Online-Dating

Wie man richtig im Internet flirtet

Wie flirtet man im Netz am besten? Im roten Pulli und unter einem Namen, der mit A beginnt, sagen Forscher. Außerdem ist ein authentischer, nicht zu perfekter Auftritt optimal. Auf Fotos dürfen zum Beispiel ruhig Lachfältchen um die Augen zu sehen sein.

Alice Ahlers
6 Min

Manchmal kann ein Ort ein Aphrodisiakum sein. In der Achterbahn verliebt man sich schneller als beim Candle-Light-Dinner. Das haben Liebesforscher bereits vor einiger Zeit herausgefunden. Nervenkitzel und Abenteuer erhöhen offenbar die gegenseitige Zuneigung. Ein Gewitter, ein Horrorfilm, ein bisschen Angstschweiß – schon finden sich Frau und Mann wahnsinnig anziehend, haben sie in Experimenten herausgefunden. Eine Erkenntnis, die im Internet wenig nutzt. Denn das ist ein Ort, an dem sich Singles erstmal ganz unkörperlich begegnen – ohne Augenkontakt, Berührungen und Duftsignale. Wie flirtet man dort am besten?

Das wollten Forscher der britischen Queen Mary Universität in London auch wissen. Sie haben 86 wissenschaftliche Studien zum Thema Flirten im Internet gesichtet und daraus praktische Ratschläge für Singles abgeleitet – vom Profilfoto bis zum Online-Pseudonym. Die Liste ist kürzlich im renommierten British Medical Journal erschienen.

Beliebtheit wirkt anziehend

Dort steht zum Beispiel, dass Menschen auf andere besonders attraktiv wirken, wenn sie auf Fotos im Kreise vieler Freunde zu sehen sind. Wenn sie dabei auch noch im Mittelpunkt stehen, kommt das besonders gut an. Das ergaben Experimente mit Singles, die Bilder in Flirtportalen bewerten sollten. „Beliebtheit macht attraktiver als vieles andere“, schreiben die Wissenschaftler. Soziale Ausstrahlung wirke auf andere anziehender als Angaben über akademische Leistungen oder berufliche Erfolge.

Forscher der Universität Twente in den Niederlanden hatten das Phänomen bereits in sozialen Netzwerken untersucht und herausgefunden, dass Menschen, die bei Facebook viele und attraktive Freunde haben, für Fremde automatisch anziehender sind. „Der Eindruck, der von den Freunden ausgeht, beeinflusst eindeutig die Meinung, die andere von einem Profilinhaber haben“, heißt es in der Studie.

Gruppenfotos haben daneben aber noch eine andere Wirkung. Sie machen manche ein bisschen schöner. Psychologen nennen es den Cheerleader-Effekt. Sieht das Gehirn eine Ansammlung von Menschen, nimmt es diese zunächst als Einheit wahr. Es errechnet blitzschnell eine Art „Gruppengesicht“, eine Zusammenfassung aus allen Gesichtern, die abgebildet sind. Dadurch wird jedes einzelne etwas durchschnittlicher. Große Ohren oder Nasen werden inmitten einer Gruppe also kleiner wahrgenommen. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

Es sind aber nicht die völlig Makellosen, die bei Singles am besten ankommen. Das zeigte eine weitere Studie aus der Online-Welt, bei der es ebenfalls um die Bewertung von Profilfotos ging. Menschen, die auf ihren Bildern den Kopf leicht schief legen und lächeln, wirken auf Test-Singles am besten. Doch das Lächeln muss echt aussehen. Erst dann ist es attraktiv. Authentisch wird ein Lächeln durch kleine Fältchen um die Augen. Ist das Gesicht zu steif und glatt, wirkt es falsch, berichten die Wissenschaftler.

Auch Farben spielten bei der Bewertung der Profilfotos eine Rolle. So bevorzugen Männer offenbar unbewusst Frauen in roter Kleidung. In einem Fragebogen gaben die meisten Männer zunächst an, dass es für sie keine Rolle spiele, ob jemand schwarze, rote oder grüne Outfits trage. Legte man ihnen dann aber jede Menge Fotos von Frauen in verschiedenfarbiger Kleidung vor, ordneten sie denjenigen in Rot besonders häufig das Attribut „begehrenswert“ zu. Auch weibliche Singles bleiben von Farben nicht unbeeindruckt. Frauen trauen Männern in roten Polohemden auf Nachfrage mehr Macht und Erfolg zu.

Woher kommt das? In vielen verschiedenen Kulturen ist Rot die Farbe der Leidenschaft. Und mächtige Männer der Geschichte, beispielsweise Könige, hüllten sich schon immer gerne in Purpur. Evolutionsbiologen meinen, der Hang zum Rot stecke in den Genen. Bei Affen, immerhin unsere nächsten Verwandten, hat die Farbe nämlich sexuelle Signalwirkung. Nähern sich weibliche Schimpansen oder Paviane ihrer fruchtbaren Phase, so zeigen sie ihre Paarungsbereitschaft über die Rotfärbung einiger Körperpartien an.

Gleich und Gleich findet sich

Paarungsbereite Menschen achten beim Flirten im Internet allerdings auf noch mehr Merkmale. So hat zum Beispiel der Profilname einen Einfluss auf den Flirterfolg, berichten die digitalen Liebesforscher. Rufen Pseudonyme nämlich negative Assoziationen hervor ( „Kleiner“ oder „Käfer“) wirkt das auf andere eher unsympathisch. Kurioserweise spielte auch der erste Buchstabe des Namens eine Rolle. Anfangsletter aus der ersten Hälfte des Alphabetes – also von A bis M – kamen besser an als der Rest. „Offenbar werden diese Namen mit besserer Bildung und höherem Einkommen verbunden“, meinen die Wissenschaftler.

Sollten Testsingles persönliche Profile bewerten, kamen die am besten an, die in einfachen Worten formuliert waren. „Wenn Sie denken, komplizierte Sprache lässt Sie intelligenter wirken, irren Sie sich“, schreiben die Forscher.

Soziologisch geht es im Internet genauso zu wie in der nicht-virtuellen Welt. Auch dort tendieren Menschen dazu, sich eher mit jemandem zusammenzutun, der ihnen ähnlich ist. Das betrifft sozialen Status, Bildungsniveau, Religion und andere Wertvorstellungen. Auch wenn man sich im Netz anfangs recht anonym begegnet, finden Gleich und Gleich am Ende zueinander.

Zahlreiche Partnerbörsen wollen diese Suche erleichtern, indem sie ihre Nutzer ellenlange Fragebögen ausfüllen lassen, um ihnen dann die passenden Partner vorschlagen zu können – den „perfect match“, wie sie es nennen. Noch exklusivere Plattformen heißen gleich „Christ sucht Christ“ oder „Lebensfreude50. Die Seite „Findyourfacemate“ aus den USA hilft sogar dabei, sein Gesichts-Double zu finden, weil es Psychologen gibt, die herausgefunden haben wollen, dass Menschen sich eher in Gesichter verlieben, die ihnen ähnlich sind.

Bescheidenheit ist sympathisch

Trotz all dieser Bemühungen zeigen einige Untersuchungen, dass Singles im Internet besonders vorsichtig und misstrauisch sind. Treffen sie auf Menschen, die zu perfekt wirken, klicken sie diese recht schnell weg. Nicht Selbstdarstellungen, die einen scheinbar fehlerlosen Menschen darstellen, waren für die meisten an Studien teilnehmenden Singles interessant, sondern vor allem solche, die echt und authentisch wirkten. Die Wissenschaftler raten deshalb: „Stellen Sie sich selbst nicht zu makellos dar, das macht andere misstrauisch.“

Das konnten auch Psychologen der University of Iowa zeigen. Sie haben acht Testprofile erfunden, die sie mehr als 300 Personen zur Bewertung präsentierten. Am besten kamen die Profile an, die konkrete Angaben über die Person enthielten und sich leicht zu einem realen Menschen zurückverfolgen ließen, indem neben dem Beruf oder dem Hobby zum Beispiel auch ein Link zum Unternehmen oder zur privaten Homepage angegeben war. Selbstdarstellungen, die zu schön klangen, um wahr zu sein, riefen schnell Skepsis hervor. Bescheidene Singles wurden eher kontaktiert als solche, die zu glatt erschienen.

Auch ein alter Mythos aus den Anfangszeiten des Internet ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt. So gab es früher die weit verbreitete Auffassung, dass sich online nur seltsame Sonderlinge auf Partnersuche befänden, die im echten Leben niemanden abbekämen. Heute ist klar: Menschen, die im Netz nach Liebe suchen, unterscheiden sich kaum vom Rest der Bevölkerung. Einige Untersuchungen ergaben sogar: Wer online flirtet, ist geselliger, hat weniger Angst, fremde Menschen kennenzulernen und ist offener für Veränderungen als der Durchschnitt. Der Soziologe Jean-Claude Kaufmann charakterisiert Online-Dater als „urbane junge Akademiker mit vielen sozialen Kontakten und einer Unmenge an Freizeitaktivitäten“.

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