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Seit dem 7. Oktober 2023 hat das Palästinensische Olympische Komitee den Tod von 789 palästinensischen Athleten gemeldet. Die Opferzahlen umfassen 355 Athleten des Palästinensischen Fußballverbandes, 277 aus anderen olympischen Sportverbänden, 142 Mitglieder des Palästinensischen Pfadfinderverbandes und 15 Mitglieder der Sportmedien. Weitere 119 Athleten und Sportfunktionäre gelten als vermisst.
Jibril Rajoub, Präsident des Palästinensischen Olympischen Komitees, verurteilte das, was er als „systematische Zielerfassung“ palästinensischer Athleten bezeichnet, in aller Schärfe und forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Doppelmoral anzugehen, die diese Gewalttaten ermöglicht.
Der 72 Jahre alte Politiker und Funktionär nahm außerdem explizit die internationalen Sportverbände wie den Fußball-Weltverband (Fifa) und das Internationale Olympischen Komitee (IOC), aber auch die israelischen Sportverbände in die Verantwortung, endlich eine Reaktion zu zeigen. Seiner Ansicht nach müssen auch Trainings- und andere sportliche Aktivitäten in der völkerrechtswidrig besetzten Westbank umgehend gestoppt werden.
Jibril Rajoub, Präsident des Palästinensischen Olympischen Komitees
© Erhan Elald/imago
Auch zahlreiche Sportstätten sind den Angriffen anheimgefallen oder werden zu einem anderen Zweck genutzt. Das Al-Yarmouk-Stadion in Gaza beispielsweise, einst ein Zentrum des Gemeinschaftslebens und des Sports, soll Augenzeugenberichten zufolge zu einer Haft- und Folterstätte umfunktioniert worden sein. Andere Einrichtungen des Sports, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden und Orte der Hoffnung und Freude für die palästinensische Jugend waren, sind hingegen komplett verwüstet worden.
Warum es Berliner Originale wie Schrippenmutti oder Harfenjule heute nicht mehr gibt
Diese Zahlen sind für mich nicht abstrakt. Einst hatte ich die Ehre, Palästina bei internationalen Ruder-Wettbewerben zu vertreten. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in München erreichte ich den 16. Platz, was für Palästina eine herausragende Platzierung darstellt. Doch wenn ich die Todeszahlen aus Gaza lese, kann ich nicht umhin zu denken, dass auch mein Name auf einer dieser Listen auftauchen könnte.
Geflüchtete Palästinenser im Al-Yarmouk-Stadion in Gaza
© Omar Ashtawy/imago
Jeder Ruderschlag war ein Akt der Resilienz
Ich erinnere mich an ein Erlebnis aus dem Jahr 2006, als ich bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Eton antrat. Ein israelischer Athlet sprach mich nach Ende des Wettbewerbs ungefragt an und bemerkte, dass es vielleicht eine Handvoll guter Palästinenser gäbe, aber „den Rest erschießen wir“. Ich beschrieb diese Begegnung in meinem Buch, „The Jew Who Rowed For Palestine“. Damals versuchte ich, dies als eine grausame Bemerkung abzutun. Fast zwanzig Jahre später fühlt sich diese Aussage weniger als Beleidigung, viel mehr als eine düstere, sich nun erfüllende Prophezeiung an.
Sport in Palästina war schon immer ein verletzlicher Bereich. Ich erinnere mich, wie lange es dauerte, bis der palästinensische Ruderverband überhaupt Boote nach Gaza bringen konnte. Manchmal vergingen Monate, manchmal Jahre. Athletenprogramme aufzubauen, war immer ein mühsamer Kampf, doch er war wichtig, weil er jungen Menschen Hoffnung gab. Jeder Ruderschlag auf dem Wasser, jeder Ball, der über ein Spielfeld flog, oder jedes gestemmte Gewicht war ein Akt der Resilienz.
Athleten, die diese Hoffnungen trugen, wurden getötet, verhaftet oder sind verschwunden. Die Einrichtungen, die sie förderten, sind zerstört. Die Träume einer ganzen Generation sind unter den Trümmern von Stadien und Trainingsplätzen begraben.
Der Autor bei einem Ruder-Weltcuprennen im Jahr 2007
© Wareham/imago
Die Reaktion muss friedlich, aber entschieden sein
Im besten Fall steht Sport für Frieden, Gleichheit und gegenseitigen Respekt. Athleten müssen einander respektieren – unabhängig von ihrer Nationalität oder Herkunft. Wenn palästinensische Athleten nicht respektiert werden, wenn ihr Leben zerstört und ihre Stimmen zum Schweigen gebracht werden, muss die internationale Gemeinschaft etwas tun.
Diese Reaktion muss friedlich, aber entschieden sein. So wie die Welt einst das Apartheid-Südafrika von internationalen Wettbewerben ausschloss, so sollte auch Israel von Sportveranstaltungen ausgeschlossen werden, bis der Respekt gegenüber dem palästinensischen Volk und seinen Athleten wiederhergestellt ist. Und wenn der Sport wirklich für Frieden und Gleichheit steht, dann muss er auch für Palästina einstehen.
Mark Gerban, geboren in Philadelphia, ist ein ehemaliger US-amerikanisch-palästinensischer Ruderer. 2024 erschien sein Buch „The Jew Who Rowed For Palestine: An Israeli-Palestinian’s Search for Identity“.
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