Pergamonmuseum in Berlin: Pergamonaltar wird fünf Jahre saniert

Der Pergamonaltar, besser gesagt, der Fries mit dem Kampf der Götter und Giganten, ist das wichtigste antike Denkmal in Deutschland. Er ist das einzige Weltwunder, das weitgehend die Zeiten überstanden hat und heute in einem Museum verwahrt wird. Ein Kunstwerk mit immer neu zu entdeckendem Drama und Pathos, voller Trauer und wilder Kraft. Für den Pergamonaltar reisen Menschen um die ganze Welt nach ...

BLZ
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Berlin - Der Pergamonaltar, besser gesagt, der Fries mit dem Kampf der Götter und Giganten, ist das wichtigste antike Denkmal in Deutschland. Er ist das einzige Weltwunder, das weitgehend die Zeiten überstanden hat und heute in einem Museum verwahrt wird. Ein Kunstwerk mit immer neu zu entdeckendem Drama und Pathos, voller Trauer und wilder Kraft. Für den Pergamonaltar reisen Menschen um die ganze Welt nach Berlin.

Am 28. September werden die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das deren Museumsbauten betreut, den Saal des Pergamonaltars im Pergamonmuseum schließen. Der 1930 erstmals eingeweihte Saal ist seit dem schnellen Wiederaufbau 1959 nicht mehr wirklich grundlegend überarbeitet worden. Vor allem das Glasdach und die gewaltige Eisenkonstruktion darüber werden neben der Klimatechnik, den Wänden und den Depots saniert.

Weil aber die Friese an den Saalwänden, so der Direktor der Antikensammlung Andreas Scholl zur Berliner Zeitung, aus konservatorischen und finanziellen Gründen nicht demontabel sind, sollen sie eingehaust werden. Ihre jüngste Restaurierung hat offenbar nicht, wie um 2000 gehofft, mehr Flexibilität geschaffen. Dabei wurden sie nicht wieder in einen einheitlichen Zementgrund eingesetzt, sondern in vielfach geteilte Kalksteinplatten.

Das bedeutendste Kunstwerk, das sich in Berlin befindet, ist deswegen für mindestens fünf Jahre nicht zu sehen. Vielleicht für sieben, acht, zehn Jahre? Eine Garantie für die Neueröffnung gibt niemand, das Bauen in historischen Gebäuden ist immer ein Wagnis.

Jahrzehnte in der Versenkung

Unvorstellbar, dass die Londoner die Elgin Marbles von der Athener Akropolis jahrelang dem Publikum entzögen, um die Duveen Galleries zu renovieren. In Berlin hingegen ist die Südasien-Sammlung der Staatlichen Museen schon seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr zu sehen; stand die Skulpturensammlung fast ein Jahrzehnt im Depot, bis 2006 das Bode-Museum wieder eröffnet wurde, ist das Kunstgewerbemuseum seit Jahren geschlossen.

1861 kam der deutsche Straßenbauingenieur Carl Humann zum ersten Mal auf den Burgberg über dem heutigen Bergama, in das antike Pergamon. Er entdeckte kostbare Altertümer, aber auch die rauchenden Öfen, in denen die antiken Marmore zu Kalk gebrannt wurden. Erst 1878 konnte er für die Berliner Museen mit den Ausgrabungen beginnen. Bis heute wird in Bergama gearbeitet. Frei gelegt wurden schon 1886 die Reste einer einstigen Weltstadt – und gleich zu Beginn die Fries-platten des Zeus-Altars.

Dass die Funde damals geteilt wurden, war osmanisches Gesetz, sie musste im Einvernehmen zwischen den deutschen Ausgräbern und den osmanischen Behörden stattfinden sowie durch einen Erlass des Sultans bestätigt werden. Trotz vieler heutiger Kritik an angeblichem „Raub“ des Altars ist diese Fundteilung also gerade kein Dokument imperialistischer Überwältigung. Der für die Ausgrabungen zuständige Direktor der Kaiserlichen Kunsthochschule in Konstantinopel, Osman Hamdi Bey, ein berühmter Gelehrter, Mitglied der Akademien ganz Europas, setzte die Interessen „seines“ Archäologischen Museums durchaus kraftvoll durch. Nicht zufällig ist es heute eine der bedeutendsten Sammlungen der Welt. Letztlich um den Altar als Gesamtkunstwerk wieder erlebbar zu machen, entschied Hamdi Bey mit, auch die bereits nach Konstantinopel gebrachten Teile nach Berlin zu geben.

Zunächst wurden die Fries-Platten im Alten Museum gezeigt, 1901 erhielt der Altar das Erste Pergamonmuseum. Ein zierlicher Bau, der kaum acht Jahre später weichen musste für das monumentale heutige Pergamonmuseum. Dass dieses wegen Krieg und Inflationszeit erst 1930 eröffnet werden würde, konnte keiner der Beteiligten ahnen. Noch weniger, dass der Fries schon 1939 mit Kriegsbeginn neuerlich für 20 Jahre aus den Augen der Öffentlichkeit verschwand, eingemauert, dann im Zoo-Bunker verwahrt, schließlich im Sommer 1945 von der Roten Armee in die Sowjetunion gebracht wurde. Chruschtschow gab ihn 1958 der DDR zurück. Seit 1959 wird er wieder im Altarsaal gezeigt. Kein Kunstmuseum Deutschlands hat seither mehr Besucher als das Pergamonmuseum.

Dennoch bieten die Staatlichen Museen bisher keine Alternative an, um dies Kunstwerk auch während des kommenden Umbaus zu zeigen. Letztlich, weil ihr das Baugeld nicht mehr reicht, versenkt etwa im Schlamm für den Eingangsbau am Kupfergraben. Dabei gibt es Konzepte genug.

Lange wurde debattiert, ob man den Altarsaal, wie in so ziemlich jeder Kirchensanierung inzwischen Usus, bei Besucherbetrieb erneuern könnte. Die Sicherheit des Publikum sowie die der Skulpturen sprächen dagegen, konstatierte Andreas Scholl. Bei einem Überbauen des Frieses mit einem Gang wäre zu wenig Abstand, um die Skulpturen zu sehen.

Also hofft er derzeit, irgendwann das eindrucksvolle Panorama-Gemälde wieder installieren zu können, das Yadegar Asisi im Sommer 2012 im Ehrenhof des Pergamonmuseums zeigte. Scholl will es nun auf dem einstigen Kasernengelände gegenüber dem Bode-Museum neu installieren, ergänzt durch einige Abgüsse der „Haupttafeln“, eine Dokumentation der Grabungen und den „Kleinen Pergamonfries“.

Asisi aber ist auch ein risikobewusster Unternehmer. Offenbar will er nicht neuerlich in Vorleistung gehen, um das Panorama zu finanzieren. Die Installation muss also bezahlt werden. Von Sponsoren. Oder dem Staat. Von 10 Millionen Euro ist die Rede. Und kein Zahler in Sicht. Und es bliebe das Manko bestehen: Das Gemälde ist kein Ersatz für die Skulpturen.

Dabei gibt die Sanierung des Altarsaals Gelegenheit zu einem großen Ausstellungs-Experiment: In der Gipsformerei der Berliner Museen befinden sich bis heute die in den 1880er- und 1890er-Jahren hergestellten Abgussformen von etwa der Hälfte des Frieses.

Wenn schon die Originale nicht gezeigt werden können, dann doch wenigstens diese bis in kleinste Details hinein genauen Abformungen. In einem Aufbau, der dem antiken Altar gleicht, unter einem gut isolierten, industriellen Schutzbau von etwa 50 mal 50 Quadratmetern. Grobe Schätzungen gehen von 1,6 bis zwei Millionen Euro für eine entsprechende Halle, den Unterbau, die Installationen aus. Dazu kämen die Kosten für die Abgüsse und die für weitere Abformungen.

Berlin hilft Bergama

Es könnte etwas entstehen, was das Pergamonmuseum nicht zu bieten hat: Der Rundgang außen um den fast quadratischen Altarkörper, so, wie man ihn in der Antike erlebte. Im Altarsaal stehen die Friese bekanntlich an den Innenseiten des Saals. Eine monumentale, aber kulturhistorisch unbefriedigende Lösung. Deswegen gab es noch 1927, unmittelbar vor der Fertigstellung des Saals, Entwürfe, den Altarsaal in Richtung Spree so zu erweitern, dass der Altarkörper frei in ihm hätte aufgestellt werden können. So, wie es wenige Jahre später in Rom für den Augustus-Friedens-Altar gemacht wurde. Die heftige Debatte wurde von den damaligen Museumschefs genauso technokratisch abgewürgt wie kürzlich die um den Ostflügel des Schlossnachbaus: Man habe geplant, die Gelder seien bewilligt. Basta.

Inzwischen ist Messels Altarsaal längst selbst ein Denkmal. Aber wenigstens während dessen Sanierung könnte die Alternative, der antike Rundgang um den Altar noch einmal erlebt werden.

Und was geschieht nach der Wiedereröffnung des Altarsaals mit den teuren Abgüssen und der Halle? Sie könnten ein Geschenk Berlins an Bergama, an das antike Pergamon werden, wo bisher nur einige Tafeln des Altars im Abguss zu sehen sind.

Die originalen Skulpturen in Berlin, die erstklassige Kopie im originalnahen Aufbau nahe dem historischen Ort – das wäre eine Perspektive, die über die langen Jahre ohne Altarsaal helfen würde, ohne dass sich die Museen wieder dem Kommerz ergeben müssten.

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