Andere haben berufliche oder Verwaltungserfahrung. Der designierte grüne Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste in Pankow hat beides – plus Lebenserfahrung. Vollrad Kuhn ist 60 Jahre alt, studierter Schiffbauingenieur aus Lehnin, staatlich anerkannter Energieberater, langjähriger Fraktionsassistent des Grünen-Abgeordneten Michael Schäfer und daher Kenner der für die Grünen wichtigen Energiepolitik. Er weiß, wie ein Bezirksamt funktioniert, seit er Anfang der 90er-Jahre Stadtrat erst in Mitte und dann in Treptow war und kennt auch das Abgeordnetenhaus von innen, wo er Ende der 90er-Jahre grüner Abgeordneter war.
Es gibt also gute Gründe, warum die Pankower Grünen den Vater von vier erwachsenen Kindern bei der Abstimmung über den Rathausposten anderen Bewerbern aus dem Bezirk und der ganzen Republik vorzogen. Mit Kuhn, der aus der DDR stammt, Bürgerrechtler und Mitbegründer der Grünen in der DDR war, kommt jemand zum Zuge, der für das Bündnis 90 im Namen der Grünen steht.
Besonders kniffelig werden die Energiesparvorschriften
An mangelnder Kompetenz und Erfahrung wird es also nicht scheitern, wenn Vollrad Kuhn, der aus einer Pfarrersfamilie stammt und heute noch im Kirchenchor Posaune bläst, sein neues Amt antritt. Aber ein Selbstläufer wird es auch nicht. Kuhn ist klar, dass er sich aus dem großen Schatten seines grünen Vorgängers Jens-Holger Kirchner herausarbeiten muss, der zum Staatssekretär in der Umweltverwaltung aufgestiegen ist und auf seine resolute und berlinisch-bollernde Art über den Bezirk hinaus medial bekannt war.
Kuhn ist ein anderer, leiserer Typ und wird insbesondere bei der Bürgerbeteiligung und den zahlreichen Protesten gegen Wohnungsbauvorhaben in dem schnell wachsenden Bezirk seinen Weg finden müssen, das öffentliche Interesse gegen Wutbürger und Nein-Sager durchzusetzen – ohne dabei anhaltenden Zorn auf die eigentlich bürgerbeteiligungsfreundlichen Grünen zu produzieren. „Ich setze auch im postfaktischen Zeitalter darauf, die Leute letztlich mit sachlichen Argumenten und mit transparenten Entscheidungsverfahren überzeugen zu können,“ sagt er. Auch bei seinen Lieblingsthemen Umwelt und Energie wird er nicht nur Freude bei den Pankowern auslösen. Er will dazu beitragen, Berlin „klimafest“ zu machen. Das heißt im Zweifel mehr Grün und weniger asphaltierte Parkplätze für Autofahrer.
Besonders kniffelig wird es bei einer strikteren Anwendung der Energiesparvorschriften. Einerseits sind sie unumgänglich, wenn Berlin bis 2050 klimaneutral werden will. Andererseits sollen die Mieter nicht energetisch aus ihren Wohnungen „saniert“ werden. Um das politisch hinzubekommen, ist neben Kompetenz viel Fingerspitzengefühl nötig.
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