Pal Dardai, Mario Czaja, Adele und co.

Diese Menschen werden Berlin im neuen Jahr bewegen

Was bewegt Berlin 2016? Und vor allem wer? Wir haben die Personen herausgesucht, die aus ganz unterschiedlichen Gründen im Rampenlicht stehen werden.

Elmar Schütze Frederik Bombosch und Peter Neumann
6 Min
Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC Berlin.

Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC Berlin.

© AFP Lizenz

Neues Jahr, neues Glück. Doch schon jetzt ist sicher, dass auch 2016 das Flüchtlingsthema die Stadt intensiv beschäftigen wird. Wo kommen die Menschen unter? Gelingt die Integration? Ganz automatisch bleibt da der Sozialsenator im Fokus. In Wissenschaft, Stadtleben, Kultur und Sport schieben sich dagegen Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Gründen in den Vordergrund. Und wer weiß schon, wer nach der Wahl im September die Schlagzeilen bestimmt?

Mario Czaja

Angeschlagene Entscheidungsträger sind selten gute Krisenmanager. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) muss 2016 beweisen, dass diese Regel kein Gesetz ist. Seine wichtigste Aufgabe im neuen Jahr ist der Aufbau des Landesamts für Flüchtlingsfragen. Gelingt ihm das, dann hilft er nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch sich selbst und seiner Partei, zu deren Hoffnungsträgern er einst zählte. Kürzlich sagte Czaja: „Die Aufgabe, so viele tausend Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren, ist wirklich zu groß, als daraus parteipolitischen Profit zu ziehen.“ Das klingt vornehm. Aber tatsächlich geht es für Czaja längst nur noch darum, weiteren Schaden zu begrenzen.

Esther Perbrandt

Sie gilt als Erneuerin der Unisex-Mode und schickt schon mal Männer im Kleid auf den Laufsteg. Seit elf Jahren hat Esther Perbandt ihr gleichnamiges Label und die Designerin hat sich in dieser Zeit zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Modemacherinnen ihrer Geburtsstadt Berlin entwickelt. Zur Fashion Week (18.–22. Januar) zeigt die 40-Jährige ihre neuesten Kollektionen, die sie auch in ihrem eigenen Laden in Mitte verkauft. Perbandts Farbe ist Schwarz. Auf vordergründigen Sex-Appeal setzt sie bei ihren Entwürfen nicht: „Wenn man neugierig macht auf das, was vielleicht drunter sein könnte, ist es viel erotischer, als immer gleich alles zu zeigen.“

Paul Spies

Der Holländer, zuletzt Direktor des Amsterdam Museums, wird ab 1. Februar Berlins wichtigster Museumsmann. Als Direktor der Stiftung Stadtmuseum wird er Chef des Märkischen Museums, der Nikolaikirche, des Ephraim-Palais, des Knoblauchhauses und des Museumsdorfs Düppel – und zugleich Chefkurator des Humboldt-Forums. Klug, dass der 55-Jährige sagt: „Wir brauchen einen Masterplan, in dem wir bestimmen, wo wir was für wen zeigen wollen.“

Jan Stöß

Beim Mitgliederentscheid über die Nachfolge von Klaus Wowereit unterlag der SPD-Landesvorsitzende. Jetzt sichert er auf einem anderen Weg seine politische Zukunft: Stöß kandidiert in Mitte fürs Berliner Parlament. Dass er kein einfacher Abgeordneter bleiben wird, gilt als sicher. Unklar ist aber noch, ob er in den Senat geht, oder ob er Fraktionschef Saleh offen herausfordert und damit das derzeitige Machtefüge der SPD ändert.

Adele

Haben Sie schon Karten für Adele? Falls ja, dann ist es ja gut. Falls nicht, dann wird’s schwer mit Ihnen und der 27-jährigen Pop-, Soul-, R&B-, Ach-Einfach-Alles-Queen aus London. Die Konzerte der zehnfachen Grammy-Gewinnerin am 7. und 8. Mai in der Mercedes-Benz Arena waren prompt ausverkauft. Noch gibt es Resttickets zu Preisen ab 225 Euro für die beiden Termine im Netz. Unser Kommentar, um es mit Adele zu sagen: „Hello????“

Sabine Kunst

Am 19. Januar soll Sabine Kunst zur Präsidentin der Humboldt-Universität gewählt werden. Dort ist die 61-jährige Dithmarscherin freilich zweite Wahl. Schließlich hatte sich die HU bereits auf den Pharmakologen Martin Lohse als Präsidenten geeinigt. Doch der ließ sich von Querelen abschrecken und warf kurzfristig hin. Nun kommt mit Sabine Kunst eine energische Hochschul-Managerin. Bis jetzt ist sie Wissenschafts-, Forschungs- und Kulturministerin in Brandenburg. Viel Arbeit, viel Ehr also. Um es mit Sabine Kunst zu sagen: „Ein Fach war mir zu langweilig.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite unter anderem, was Berlin 2016 von Pal Dardai, Robert Harting und Meryl Streep zu erwarten hat.

Pal Dardai

Er habe ein ungarisches Herz und blau-weißes Blut, hat Hertha-Trainer Pal Dardai mal gesagt. Da könnte was dran sein, schließlich brachte Dardai es auf 61 Länderspiele für sein Heimatland. Zu den Blau-Weißen kam er 1997, als der Club gerade mal wieder aufgestiegen war. 297 Spiele später war Dardai Rekord-Herthaner, seit Februar ist der 39-Jährige Cheftrainer und hat das Team von einem Abstiegskandidaten aktuell auf Platz 3 geführt. Bleibt der ewige Traum vom DFB-Pokalfinale am 21. Mai im eigenen Stadion. Diese Saison steht Hertha BSC im Viertelfinale und ist damit so nah dran, wie lange nicht mehr. Auf die Frage von rbb-Fernsehmoderatorin Jessy Wellmer, ob er sich bei einem Pokalsieg die Haare blau färbe, antwortete Dardai: „Wenn wir gewinnen, dann machen wir das.“ Woraufhin Wellmer versprach: „Dann mache ich einmal den Herthinho im Olympiastadion.“ Dardai schlug in die Wette ein.

Petra Michaelis-Merzbach

Das Abhalten allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahlen ist das Wesen einer Demokratie. Als Landeswahlleiterin wacht Petra Michaelis-Merzbach darüber, dass die Abgeordnetenhauswahl am 18. September ordnungsgemäß abläuft. Zuletzt nämlich ging bei mehreren Abstimmungen einiges schief. Mal gab es zu wenig Stimmzettel, mal fanden sich Briefwahlunterlagen im Müll. In einem Interview sagte die 57-Jährige einmal: „Es fängt schon damit an, dass jedes Wahllokal auch wirklich um acht Uhr morgens besetzt sein muss. Manchmal erscheinen Wahlhelfer einfach nicht.“

Robert Harting

Berlins oberster Trikotzerreißer, Olympiasieger, Meister des fliegenden Diskus’ und der großen Klappe, plagt sich noch immer mit seinem operierten linken Knie. Das Comeback des 31-Jährigen ist für den 13. Februar beim Indoor-Istaf in der Mercedes-Benz Arena geplant, immerhin will er es noch nach Rio schaffen. Wäre doch schade, wenn’s mit Olympia nicht klappen würde, schließlich gilt: „Diskuswerfen unsexy? He, wir sind die Reinkarnationen der antiken Athleten!“

Heinrich Strössenreuther

Kopenhagen, London, Amsterdam: Anderswo wird massiv in den Radverkehr investiert. Und auf der ganzen Welt sagen Verkehrsforscher, dass dem vom Mineralöl unabhängigen, umweltfreundlichen Fahrrad die Zukunft gehört. Doch in Berlin geht der Ausbau des Radverkehrsnetzes zu langsam voran, kritisiert der Berliner Unternehmensberater Heinrich Strößenreuther. Er und seine Mitstreiter sammeln im Frühjahr 2016 Unterschriften für ein Volksbegehren, das Senat und Bezirke zu mehr Investitionen zwingen soll. Der 47-Jährige sagt: „Wir brauchen bessere Wege und eine bessere Verkehrsmoral.“

Stephan Loge

Ob es am BER eine weitere, peinliche Verschiebung der Eröffnung gibt, das entscheidet sich nicht in Berlin, auch nicht in Schönefeld, sondern in Lübben. Dort prüft das Bauordnungsamt unter Verantwortung des Landrats Stephan Loge (SPD), ob der Umbau der Entrauchungsanlage genehmigungsfähig ist. 2012 bot Loge den BER-Managern die Stirn und verweigerte die Betriebsgenehmigung. Ob das 2016 wieder nötig sein wird? Loge sagt nur so viel: „Beim Brandschutz darf es keine Kompromisse geben.“

Meryl Streep

Bisher kam sie nur zum Feiern: 2012 wurde Meryl Streep bei der Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbären fürs Lebenswerk ausgezeichnet – zur 66. Ausgabe der Filmfestspiele (11.–21. Februar) kommt die Schauspielerin zum Arbeiten. Sie übernimmt den Jury-Vorsitz. In Hollywood ist Meryl Streep der Star der Stars. Noch beeindruckender als ihre drei Oscars sind ihre 19 Nominierungen. In Berlin übte sich die 66-Jährige in Bescheidenheit, als ihre Berufung bekannt wurde. „Die Verantwortung ist fast etwas einschüchternd, da ich noch nie Präsidentin von irgendetwas gewesen bin.“

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