Sturmschäden

Viele Bäume knicken wegen mangelnder Pflege um

Dass so viele Bäume umknicken, liegt auch am Sparprogramm des Senats.

Andreas Kopietz
3 Min
Im Volkspark Friedrichshain knickte der Sturm am Sonntagmorgen eine alte Weide um.

Im Volkspark Friedrichshain knickte der Sturm am Sonntagmorgen eine alte Weide um.

© Gerd Engelsmann

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen verursachte ein Sturm in Berlin erhebliche Schäden. Wegen „Herwart“ rückte die Feuerwehr am Sonntag zu mehr als 500 wetterbedingten Einsätzen aus. Am Schöneberger Ufer wurde ein Jogger von einem einstürzenden Baugerüst verletzt. In der Uhlandstraße in Charlottenburg beschädigte abgestürzte Dachpappe mehrere geparkte Autos.

Zu Beeinträchtigungen kam es im S-Bahn-Netz. Bis Montag ist auch der Fernzugverkehr auf den Strecken Hamburg-Berlin, Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden unterbrochen. Im Vergleich zu Niedersachsen, wo der Sturm ein Todesopfer forderte, kamen Berlin und Brandenburg relativ glimpflich davon. Glimpflich auch im Vergleich zu dem Sturm „Xavier“, der am 5. Oktober über Deutschland fegte.

Ein verheerendes Bild

Laut Senatsumweltverwaltung hatte „Xavier“ in Berlin rund 10.000 Bäume an Straßen, in Parks und auf Friedhöfen vernichtet oder so stark beschädigt, dass sie jetzt gefällt werden müssen. Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor. Laut Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) sind die Angaben zu den Schäden nur vorläufig.

In der Krossener Straße in Friedrichshain stürzte am Sonntagmorgen ein Gerüst ein.

In der Krossener Straße in Friedrichshain stürzte am Sonntagmorgen ein Gerüst ein.

© Morris Pudwell

Doch schon die erste Einschätzung der Grünflächenämter zu Straßen, Parks und Friedhöfen zeichnet ein verheerendes Bild: Allein im Bezirk Pankow schädigte oder vernichtete „Xavier“ bis zu 30 Prozent der alten Bäume. In Mitte wurden 460 Bäume beschädigt oder umgekippt. 600 Bäume müssen gefällt werden. In Steglitz-Zehlendorf stürzten 850 Bäume um oder müssen gefällt werden. An weiteren 9870 Bäumen im Südwest-Bezirk brachen dicke Äste und Kronen ab. In Marzahn-Hellersdorf wurden 250 Bäume entwurzelt oder so beschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Aus Köpenick und Reinickendorf werden ähnliche Zahlen gemeldet.

Berlin ist mit 440.000 Bäumen an seinen Straßen eine der grünsten Metropolen der Welt. Wegen Krankheiten, Überalterung und Wurzelschäden mussten in den vergangenen Jahren viele Bäume gefällt werden – allein im vergangenen Jahr mehr als 5000. Neu gepflanzt wurden nur 1797. Für Nachpflanzungen fehlt Geld. Über die Kampagne „Stadtbäume für Berlin“ versucht der Senat Baumpaten zu gewinnen. 2 000 Euro werden durchschnittlich benötigt, damit ein Straßenbaum gepflanzt und die ersten drei Jahre besonders gepflegt werden kann. Beteiligt sich ein Spender mit 500 Euro, gibt der Senat aus Landesmitteln den Rest dazu. „Die Steuerzahler verstehen nicht, weshalb die stadtökologisch sinnvolle Neupflanzung nur da erfolgt, wo es auch private Spender gibt. Das ist sozial wie ökologisch unsinnig“, kritisiert FDP-Mann Marcel Luthe.

Kaum Schadensersatz

Dass bei Sturm in Berlin so viele Bäume umknicken, hat nicht nur mit den Windstärken zu tun, sondern auch mit morschem Holz. Wegen jahrelanger Kürzungen fehlt den Bezirken Personal, um die Bäume ausreichend zu untersuchen und zu pflegen. „Sparen bedeutet, dass man da Ausgaben kürzt, wo sie unnötig sind“, sagt Luthe. „Aber der Senat spart nicht. Er lebt von der Substanz. Das sieht man an den maroden Schulen, den kaputten Polizeiwachen und eben auch an den Bäumen.“

Bekommt man einen bezirkseigenen Ast auf den Kopf oder aufs Auto stehen die Chancen auf Schadensersatz schlecht. Laut Staatssekretär Tidow besteht Schadensersatzanspruch nur, wenn ein Bezirk seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachkam. Wenn Bäume ab Windstärke 8 umstürzen, ist das „höhere Gewalt“. „Xavier“ hatte Windstärke 11 und „Herwart“ 10.

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