Am Wochenende ist im Internet ein weiterer ZDF-Testballon gestartet: Die internationale Koproduktion „The Team“ hatte Online-Premiere und ist in der Mediathek bereits vor ihrer Fernsehpremiere am 8. März abrufbar. Die von der ZDF-Tochter Network Movie produzierte europäische Miniserie ist horizontal erzählt und hat Weltniveau: In acht knapp einstündigen Episoden (bei der TV-Ausstrahlung sind es vier Doppelfolgen) geht es um ein europäisches Ermittlerteam, das in Berlin, Kopenhagen und Antwerpen eine mysteriöse Mordserie aufzuklären hat.
Kurz hintereinander wird aus den drei Städten jeweils ein Mord an einer Prostituierten gemeldet. Es scheint sich um denselben Täter zu handeln, denn alle Frauen wurden mit einem gezielten Schuss ins linke Auge getötet, und jedem Opfer wurde der kleine Finger an der rechten Hand abgeschnitten.
Europol stellt daraufhin eine Sondereinheit aus dem Dänen Harald Bjørn (Lars Mikkelsen), der BKA-Beamtin Jackie Mueller (Jasmin Gerat, M.) und der Belgierin Alicia Verbeek (Veerle Baetens, bekannt aus "The Broken Circle") zusammen. Was zunächst nach den brutalen Morden eines Einzeltäters aussieht, entwickelt sich zu einem hoch komplexen Fall, der das Team auf die Spur eines international operierenden kriminellen Netzwerkes bringt.
Dabei geht es natürlich nicht ohne emotionale Verstrickungen im Privatleben der Kommissare zu: Zwei teilen eine gemeinsame Vergangenheit, die dritte hat selbst eine Prostituierte als Schwester und mit internen Querelen in ihrer Behörde zu kämpfen. Bis in die Nebenrollen ist "The Team" sehr gut besetzt: Sunnyi Melles überzeugt als depressive Jazz-Sängerin, Filip Peeters gibt einen zwielichtigen Sicherheitschef.
Auch wenn die hoch digitalisierte Polizeiarbeit in der Serie manchmal etwas unrealistisch wirkt, hat der Krimi ein reales Vorbild: Als Reaktion auf die steigende Anzahl grenzüberschreitender organisierter Kriminalität rief Europol 2010 die Initiative zur Gründung so genannter "Joint Investigation Teams" (JITs) ins Leben.
Ein halbes Jahr lang recherchierten die dänischen Drehbuch-Autoren Mai Brostrøm und Peter Thorsboe im Den Haager Hauptquartier von Europol - zehn Millionen Euro hat das Zweite in die Serie investiert. Bestellt für den späten Sonntagabend, geht es in der Inszenierung entsprechend schonungslos zur Sache. Die Regisseure Kaspar Gaardsøe und Kathrine Windfeld (sie überzeugte schon mit der in Kopenhagen und Malmö spielenden Krimiserie "Die Brücke - Transit in den Tod") reizen die Nerven ihres Publikums in jeder Weise, die Bilder haben große Sogkraft.
Wer dem Verlauf der Geschichte folgen will, tut im Fall von „The Team“ wirklich gut daran, die Mediathek zu nutzen und nicht auf die wochenweise TV-Ausstrahlung im März zu warten. Serienfans werden sich außerdem darüber freuen, dass die Geschichte dort im englischen Original mit Untertiteln zu sehen ist.
Staffelfinale muss erst frei getwittert werden
Die Online-First-Taktik bei "The Team" ist Teil einer neuen Distributionsstrategie beim ZDF: Auch die Ferdinand-von-Schirach-Verfilmung „Schuld“ mit Moritz Bleibtreu hatte der Mainzer Sender bereits zwei Wochen vor der Free-TV-Premiere in die Mediathek gestellt. So ereicht man Zielgruppen, die mit der Fernsehausstrahlung für das ZDF auf regulärem Wege nicht (mehr) erreichbar sind.
Gleich am ersten Wochenende der Online-Premiere wurde „Schuld“ rund 200.000 Mal abgerufen. Das ist im Vergleich zu den vier oder fünf Millionen Zuschauern, die eine TV-Ausstrahlung erreichen kann, zwar wenig. Aber es ist eine wichtige Neugierquote, die sich im Netz rasch viral vermehren kann.
Vor allem das Angebot, alle Folgen hintereinander zu sehen, macht eine Online-Programmierung für Serienfans attraktiv. Denn diese Komplett-Freigabe schließt auf zum großen Vorbild Netflix. Das Streamingportal stellte vor zwei Jahren seine Prestigeserie „House of Cards“ gänzlich ins Netz, statt durch künstliche Verknappung einer gestückelten Ausstrahlung Nachfrage zu erzeugen.
Bei komplexen horizontalen, also durcherzählten Geschichten hat das sogenannte „Binge Watching“ (von engl: Gelage) durchaus Sinn, wenn man als Zuschauer mit den vielen dramaturgischen Wendungen Schritt halten will. Diese müssen allerdings für den Vorab-Genuss des gesamten Thrillers auch etwas tun: Das Staffel-Finale von "The Team" wird in der Mediathek nur dann vorab freigegeben, wenn bis zum 1. März auf Twitter 25.000 Hashtags #TheTeam gezählt werden.
Hier können Sie "The Team" kostenlos anschauen.TV-Ausstrahlung: Sonntag, 8. März 2015, 22 Uhr, ZDF
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