsmedien eine weitere Raketensalve auf Israel abgefeuert. Es sei eine „fünfte Welle“ von Angriffen gestartet worden, erklärte der iranische Staatssender Irib um kurz vor 6 Uhr (MESZ) im Onlinedienst Telegram. Im Norden Israels wurde Luftalarm ausgelöst.
Auch nach Angaben des israelischen Militärs von kurz nach 4 Uhr soll der Iran weitere Raketen auf Israel abgefeuert haben. „Vor kurzem ertönten in mehreren Gebieten Israels Sirenen, nachdem Raketen identifiziert wurden, die aus dem Iran auf den Staat Israel abgefeuert wurden“, erklärte das israelische Militär am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Bei einem Einschlag in Beerscheba nach iranischen Angriffen wurden örtlichen Berichten zufolge mindestens vier Menschen getötet, mehrere weitere verletzt.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb in der Nacht auf X, sein Land werde Gegenangriffe einstellen, sofern Israel seine „illegale Aggression“ spätestens um 4 Uhr morgens Teheraner Zeit (2.30 MESZ) einstellt. Danach ergänzte er, die iranischen Militäroperationen hätten „bis zur letzten Minute, um 4 Uhr“ angedauert. Irans staatlicher Rundfunk hatte die Feuerpause bestätigt. Sie sei dem Feind „aufgezwungen“ worden, hieß es im Live-Programm des staatlichen Fernsehens.
Iran antwortete auf US-Angriffe mit „schwachem Gegenschlag“
Israel hatte am 13. Juni einen Großangriff auf den Iran gestartet und bombardiert seitdem insbesondere Atomanlagen und militärische Einrichtungen in dem Land. Der Iran attackiert Israel seither im Gegenzug mit Raketen und Drohnen.
Die USA schalteten sich in der Nacht zum Sonntag in den Krieg ein und griffen die drei iranischen Atomanlagen Fordo, Natans und Isfahan mit B-2-Kampfjets und bunkerbrechenden GBU-57-Bomben an. Der Iran attackierte daraufhin am Montag wenige Stunden vor Trumps Verkündung der Waffenruhe die US-Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar. Nach Angaben von Trump wurde bei dem „sehr schwachen“ Vergeltungsangriff niemand verletzt. Der Iran habe die USA zudem frühzeitig über seine Pläne informiert. (mit AFP/dpa)
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