Vielleicht fängt die Geschichte über die Anfälligkeit von Ausdauersportarten für Doping am besten mit Maurice Magnificat an. Der 31 Jahre alte Franzose ist Skilangläufer und sein Nachname passt zu dem, was er über seine Profession zu sagen hat. Es geht um eine Meldung, der zufolge in den Jahren zwischen 2001 und 2010 insgesamt 290 Skilangläufer anormale Blutwerte aufwiesen.
Europäische Athleten, auch Deutsche sollen darunter sein und eben Franzosen. Magnificats Kommentar – ein Magnificat, ein Loblied. „Das sind Fake news“, sagt der Olympiateilnehmer in Pyeongchang: „Es gibt kein Doping.“ Es gehe fair und sauber in seinem Sport zu. Er sei genervt von all der Ignoranz. „Unser Sport ist nicht sehr bekannt.“ Das lässt sich ändern.
Sachenbachers Teepulver
Vielleicht fängt die Geschichte dann doch besser mit Thorleif Haug an. Der Norweger nahm an den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix teil. Haug gewann zweimal Gold im Langlauf. Und einmal wurde ihm Gold in der Nordischen Kombination zuteil. Dies allerdings aufgrund eines Rechenfehlers, wie 50 Jahre später Thoralf Strömstad belegen konnte, ein ehemaliger Mannschaftskamerad von Thorleif Haug. Dem müsse klar gewesen sein, dass ein Irrtum ihm zum Erfolg verhalf, urteilten manche rückblickend. Immer wieder stellt sich nun die Frage bei Dopingbefunden, wer wann was gewusst haben muss.
Evi Sachenbacher-Stehle zum Beispiel. Die Skilangläuferin aus Reit im Winkl war vor den Winterspielen von Sotschi 2014 auf Biathlon umgestiegen, wurde nach Platz 27 im Verfolgungsrennen zur Dopingkontrolle gebeten, die ohne Befund blieb. Anders nach Platz vier im Massenstartrennen. In A- und B-Probe fanden sich Spuren der Substanz Methylhexanamin. Unwissentlich habe sie diese zu sich genommen, über Nahrungsergänzungsmittel, teilte Sachenbacher zunächst mit. Später führte sie verunreinigtes Teepulver als Ursache für den positiven Befund an.
Mühleggs Diät
Eine fünftägige Diät wurde Johann Mühlegg 2002 in Salt Lake City zum Verhängnis, zumindest seinen Ausführungen zufolge. Er habe nur Proteine zu sich genommen und anschließend nur Kohlenhydrate. Das verursachte Durchfall, jedenfalls kamen so Mühleggs merkwürdige Blutwerte zustande. Sagte der Deutsche in spanischen Langlaufdiensten. Tatsächlich war das Medikament Aranesp für die Anomalie verantwortlich – und Mühlegg als Auslöser eines größen olympischen Dopingskandale weg vom Fenster.
Jetzt steht erneut die Branche unter Verdacht. 313 Medaillen bei Großereignissen im Skilanglauf könnten nicht sauber gewonnen worden sein. Das legen Daten eines Whistleblowers nahe, die einem Rechercheverbund vorliegen. An grundlegenden Mentalitäten scheint sich wenig geändert zu haben. An den Reflexen ebenso, wie sich an Magnificats Magnificat erkennen lässt. (BLZ)
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