„Operation Epstein Fury“ steht mit dem Finger in eine dicke Staubschicht geschrieben. Daneben finden sich Botschaften über Israel, US-Präsident Donald Trump und die zahlreichen gescheiterten Versuche, den Krieg gegen den Iran zu beenden. Ein Foto der Schriftzüge auf der Klappe eines Militärflugzeugs verbreitet sich derzeit rasant in sozialen Netzwerken. Es soll aus dem Persischen Golf stammen und von US-Soldaten angefertigt worden sein.
Veröffentlicht wurde die Aufnahme am Sonntag von Trita Parsi, Mitgründer und Vizepräsident des Quincy Institute for Responsible Statecraft in Washington. Parsi ist auf die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sowie auf die geopolitischen Verhältnisse im Nahen Osten spezialisiert und hat mehrere Bücher über Iran, Israel und die amerikanische Außenpolitik veröffentlicht.
Parsi erklärte auf X, das Bild sei ihm „aus dem Einsatzgebiet“ zugespielt worden. Die Botschaften hätten US-Militärangehörige im Persischen Golf in den Staub eines Flugzeugteils geschrieben. Ein Soldat habe ihm zudem berichtet, dass es dem derzeitigen Einsatz an Truppenmoral fehle. Das mache für Soldaten, die auf unbestimmte Zeit an wenig attraktive Einsatzorte geschickt würden, einen erheblichen Unterschied. Die Identität des Mannes nennt Parsi nicht.
USS Abraham Lincoln: Senatoren fordern Aufklärung über Zustände auf US-Flugzeugträger
„Sei ein guter Goy und tu, was Israel dir sagt“
Neben „Operation Epstein Fury“, einer Verballhornung des offiziellen Namens „Operation Epic Fury“, sind auf dem Foto weitere politische Botschaften zu erkennen.
Eine lautet: „Be a good goy and do what Israel tells you to“ – sinngemäß: „Sei ein guter Goy und tu, was Israel dir sagt.“ Der Begriff „Goy“ bezeichnet einen Nichtjuden und wird in solchen Zusammenhängen häufig in antisemitisch aufgeladenen Darstellungen verwendet. Die Botschaft spielt zugleich auf die in den USA geführte Debatte über Israels Einfluss auf Trumps Iran-Politik an. Seriöse Medien haben mehrfach über israelischen Druck auf Trump und Geheimdienstinformationen aus Israel berichtet, die amerikanische Stellen teilweise nicht unabhängig bestätigen konnten.
Neu ist zumindest der Ausdruck „Operation Epstein Fury“ nicht. Er kursiert bereits seit Beginn des Krieges in sozialen Netzwerken. Die Washington Post berichtete im März unter Berufung auf die Anti-Defamation League, die Abwandlung des offiziellen Operationsnamens sei innerhalb der ersten drei Kriegstage mehr als 90.000-mal auf X erwähnt worden. Ein Teil der Beiträge verband den Epstein-Komplex mit Verschwörungserzählungen über Israel und Juden.
Die US-Streitkräfte nennen ihre seit Ende Februar laufende Militärkampagne gegen den Iran offiziell „Operation Epic Fury“. Das US-Zentralkommando bestätigt unter anderem den Einsatz von KC-135-Tankflugzeugen bei der Operation. Einige Medien ordnen auch das Flugzeug auf dem viralen Bild diesem Typ zu. Das bestätigt jedoch nicht, wann und wo die konkrete Aufnahme entstand oder wer die Schriftzüge anbrachte.
Foto aus dem Persischen Golf bislang nicht bestätigt
Genau hier liegt die entscheidende Einschränkung. Aufnahmeort und Zeitpunkt des Fotos sowie die Identität der mutmaßlichen Urheber lassen sich bislang nicht unabhängig überprüfen. Eine öffentliche Bestätigung durch das US-Zentralkommando oder die Air Force liegt nicht vor. Auch internationale Medien, die inzwischen über das Foto berichten, kennzeichnen die Aufnahme ausdrücklich als unbestätigt.
Das Bild allein belegt damit weder eine breite Ablehnung des Krieges im US-Militär noch eine schlechte Moral der amerikanischen Truppen. Unabhängig von der Aufnahme gibt es dafür allerdings inzwischen konkrete Warnsignale bei Teilen der Streitkräfte.
Besonders gut dokumentiert ist die Situation auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Das Schiff unterstützt seit Monaten die amerikanischen Operationen gegen den Iran und hat laut Associated Press mehr als 240 Tage ohne Unterbrechung auf See verbracht. Der gesamte Einsatz dauert bereits mehr als 260 Tage. Angehörige berichten über Versorgungsprobleme und psychische Belastungen. Die Navy räumte ein, dass Kampfhandlungen wichtige Versorgungswege unterbrochen hätten. Lebensmittel seien deshalb vor Hygieneartikeln und Post priorisiert worden.
Navy schickt zusätzliche Psychologen und Sozialarbeiter
Das auf Militärthemen spezialisierte US-Portal Task & Purpose berichtete unter Berufung auf Familienangehörige von schlechter Stimmung, langen Warteschlangen beim Essen, defekten Toiletten und Problemen mit Duschen und Hygiene. Nach Angaben der Navy Times kam es auf dem Flugzeugträger zuletzt zu mehreren Suizidversuchen. Senator Ruben Gallego berichtete zudem von verschimmelten Duschen, kaum warmem Wasser, rationierten Mahlzeiten und Seife sowie 12- bis 16-stündigen Schichten ohne freie Tage. Rund 5000 Soldaten und Marines befinden sich demnach auf dem Flugzeugträger.
Die Navy widerspricht allerdings Darstellungen einer allgemeinen psychischen Krise. Sie habe keinen Anstieg von Suizidgedanken oder Suizidversuchen festgestellt, erklärte sie gegenüber AP. Zugleich kündigte die Marine an, zusätzliche Sozialarbeiter und Berater für psychische Gesundheit auf die Lincoln zu schicken. Der amtierende Marineminister Hung Cao sprach von einer kleinen Zahl behandelter psychischer Probleme.
Trump spielte die Belastungen zuletzt herunter. Auf die mehr als 240 Tage dauernde ununterbrochene Zeit der Lincoln auf See angesprochen, sagte er am Freitag, diese sei „bei Weitem nicht lang genug“. Der Flugzeugträger soll nun von der USS George Washington abgelöst werden.
Der Iran-Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Mehr als fünf Monate später ist ein Ende weiterhin nicht absehbar.
US-Raketen offenbar „so gut wie alle“ aufgebraucht – während China den Iran aufrüstet
Der Iran hat eine entscheidende Waffe: die Weltwirtschaft
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de