Doch nun gelang der Brandenburger Polizei ein großer Schlag gegen eine professionelle Diebesgruppe. Am Wochenende konnte eine achtköpfige Bande festgenommen werden: sieben Männer, eine Frau, im Alter von 24 bis 48 Jahren, allesamt polnische Staatsbürger. „Gegen sechs der Männer wurden in Polen Haftbefehle verkündet“, sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bande seit November 2014 aktiv ist. Bislang konnten ihr sechs Diebeszüge im Land Brandenburg und vier in Bayern zugerechnet werden. „Der angerichtete Schaden liegt bei etwa einer halben Million Euro“, sagte Oberstaatsanwalt Frank Seidel.
Seit Monaten überwacht
Der erste Diebstahl ereignete sich im südbrandenburgischen Forst, weshalb die Brandenburger Polizei gegen die Bande ermittelte. Solche Bandenstrukturen zu knacken, hat sich die landesweit agierende Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Frankfurt (Oder) zur Aufgabe gemacht, die Seidel leitet. „Es geht nicht nur darum, die kleinen Kriminellen zu schnappen“, sagt er, „sondern vor allem auch darum, an die Hintermänner heranzukommen.“
Dazu ist meist ein langer Atem nötig: Denn nur recht selten wird mal ein Dieb beim Klau von Autos oder Solarmodulen gefasst. Etwas öfter schnappt die Polizei jene Kuriere, die das Diebesgut nach Osteuropa bringen wollen. Doch denen kann meist nur diese eine Tat vorgeworfen werden, weshalb diese keine Veranlassung sehen, für ein wenig Strafmilderung ihre Bande auffliegen zu lassen. Manchmal haben sie aber ein Handy dabei. Die Ermittler werten dann aus, wann der Täter wo war und ob sein Handy zum Beispiel auch an anderen Tatorten eingeloggt war. Wenn das der Fall ist, gehört er wohl zu einer Bande.
Wichtig ist dann, dass die Ermittler die Erlaubnis bekommen, jene Kontaktleute, deren Nummern auf den Handys gefunden wurden, zu überwachen. Irgendwann sind dann genügend Indizien und Beweise zusammen, um gegen die gesamte Bande vorgehen zu können.
So geschah es auch im aktuellen Fall der Solardiebe. Die Soko „Helios“ ermittelte gegen die Gruppe seit Anfang des Jahres. Dabei wurde auch schon früh mit polnischen Behörden zusammengearbeitet. Die Ermittler wussten, dass ein ganz bestimmter Transporter von der Bande genutzt wird. Als dieser und ein weiterer Wagen am Sonnabend aus Polen über die Grenze fuhren, wurden sie von verdeckten Ermittlern begleitet. Die Bande fuhr in der Nacht zu einer Solaranlage bei Eußenheim in Bayern.
Nach Angaben der Polizei stahl die Bande dann 194 Solarmodule im Wert von 60.000 Euro. Die Polizei griff nicht sofort zu. Die Täter beluden ihren Transporter und fuhren zurück Richtung Polen. Mit den dortigen Ermittlern war vereinbart worden, dass die Bande erst in Polen festgenommen wird: Denn es war nicht klar, ob auch der Kopf der Bande dabei ist und ob sie von anderen Mitgliedern in Empfang genommen werden – die dann gleich mit verhaftet werden sollten.
Am Sonnabend gegen 10.30 Uhr wurde dann der erste Transporter mit dem Diebesgut gleich hinter der Grenze gestoppt. Im Wagen saßen der 48-jährige Kurierfahrer und eine 32-jährige Frau. Eine Stunde später stoppten die Polizisten an der selben Stelle den zweiten Wagen, einen Van mit sechs Insassen. „Darunter war auch der Kopf der Bande“, sagte Polizeisprecher Sonntag.
Danach durchsuchte die polnische Polizei die Wohnungen der Bandenmitglieder, und es wurden die Haftbefehle erlassen.
Vor allem gegen Rocker
Immer wieder ist aus Ermittlerkreisen zu hören, dass es den Mitgliedern solcher Banden durchaus lieber ist, wenn sie in Deutschland festgenommen und hier verurteilt werden. Der Grund: In Polen sind die Haftbedingungen meist härter und oft auch die Strafen rigider.
„Die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen klappt immer besser“, sagt Oberstaatsanwalt Seidel. „Früher wussten die Täter, wenn sie über die Grenze sind, sind sie in Sicherheit. Doch wie sich auch in diesem Fall gezeigt hat, stimmt das nicht mehr.“
Bei der organisierten Kriminalität geht es in Brandenburg derzeit in den meisten Fällen um Rockerkriminalität. Also um Gewalttaten wie Körperverletzung oder Mord zwischen den Gangs oder um Drogenhandel, den die Rocker entweder selbst übernehmen oder für den sie in bestimmten Regionen „Konzessionen“ an Dealer vergeben. „Zweiter Schwerpunkt ist der Autodiebstahl“, sagte Seidel. Aber es gibt auch den Zigarettenschmuggel, das Einschleusen von Ausländern und organisierte Wohnungseinbrüche.
Die Ermittler gehen davon aus, dass der Diebstahl von Solarmodulen ein Trend bei den Kriminellen ist, der wohl noch zunehmen wird.
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