Vatikan

Papstwahl: Hält Macron sein eigenes Konklave ab?

Nach dem Tod von Papst Franziskus beginnt am 7. Mai das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers. Italienische Medien spekulieren, dass Macron versuche, Einfluss auf die Wahl zu nehmen.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Er gilt als Papst-Favorit.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Er gilt als Papst-Favorit.

© Vatican Media

Der französische Präsident soll sich in den vergangenen Tagen mit Mitgliedern des Konklaves getroffen haben, um für seinen Wunschkandidaten für das Papstamt zu werben, berichten italienische Medien. Dies soll kurz vor dem Beginn des Konklaves zur Wahl des Nachfolgers von Papst Franziskus am kommenden Mittwoch geschehen sein. Demnach soll Emmanuel Macron Gespräche mit mehreren Kardinälen sowie dem Gründer der einflussreichen Gemeinschaft Sant'Egidio geführt haben.

Laut der italienischen Tageszeitung Il Tempo hat Macron am Rande der Beerdigung von Papst Franziskus mit vier der fünf Kardinäle französischer Abstammung zu Mittag gegessen, darunter Jean-Marc Aveline, der Erzbischof von Marseille. Berichten zufolge fragte der französische Präsident die Kardinäle nach Möglichkeiten, einen Konsens für Aveline zu finden, den die Zeitung als „ultra-europäisch, anti-souveränistisch“ und „eines der liberalsten Mitglieder des Konklaves“ beschreibt. Macron soll auch mit Andrea Riccardi, dem Leiter der Gemeinschaft Sant'Egidio, zu Abend gegessen haben. Riccardi bestätigte gegenüber Il Foglio das Treffen, wies jedoch die Berichte über eine päpstliche Verschwörung als „unsinnig“ zurück. Die beiden hätten „Fettuccine, nicht Escargot“ zum Essen gehabt, sagte er und deutete an, dass die Berichte weitgehend übertrieben waren.

Italienische Zeitung: „Macrons Größenwahn kennt keine Grenze zwischen Heiligem und Profanem“

Seit dem 14. Jahrhundert hat Frankreich keinen Papst mehr gestellt. Der letzte Pontifex aus Frankreich war Papst Gregor XI., der 1378 verstarb. Nun werfen mehrere italienische Zeitungen Macron vor, direkt versuchen zu wollen, die Papstwahl zugunsten seines Landes zu beeinflussen. So schreibt etwa Il Tempo: „Macrons Größenwahn kennt keine Grenze zwischen Heiligem und Profanem. Bereit, alles zu tun, um sich aus den Umfragen zu befreien, die ihn in Sachen Beliebtheit abstürzen lassen, soll der Bewohner des Élysée-Palasts sogar daran gedacht haben, eine Rolle im nächsten Konklave zu spielen.“ Zudem wirft ihm die Zeitung „Interventionismus“ vor, „der eines modernen Sonnenkönigs würdig ist“.

Auch die konservative Zeitung La Verità beschuldigt ihn direkt, den nächsten Papst auswählen zu wollen, und spricht von einem „verzweifelten Schritt“. Der Élysée-Palast hat sich offiziell nicht zu den Treffen geäußert. Die Gemeinschaft Sant'Egidio wies die Vorwürfe der Einmischung zurück und erklärte gegenüber Le Monde, dass Macron „versucht, den Prozess zu verstehen und nicht zu beeinflussen“.

Emmanuel Macron mit Ehefrau Brigitte Macron bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.

Emmanuel Macron mit Ehefrau Brigitte Macron bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.

© A.M. Tinghino/Imago

Das Konklave für die Wahl des neuen Papstes wird am 7. Mai beginnen. Darauf einigten sich die im Vatikan versammelten Kardinäle. 135 wahlberechtigte Kardinäle werden so lange abstimmen, bis der Nachfolger des am Ostermontag verstorbenen Papstes Franziskus gewählt ist. Schon am vergangenen Montag sprachen die Kardinäle über die Herausforderungen, die der nächste Papst und die katholische Kirche meistern müssen.

Bislang gibt es keinen klaren Favoriten für die Nachfolge von Papst Franziskus. Als aussichtsreichster Kandidat gilt die bisherige Nummer zwei im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Der britische Buchmacher William Hill sieht Parolin an erster Stelle, dicht gefolgt vom ehemaligen Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle, und dem ghanaischen Kardinal Peter Turkson. (mit AFP)

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