Der neue Eigentümer, ein mit der Firma Perella Weinberg Real Estate (PWRE) verbundener Fonds, will auf dem rund 25.300 Quadratmeter großen Areal, das von der Oranienburger Straße bis zur Friedrichstraße reicht, ein neues Stadtquartier errichten. Zwar ist noch unklar, wie es aussehen soll, doch steht immerhin schon der Name der Architekten fest: Das Schweizer Büro Herzog & de Meuron aus Basel, das die Elbphilharmonie in Hamburg und die Münchner Allianz-Arena entwarf, soll die Neubauten gestalten.
Kulturelle Nutzung im Vordergrund
Beraten werden die Investoren von der Agentur Ketchum Pleon, bei der der frühere Stadtentwicklungssenator und SPD-Parteichef Peter Strieder tätig ist. Strieder sagte am Montag zur Berliner Zeitung, die Planung für das Tacheles bewege sich im Rahmen des geltenden Bebauungsplans.
Vorgesehen sei unter anderem eine kulturelle Nutzung, außerdem sollten Wohnungen und Büros entstehen. Dadurch, dass der Investor den geltenden Bebauungsplan nutzen will, verhindert er eine neue zeitaufwendige Umplanung im Bezirk. Ein Zeichen dafür, dass der Investor schnell bauen will.
Gespräche laufen
Noch laufen die Gespräche zwischen Bezirk und Architekten. Die hatten zunächst einen Entwurf vorgestellt, der mit den Grundzügen der Planung nicht vereinbar war, berichtete Mitte Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am Montag. Mittlerweile sei die Planung aber so verändert worden, dass sie genehmigungsfähig werden könnte. Noch befinde man sich aber „im Status der Bauberatung“, sagte Spallek.
Ein Bauantrag sei noch nicht eingereicht. Neben einer Nutzungsmischung wünscht sich der Bezirk eine direkte Verbindung von der Friedrichstraße zur Oranienburger Straße. Ein solcher Durchgang wäre nicht neu. Schon 1907 bis 1908 wurde an der gleichen Stelle eine Einkaufspassage eröffnet: Die Friedrichstraßenpassage, sie war nach der Kaiserpassage die zweitgrößte Einkaufpassage der Stadt. Das Konzept ging aber nicht auf, auch ein Kaufhaus hielt sich nicht. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude deswegen zwangsversteigert.
Rund um das Tacheles haben sich heute an der Oranienburger Straße viele Künstler und Kreative, Bars und Restaurants angesiedelt. Der Bezirk hofft, dass die Brache bald verschwindet. Bevor die Arbeiten beginnen, gibt es aber Kritik von der Architektenkammer.
Direktvergabe kritisiert
Die Präsidentin, Christine Edmaier, bemängelt, dass es keinen Architektenwettbewerb gegeben habe. Es sei mittlerweile zunehmend zu beobachten, dass Investoren namhafte Architekturbüro engagieren, weil sie hoffen, dass diese mehr für sie rausholen können, sagte sie. Bisher war es üblich bei großen Bauprojekten, dass die Investoren Wettbewerbe ausloben. Dadurch haben auch kleine Büros die Chance, einen Auftrag zu erhalten. Außerdem ist die Vielfalt der Vorschläge größer.
In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht man indes der Entwicklung ähnlich wie im Bezirk voller Hoffnung entgegen. "Die Vorschläge der Architekten, die abgerissenen Baukörper der ehemaligen Passage wieder herzustellen sowie weitere Höfe und Baukörper klarer zu gestalten, wurden einvernehmlich begrüßt“, sagte Behördensprecher Martin Pallgen.
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