Vom Škoda Superb bis zum Rimac Nevera: Sieben Autos erzählen, wie Osteuropa die europäische Premiumproduktion verändert.
Osteuropa war in der alten automobilen Welt vor allem Produktionsort. Doch dieses Verhältnis verändert sich. Der Osten entwickelt sich zunehmend zum Kreativraum und Bühne für europäische Premiumautos. Wandel und Aufbruch osteuropäischer Geschichte lassen sich wunderbar am Automobil beobachten.
Das anschaulichste Beispiel ist die Marke Škoda aus Tschechien. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts und gehört damit zu den ältesten Automobilmarken der Welt. Nach Jahrzehnten im sozialistischen System avancierte die Marke ab 1991 durch die Integration in den Volkswagen-Konzern zu einem globalen Akteur. Der Škoda Superb ist das fahrende Symbol dieser Transformation.
Sein Name klingt nach Anspruch; sein Konzept folgt der Vernunft. Gebaut für lange Strecken, mit viel Raum und diskreter Präsenz. Ein europäisches Geschäftsauto, das seinen Wert nicht über einen großen Kühlergrill kommunizieren muss. Die Geschichte des Superb reicht dabei tief in die tschechische Automobiltradition zurück, die erste Variante 640 wurde bereits 1934 gebaut. Heute fertigt Škoda das Auto in Bratislava, nachdem die Produktion der vierten Generation 2023 dorthin verlagert wurde.
Hat Seat fertiggemacht: Der Škoda Superb.
© Škoda Superb
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Wenn der Superb als Alltagsauto für die neue osteuropäische Geschäftselite steht, ist der Kodiaq RS ihr Wochenendbegleiter. Groß, kräftig und mit jener Mischung aus Vernunft und Selbstbewusstsein, die Škoda inzwischen meisterhaft beherrscht. Der Kodiaq wird in Kvasiny in Ostböhmen gebaut, einem Werk, das selbst zum Sinnbild des tschechischen industriellen Aufstiegs und zu einem Arbeitgeber für rund 8.000 Mitarbeiter in der Region geworden ist.
Dort startete 2016 die Produktion des SUV; die zweite Generation fertigt Škoda dort seit 2024. Die RS-Version mit 265 PS ist dabei mehr als ein sportliches Statement. Sie veränderte die Wahrnehmung der Marke. Stand Škoda früher für Verfügbarkeit, Pragmatismus und sozialistische Alltagsmobilität, darf es heute schnell, luxuriös und selbstbewusst sein.
Škoda Peaq: Osteuropäische Avantgarde gegen chinesisische Maschinerie.
© Skoda Peaq
Nächstes Kapitel in der tschechischen Erfolgsgeschichte ist der neue Škoda Peaq. Der elektrische SUV ist mit sieben Sitzen und mehr als 640 Kilometer Reichweite das bislang größte Fahrzeug in der Modellpalette. Škoda produziert den Peaq seit August 2026 standesgemäß am historischen Stammsitz der Marke in Mladá Boleslav. Dort teilt er sich mit Enyaq, Elroq und Octavia dieselbe hochflexible Produktionslinie.
Auch Kroatien, lange eher als Tourismusdestination denn als Hightech-Nation wahrgenommen, erzählt in den letzten zwei Jahrzehnten eine der ambitioniertesten Geschichten des modernen Fahrzeugbaus: die Geburt und den Aufstieg von Rimac Automobili. Aktuelles Erzeugnis ist der Rimac Nevera, ein kroatisches Hypercar. Dort entwickelt, konstruiert und handgefertigt.
Selbst im Design trägt der Wagen seine Herkunft. Die charakteristische seitliche Form ist eine Anspielung auf eine Krawatte, die als kroatisches Symbol gilt. Seine technischen Daten sind beinahe absurd: Der Nevera strebt mit 1.914 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 412 km/h zum technologischen Gipfelstürmer. Der weiterentwickelte Nevera R bringt es sogar auf mehr als 2.100 PS.
Rimac Nevera: Zagreb überholt Wolfsburg.
© Rimac Nevera
Während Rimac die Zukunft elektrisch denkt, blickt die Marke Praga auf eine mehr als hundertjährige tschechische Rennsporttradition zurück. Die Bohema ist ein handgebautes, straßenzugelassenes Hypercar, das weniger als 1.000 Kilogramm wiegt und mit rund 700 PS auf radikalen Leichtbau setzt. Eine Auflage von 89 Exemplaren macht es zu einem der exklusivsten Supersportwagen der Welt, nur 20 Fahrzeuge pro Jahr entstehen im Werk des Rallye-Teams Kresta Racing im tschechischen Luhačovice.
Praga Bohema: Der Bugatti-Jäger.
© Praga Bohema
Von der hochexklusiven Manufaktur zu einem der modernsten Presswerke Europas. Seit 2017 produziert Porsche die dritte Generation des Cayenne vollständig in Bratislava. Seit diesem Jahr laufen dort Verbrenner, Hybridmodelle und Cayenne Electric auf derselben Produktionslinie. Die slowakische Hauptstadt ist damit ein Teil der Porsche-DNA geworden.
Erfolgsmodell aus Bratislava: Die dritte Generation des Porsche Cayenne läuft in der Slowakei vom Band.
© Porsche Cayenne
Ähnlich verhält es sich mit der G-Klasse von Mercedes-Benz. Die ungarische Fabrik in Kecskemét ist inzwischen ein wichtiger Teil des europäischen Produktionsnetzwerks und wird kontinuierlich ausgebaut. Auch die neue kompakte Generation der G-Klasse, der sogenannte „Little G“, läuft dort in Zukunft vom Band.
Der G-Wagon selbst bleibt ein kulturelles Objekt, das sich über die Jahrzehnte immer wieder neu historisch aufgeladen hat. Seit fast 50 Jahren Bauzeit hat sich die äußerliche Hülle kaum verändert. Konzipiert für den Militärbereich, später überwiegend in der Landwirtschaft genutzt und heute meist zum Luxus-Lifestyle-Objekt umfunktioniert, auch in osteuropäischen Metropolen.
Die neue kompakte Generation der G-Klasse, der sogenannte „Little G“.
© Mercedes G-Klasse
Sieben Autos, sieben Formen des Wandels und Aufbruchs. Škoda zeigt, wie aus einer Marke des ehemaligen Ostblocks ein europäischer Technologiekonzern werden kann. Porsche und Mercedes demonstrieren, wie selbstverständlich hochkomplexe Luxusproduktion inzwischen in Bratislava und Kecskemét funktioniert und Rimac und Praga gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Sie sind nicht mehr nur Teil der europäischen Automobilindustrie, sie definieren ihre eigene Kategorie
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